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    Brückenschoppen: Würzburger Brückenwächter sorgt für Ordnung

    Gerade in den Sommermonaten ist viel los auf der Alten Mainbrücke: Neben Touristen und Radfahrern wollen die Brückenscho... Foto: Daniel Peter (dpa)

    Wenn David Obermeier über die Alte Mainbrücke in Würzburg schlendert, liegt sein Fokus vor allem auf Weingläsern. Und den Menschen, die sie in den Händen halten. Er achtet darauf, dass weder die Gläser noch die Trinkenden auf der Brüstung stehen oder sitzen. Außerdem spricht er sowohl die «Brückenschopper» als auch vorbeidüsende Radfahrer an, falls sie einander nicht ausreichend Platz lassen.

    Obermeier ist Inhaber der Sicherheitsfirma, deren Mitarbeiter auf der Alten Mainbrücke an sonnigen Tagen für Frieden und Sicherheit sorgen - und dafür, dass der berühmte «Brückenschoppen» im Herzen der Würzburger Innenstadt möglich ist. Immer zu zweit und in beschrifteten Shirts haben sie als Brückenwächter das Geschehen im Blick.

    Touristen und Fahrradfahrer: Brücke als Nadelöhr

    Die Alte Mainbrücke gilt als eine der bekanntesten Steinbrücken Deutschlands. Sie steht in ihrer Berühmtheit der Regensburger und selbst der Prager Brücke in nichts nach. Als offizieller Radweg verbindet sie die Flussseite mit der Festung Marienberg mit der Innenstadt, dem Würzburger Dom und der Residenz. Entsprechend viel Verkehr herrscht auf der etwa sieben Meter breiten Brücke. Radfahrer, Fußgänger, ob des Blicks über die Weinberge staunende Touristen, Weintrinker, Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen - vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden ist die Verkehrsdichte hoch.

    Die Brücke wird in dieser Zeit zum Nadelöhr. Und damit auch zum Zankapfel. Haben die Fahrradfahrer auf dem offiziellen Radweg ein Recht auf schnelle Durchfahrt? Oder müssen sie in der ausgewiesenen Fußgängerzone schieben? Der Vorschlag, einfach eine Gasse in der Mitte der mit groben Pflastersteinen bedeckten Brücke zu lassen, war keine Hilfe für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen-Schiebende - die bleiben nämlich mit ihren kleinen Rädern dort hängen und müssen daher auf den mit kleineren Steinen gepflasterten Fußweg ausweichen. Dort aber tummeln sich dicht an dicht die «Brückenschopper».

    Gefahr droht auch durch Weingläser, die auf der Brückenbrüstung abgestellt werden: Unter der Brücke verlaufen Straße und Fußweg, es gibt Schiffsverkehr und ab und an Bauarbeiten an der Schleuse. Da könnte ein herabstürzendes Glas ordentlich Schaden anrichten.

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    Wirte finanzieren Brückenwächter 

    Verbale Attacken nach dem Ertönen der Fahrradklingel, dem Wunsch nach ein bisschen mehr Platz oder einer Zurechtweisung von Gaststätten-Personal waren noch vor Monaten keine Seltenheit. Beim Ordnungsamt und der Lob-und-Beschwerde-Stelle der Stadt machten zudem immer wieder wütende Mainbrücken-Nutzer ihrem Ärger Luft. Seit Jahren suchen Wirte und Stadt deshalb nach Lösungen. Mit Schildern. Mit Hinweisen. Mit einem Gläser limitierenden Pfandsystem. Und nun im inzwischen dritten Jahr eben auch mit Brückenwächtern. 

    Das lassen sich die Wirte auf der Alten Mainbrücke sogar etwas kosten. Sie finanzieren die Arbeit von Obermeier und seinen Kollegen. Diese Vereinbarung war eine Bedingung der Stadt Würzburg. Und seitdem funktioniere es besser, sagt auch Wirt Jan Endres.

    Auf der Brücke schenken mindestens drei Gastwirte Weine aus - und der «Brückenschoppen» hat sich etabliert. Nicht wenigen Touristen bleibt neben Festung, Weltkulturerbe-Residenz und den Weinbergen vor allem das entspannte Weintrinken auf der Innenstadtbrücke in Erinnerung. «Mittlerweile wird der "Brückenschoppen" in fast jedem Reiseführer als Highlight erwähnt», sagt Endres. Auch Straßenmusiker haben die Brücke als lukrativen Platz entdeckt.

    Der Brückenwachter als beliebtes Fotomotiv

    Obermeier und seine Kollegen freuen sich über die meist entspannte Atmosphäre und tragen selbst dazu bei. «Unsere Prämisse ist: Wir sind so freundlich wie möglich.» Das komme in der Regel gut an und die meisten Menschen seien rasch einsichtig, sagt Obermeier. Gibt es doch mal größere Probleme, rufen sie Ordnungsamt oder Polizei - die Brückenwächter sind nicht weisungsbefugt. «Man muss sich da wirklich umgewöhnen: Wir können nicht so bestimmt auftreten wie sonst», sagt Obermeier. Meist ist härteres Durchgreifen aber ohnehin nicht nötig, neben höflichen Bitten bleibt Zeit für Gespräche oder Scherze mit den Besuchern. So sind die Brückenwächter inzwischen selbst zur kleinen Attraktion geworden - und ein beliebtes Fotomotiv.

     

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