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    WÜRZBURG

    Bürgerwehr "Lupus": Verfahren gegen Frau eingestellt

    Die Facebook-Seite von Lupus Foto: Schreenshot: MP

    Polizei und Stadtverwaltung schätzen sie nicht. Aber die „Bürgerwehr“ mit dem lateinischen Namen Lupus (Wolf) patrouilliert weiter durch Würzburg. Nun hat das Amtsgericht ein Verfahren wegen „Bildung bewaffneter Gruppen“ gegen eine arbeitslose Friseurin aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart) eingestellt. Die 24-Jährige ist Lupus-Mitglied und war an Aktionen der selbst ernannten Ordnungshüter beteiligt.

    Bis zum September 2013 traten sie martialisch auf: schwarze Cargo-Hosen, schwarze Blousons und weiße Hemden mit Schulterklappen und einem heulenden Wolf auf Ärmel und Rücken. Im Hosenbund klemmten Funkgeräte, am Gürtel baumelten Handschellen und Pfefferspray-Dosen. Die Angeklagte, Inhaberin eines kleinen Waffenscheins, hatte auch eine Schreckschuss- oder Signalwaffe bei sich. Die „Einsatzgruppe Lupus“ lief Streife in Würzburg, mischte sich in Streitigkeiten ein, legte auch mal jemandem Handschellen an, von dem sie vermutete, er habe Straftaten begangen. Als Legitimation reichte den Wölfen die Strafprozessordnung, die es Bürgern im Rahmen des „Jedermannsrechts“ erlaubt, jemanden vorläufig festzunehmen, den sie auf frischer Tat ertappen.

    „Chef“ der Wölfe ist der Verlobte der Angeklagten, der sich laut Badischer Zeitung mal erfolglos für den Polizeidienst beworben hatte. Für den Zeitungsbericht vom März 2014 ließ er sich zusammen mit der Angeklagten von einem Reporter begleiten und fotografieren. Mit einer von der Polizei ausrangierten kugelsicheren Weste sei die Frau damals unterwegs gewesen, schreibt der Journalist. Ihr Engagement verstehe sie als Zivilcourage. „Für uns ist das ein Hobby“, wird sie zitiert, „das macht einfach Spaß. Außerdem ist die Polizei nicht immer rechtzeitig zur Stelle.“

    Als der Artikel erschien, hatten die Hobby-Polizisten von Lupus bereits Ärger mit der echten Polizei. Beamte hatten Wärmekamera, Handschellen, Funkgerät und Pfefferspray sichergestellt, es wurde ermittelt. Die Wölfe mussten Uniformen, Bewaffnung und ihre Bezeichnung „Einsatzgruppe“ ablegen. „Wir haben Hinweise auf Amtsanmaßung, Nötigung, verbotene Uniformierung und gefährliche Körperverletzung“, hatte ein Polizeisprecher im September 2013 gegenüber dieser Zeitung erklärt. Dann hatte er gesagt, dass in „ganz Unterfranken“ kein Bedarf für eine Bürgerwehr bestehe. Auch Würzburgs Sicherheitsreferent Wolfgang Kleiner hatte betont, dass die Stadt „mit Sicherheit“ keine Hilfssheriffs brauche.

    Gruppe noch in Würzburg aktiv

    Gegen die Angeklagte erging ein Strafbefehl. Wegen „Bildung bewaffneter Gruppen“ und „Amtsanmaßung“ sollte sie 80 Tagessätze zu je zehn Euro, insgesamt also 800 Euro zahlen. Weil sie Einspruch einlegte, findet jetzt eine öffentliche Verhandlung vor dem Amtsgericht Würzburg statt. Außer Uniformierung und Bewaffnung wird der Frau vorgeworfen, einem Mann an einer Tankstelle einen Platzverweis erteilt und „den Eindruck erweckt zu haben“, ein „öffentliches Amt“ auszuüben.

    Vor Gericht erzählt die 24-Jährige, dass ihr Verlobter ihr die Gruppe vorgestellt habe. „Ich bin beigetreten, weil ich gut fand, was die machen“, sagt sie. „Viele schauen ja weg, wenn was passiert.“ Seit 2013 sei sie „mit auf Streife“ gegangen und habe immer wieder mal „Rettungsdienst und Polizei gerufen“. Die Sache mit der Uniformierung sei allerdings „blöd von uns“ gewesen, gibt sie zu. Das sehe der Verlobte, dessen Verfahren noch läuft, inzwischen auch so.

    Nachdem die Friseurin beklagt, dass sie wegen ihres Engagements bei Lupus weder Arbeit noch Wohnung finde und von Hartz-IV lebe, stellt das Gericht das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 300 Euro in sechs Raten ein.

    Lupus ist in Würzburg immer noch aktiv. Auf der Facebook-Seite der „Gemeinschaft“ und bei Youtube finden sich Videos von „Überwachungsmaßnahmen“ der selbst ernannten Ordnungshüter am 9. September und am 12. Oktober in der Würzburger Innenstadt. In einem Untertitel heißt es: „Unsere Videos sollen dazu dienen, Ihnen unsere Tätigkeit zu zeigen und Kritik und Anregungen zu ermöglichen.“

    Indes sorgt im südthüringischen Hildburghausen ein Fall von Selbstjustiz für Schlagzeilen. Dort soll am Freitag eine selbsternannte Bürgerwehr regelrecht Jagd auf den rumänischen Fahrer eines Kleintransporters gemacht haben. Das berichtet die "Thüringer Allgemeine". Wegen des Vorfalls ermittelt nun das Landeskriminalamt.

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