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    WÜRZBURG

    Bischof stellt Flüchtlingspolitik ins Zentrum seiner Rede

    _ Foto: Daniel Peter (www.danielpeter.net)

    Warum Bischof Friedhelm Hofmann nach fünf Jahren Abstinenz wieder ans Rednerpult beim Empfang der Stadt am Sonntag trat, brachte Oberbürgermeister Christian Schuchardt kurz und knapp auf den Punkt: Vor einigen Jahren sei begonnen worden, wechselnde Redner zum Neujahrsempfang einzuladen. Bis dahin habe immer der Bischof nach dem OB gesprochen.

    Trotz der Veränderungen in der Gesellschaft hätte Schuchardt persönlich nicht mit dieser Tradition gebrochen.

    An dieser Stelle erhielt er großen Beifall. Er werde diese Tradition aber auch nicht wieder herstellen. Der OB betonte, er wolle keinen Wettbewerb zum Diözesanempfang, bei dem Kanzlerin Angela Merkel am Montag spricht.

    Gastredner Bischof Hofmann

    Aber nach Josef Schuster, dem Präsident des Zentralrates der Juden, der 2016 Gastredner war und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dem Rastvorsitzenden der evangelischen Kirche, der 2018 ans städtische Mikrofon treten wird, sei es mehr als naheliegend, dass in diesem Jahr wieder das Diözesanoberhaupt eingeladen wurde.

    Außerdem sei 2017 das letzte Amtsjahr für Bischof Hofmann. Und der Ehrengast trug sich im Anschluss ins goldene Buch der Stadt ein.

    Missbrauch in der Kirche

    Einen breiten Raum nahm bei dessen Ansprache die Bewältigung des Flüchtlingsstroms und der Einsatz der freiwilligen Helfer ein. Aber auch die Missbrauchsfälle in der Kirche hätten ihn sehr geschmerzt und das große Versagen Einzelner im Inneren der Kirche. „Ich kann mich dafür immer nur entschuldigen, mich den Opfern zuwenden und für eine bessere Zukunft arbeiten.“

    Dann wandte sich der Bischof dem Thema Flucht und Migration zu. Er freue sich, dass in Unterfranken Großartiges bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme geleistet worden sei. Etwa 2200 Frauen und Männer in Pfarreien, Verbänden und Helferkreisen hätten sich dafür alleine in der Caritas und in ökumenischer Gemeinschaft engagiert.

    Menschen mit Zukunftsangst

    „Es ist nicht zu übersehen, dass viele Menschen Zukunftsängste haben“, sagte er. Viele befürchten, dass finanzielle Mittel zugunsten der Migranten gekürzt würden. Andere hätten Angst vor der Vielzahl fremder Kulturen in Deutschland. Die Terrorakte in jüngster Zeit schürten die Ängste vor dem Islam.

    Hofmann nannte die Bluttat von Heidingsfeld und den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt als Beispiele. Die großen Unterschiede zwischen den Religionen müssten da offen angesprochen werden. Und darum bemühe sich die Diözese Würzburg eifrig.

    Gerechte Verteilung der Flüchtlinge

    Für den Bischof ist es wichtig, dass die Ursachen in den Flüchtlingsländern selbst angegangen werden. Mitentscheidend sei aber auch, dass sich ganz Europa um eine gerechte Verteilung der Hilfesuchenden bemühe. Allerdings, und das machte er klar, müssten auch die Einreisekontrollen durchgeführt und straffällig gewordene Asylsuchende ausgewiesen werden.

    Blick auf 2017

    Dann richtete Hofmann den Blick weiter voraus auf das Jahr 2017. Er nannte hier das Jubiläum der evangelischen Kirche, die 500 Jahre Reformation feiert. Die Spaltung belaste die Katholiken auch heute noch. Doch es gebe auch viele positive Aspekte der Reformation. Einen strich er heraus: Das gewachsene ökumenische Miteinander.

    Kickers helfen Würzburg

    Der Bischof ist bekannt als großer Fußballfan. Daher verwunderte es nicht, dass er auf die Würzburger Kickers einging und ihnen den sensationellen Erfolg des Klassenerhalts in der zweiten Bundesliga wünschte. Und damit sei auch Würzburg wieder in aller Munde.

    Nun werde die Domstadt nach dem Austritt der Briten aus der EU auch noch offizieller Mittelpunkt Europas. „Mir ist wichtig, dass Würzburg über diese äußere Mitte nicht seine innere Mitte, seinen Mittelpunkt verliert“, betonte Hofmann. „Und das sind die uns überkommenen jüdisch-christlichen Werte.“

    Für den kirchlichen Würdenträger ist es wichtig, dass Würzburg an seiner Zukunft baut. Doch manche Probleme wie das Mozartgymnasium oder die Gestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes ziehen sich wie zäher Kaugummi. Der aufbrandende Applaus gab ihm Recht.

    Zum Ende seiner Rede beschäftigte sich der Kirchenmann mit dem Begriff Gutmensch, dem Unwort des Jahres 2015. Heute treffe dieser Begriff Menschen, die ehrenamtlich Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingshilfe praktizieren und sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime wehren.

    Lebensabend in Würzburg

    „Würzburg, die Stadt und das Bistum sind deshalb so liebenswert, weil es hier viele Gutmenschen gibt, die Worten Taten folgen lassen. Ich habe die Franken in den vergangenen zwölf Jahren als Menschen erlebt, die zwar nicht das Herz auf der Zunge tragen, es dafür aber beherzt in die Hand nehmen. Und deshalb bleibe ich auch in Zukunft Wahlfranke“, versprach Hofmann. Er wird seinen Lebensabend in Würzburg verbringen.

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