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    RANDERSACKER

    Betrachten und bewundern ja, pflücken nein!

    Im Altfränkischen Weinberg: Sie laden am Sonntag, 19. April, zum Tulpenblütenfest am Randersackerer Pfülben ein, (von links) Dietrich Haas, Dietmar Vogel und Ralf Kuhn. Foto: Traudl Baumeister

    Eine Augenweide bietet derzeit an sonnigen Tagen der nach historischen Vorbild angelegte Altfränkische Wengert hoch über dem Maintal bei Randersacker. Dort haben die gelben Weinbergstulpen zwischen den Rebstöcken ihre Knospen geöffnet und überfluten den Wengert mit einem gelb leuchtenden Blütenmeer – kontrastreich durchsetzt vom kräftigem Blauviolett der Traubenhyazinthen. Die Blütenpracht nimmt der Verein Altfränkischer Wengert wieder zum Anlass für sein Tulpenblütenfest. Das findet an diesem Sonntag, 19. April, ab 13 Uhr am Pfülben (von mittelhochdeutsch „pfülwe“ = Kissen) statt.

    Zwar fällt die Blütenpracht in diesem Jahr insgesamt etwas geringer aus, sagt Dietrich Haas, der stellvertretende Vorsitzende. Aber das, so ergänzt der Vereinsvorsitzende, Bürgermeister Dietmar Vogel, gehöre in dem Museumsweinberg irgendwie dazu. „Auch unser Wein schmeckt in jedem Jahr anders – aber immer gut.“ Das, erklärt Haas, liege an dem speziellen fränkischen Mischsatz, dem sogenannten Frentsch. Um einen völligen Ernteausfall möglich auszuschließen, durchmischten Winzer früher ihren Wengert mit unterschiedlichen Rebsorten. Das hat man am Pfülben nachgeahmt.

    Der Frentsch besteht zu drei Viertel aus Riesling, ergänzt mit knapp einem Sechstel Traminer und weiteren Rebsorten von Spätburgunder, Blauem und Grünem Silvaner, Trollinger, Gutedel, Muskateller, Ruländer und Weißer Elbling. Hinzu kommt die Buketttraube, auf die man im Verein besonders stolz ist. Die weiße Rebsorte wurde von dem örtlichen Weinbaupionier Sebastian Englerth im 19. Jahrhundert gezüchtet. „Sie sorgt dafür“, so Haas, „dass unser Wein immer die richtige Säure hat.“ Ausgebaut wird der Museumswein von erfahrenen örtlichen Winzer Armin Störlein.

    Angelegt wurde der rund 800 Quadratmeter große Museumsweinberg mit etwa 650 Rebstöcken auf Initiative des 2011 verstorbenen Architekten und Heimatpflegers Herbert Haas Ende der 1980er Jahre. Nach der Jahrtausendwende hat der Verein die Bewirtschaftung der historischen Rebfläche übernommen. „Wir achten bei allen notwendigen Arbeiten im Weinberg sehr darauf, achtsam mit den Pflanzen und Tieren umzugehen, die sich mittlerweile auf unserem Weinberg angesiedelt haben“, betont Vereinsmitglied Ralf Kuhn.

    Arbeit gibt es stets genug, verzichtet man doch auf den Einsatz von Maschinen sowie auf Draht. Statt der über Draht verbundenen Pfähle, ranken sich die Reben hier an jeweils drei Pfählen. Neue fleißige Helfer und Mitglieder sind deshalb im Verein gern gesehen. Würden nicht Schüler aus dem Praxisseminar des evangelischen Dag-Hammasrkjöld-Gymnasiums im Weinberg mithelfen, wäre der Aufwand für die rund 500 Liter Altfränkischen Wein ohnehin kaum mehr zu bewältigen.

    Neben den Weinbergstulpen und den oberhalb stehenden Weinbergpfirsich-Bäumen wachsen bei den Rebstöcken auch Wiesenbocksbart, nickender Milchstern, Pimpinell-Rose, Färberwaid und -kamille, Königskerzen und Schwertlilien – umschwirrt von zahlreichen Wildbienenarten und beobachtet von den Bewohnern der alten Steinmauern.

    „Und ist die Tulpenblüte vorbei, ist der Hang voller Quecke“, freuts ich Kuhn. Und auch die wissen die Weinbergsfreunde zu schätzen: „Egal wie sehr es regnet oder stürmt, unser Hang rutscht nicht ab, wird nicht davongespült oder fliegt davon.“ Und die Tulpen scheint das wuchernde Unkraut nicht zu stören.

    Gefährdete Pflanzenarten

    Übrigens: Die Weinbergstulpe steht auf der Liste der gefährdeten Arten. Sie zu pflücken oder gar aus dem Boden zu holen ist daher strengstens verboten. Anschauen und sich daran freuen ist am Sonntag aber ausdrücklich erwünscht.

    Der Weg zum Altfränkische Wengert ist ab der Maingasse in Randersacker ausgeschildert.

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