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    Würzburg

    Bürgermeisterwahl: Wird sie in Würzburg wieder ein Krimi?

    Hinter den Kulissen wird in der Würzburger Politik gerade viel verhandelt. Es geht um die Bürgermeisterposten. Warum diese so begehrt sind und wer dafür im Gespräch ist.
    Wer trägt die Bürgermeister-Amtskette nach der Konstituierung des neuen Würzburger Stadtrates am 4. Mai?
    Wer trägt die Bürgermeister-Amtskette nach der Konstituierung des neuen Würzburger Stadtrates am 4. Mai? Foto: Silvia Gralla

    Seit den Kommunalwahlen vom 15. März ist offiziell von der Würzburger Politik wenig zu hören, hinter den Kulissen passiert aber um so mehr. So beschäftigt sich der alte Stadtrat in nichtöffentlichen Sitzungen mit dem Theaterintendanten Markus Trabusch und der neue stellt die Weichen zu anderen wichtigen Personalien: Wer wird Bürgermeister?

    Die beiden Stellvertreter von Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) bestimmt der neue Stadtrat aus seinen Reihen in seiner ersten Sitzung am 4. Mai in geheimer Wahl. Die Verhandlungen zwischen den Fraktionen dazu laufen bereits auf Hochtouren.  

    Warum sind die Bürgermeisterposten so begehrt? 

    Seit einer gefühlten Ewigkeit haben Adolf Bauer (CSU) und Marion Schäfer-Blake (SPD) die Bürgermeisterposten inne. Seit 24 beziehungsweise 18 Jahren vertreten sie den OB, repräsentieren die Stadt, leiten Stadtratssitzungen, eröffnen Feste . . . Doch jetzt haben sich die  Verhältnisse verändert: Die CSU ist nicht mehr stärkste, und die SPD nicht mehr zweitstärkste Fraktion im Stadtrat. Für das schwarz-rote Duo Bauer-Schäfer gibt es keine Mehrheit mehr.     

    Vor sechs Jahren: Oberbürgermeister Christian Schuchardt (Mitte) am 5. Mai 2014 mit den soeben wiedergewählten Bürgermeistern Adolf Bauer (CSU) und Marion Schäfer-Blake (SPD). 
    Vor sechs Jahren: Oberbürgermeister Christian Schuchardt (Mitte) am 5. Mai 2014 mit den soeben wiedergewählten Bürgermeistern Adolf Bauer (CSU) und Marion Schäfer-Blake (SPD).  Foto: Theresa Müller

    Bürgermeisterposten sind begehrt, da die Ehrenbeamten neben einer monatlichen Aufwandsentschädigung von 4756 Euro auch Macht und Einfluss haben. Die  Bürgermeister – mit eigenem Zimmer und gemeinsamen Vorzimmer im Rathaus – sind in wichtige Entscheidungsprozesse der Verwaltung eingebunden. Dadurch sind sie – und damit ihre Fraktionen – über wichtige Prozesse schnell und gut informiert und können diese mitgestalten.  

    Deal zwischen Grünen und CSU

    "Wir sind mit allen Parteien im Gespräch", sagt Matthias Pilz, Fraktionsvorsitzender der Grünen zum Stand der Verhandlungen. Seine Fraktion ist künftig mit 16 Sitzen die stärkste und hat damit traditionell das Anrecht auf den ersten Stellvertreterposten. Da dieser Kandidat aber 26 Stimmen braucht, um gewählt zu werden, benötigen die Grünen dafür Unterstützung. Üblicherweise kommt diese  von der zweitstärksten Fraktion, die dafür den zweiten Stellvertreter bekommt.

    Das wäre jetzt die CSU. Wie ist hier der Stand der Verhandlungen? "Da sich die CSU vor sechs Jahren auch nicht an dieses Vorgehen gehalten hat, ist dieses Vorgehen nicht in Stein gemeißelt", sagt Pilz. 

    Bürgermeisterwahl: Wird sie in Würzburg wieder ein Krimi?

    Vor sechs Jahren blamierte das konservative Wahlbündnis Würzburg  

    Tatsächlich hat die CSU vor sechs Jahren die Spielregeln ausgehebelt. Die damals noch stärkste Fraktion wollte nicht nur Adolf Bauer als ersten, sondern auch FDP-Stadtrat Joachim Spatz als zweiten Bürgermeister durchsetzen. Dieser sollte so für seine Wahlkampfhilfe für OB Schuchardt belohnt werden, obwohl Schäfer-Blake fast viermal so viele Würzburger gewählt hatten. 

    Im Stadtrat bekamen Spatz und Schäfer-Blake gleich viele Stimmen und nach zwei Wahlgängen entschied am Ende das Los den Wahlkrimi nach langem Zittern für die SPD-Politikerin. "Die konservative Wahlallianz hat Würzburg blamiert. Hat durch den Postenpoker nur Verlierer hinterlassen: den mühsam gewählten Bürgermeister Bauer, die geloste Bürgermeisterin Schäfer-Blake, den unterlegenen Kandidaten Spatz (FDP), den hilflos wirkenden OB, einen handlungsunfähigen Stadtrat," kommentierte diese Redaktion im Mai 2014 die Bürgermeisterwahl.

    Lehrrieder oder Heilig?

    "Das war ein ungünstiger Start", erklärt dazu CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Roth. Mit ihm gebe es diese Versprechungen nicht. Auch Joachim Spatz erklärt gegenüber der Redaktion, dass er Schuchardt ohne die Aussicht auf einen Bürgermeisterposten unterstützt habe. Dennoch will er die Frage, ob er sich am 4. Mai zur Wahl stellt, momentan offen lassen.   

    Grünen-Chef Pilz ist ebenfalls zugeknöpft. Er bestätigt weder Namen – nach Informationen dieser Redaktion werden bei den Grünen die Fraktionsvorsitzende Barbara Lehrieder und der gescheiterte OB-Kandidat Martin Heilig als mögliche Bürgermeister gehandelt – noch gibt er eine Antwort auf die Frage nach den Verhandlungen mit der CSU.  

    Diese hofft, dass dieser Deal zustande kommt und die Grünen einen Kandidaten für den ersten Stellvertreter aufstellen, den die CSU unterstützen kann. "Dafür möchten wir dann Unterstützung für den zweiten Stellvertreter", sagt Roth. Und wer aus der Fraktion soll es werden? "Unser Favorit ist Adolf Bauer", erklärt Roth. Erfahrung und Beliebtheit machen nach seiner Auffassung  den 74-Jährigen zu einem geeigneten Bürgermeister.                

    Werden sich Grüne und CSU im Bürgermeister-Deal einig, dann könnten sie am 4. Mai ihre Kandidaten mit einer breiten Mehrheit aus 30 Stimmen durchsetzen. Wenn nicht, oder wenn nicht alle Fraktionsmitglieder in der geheimen Wahl wie verabredet stimmen, könnte es wieder spannend werden.         

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