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    Hettstadt

    CSU-Landratskandidat Thomas Eberth setzt auf Eigeninitiative

    500 Gäste beim Neujahrsempfang der CSU-Kreistagsfraktion und eine gute Chance für Landratskandidat Eberth, Wahlkampf zu machen. Aber der setzt lieber auf leisere Töne.
    CSU-Kreisvorsitzender und Landratskandidat Thomas Eberth ruft beim Neujahrsempfang der Kreistagsfraktion zu mehr Eigenverantwortung auf.  Foto: Patty Varasano

    Schlagartig wird es unruhig in der Herzog-Hedan-Halle. CSU-Kreisvorsitzender Thomas Eberth ist gerade fertig mit seiner Neujahrsansprache, da wird er in die hintere Ecke der Halle gerufen. Dort warten bereits einige Parteifreunde auf ihn. Eberth borgt sich eine Trompete von einem Musikanten des Hettstadter Musikvereins und stellt sich zu den anderen. Darunter sind der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner mit der Posaune, Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz mit dem Saxophon oder Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder mit einem Horn in der Hand. Fotografen stellen sich auf. Und Gäste des Neujahrsempfangs, die den Trubel zufällig mitbekommen, warten gespannt darauf, dass Ihnen das prominente CSU-Ensemble den Marsch bläst. 

    Lehrrieder bringt keinen Ton mehr raus 

    Aber es kommt kein Ton. Die CSU-Promis wollen ihre Verbundenheit zur Blasmusik zeigen - und stellen das Foto. Dabei sind sie alle gestandene Musikanten. Aber, "es ist wie, wenn man eine fremde Frau küsst, die eigene ist dann beleidigt", erklärt Thomas Eberth, warum er nicht in ein fremdes Mundstück bläst. Und Paul Lehrieder hätte wahrscheinlich keinen Ton rausgebracht. Zuletzt habe er vor 19 Jahren bei seiner Hochzeit ein Kirchenlied gespielt, erinnert er sich. 

    "Wir als CSU benötigen wieder mehr Mut." 
    Thomas Eberth, CSU-Kreisvorsitzender und Landratskandidat

    Nachdenkliche Töne findet Thomas Eberth in seiner Neujahrsansprache. Der 44-Jährige ist nicht nur CSU-Kreisvorsitzender, sondern auch Hoffnungsträger seiner Partei bei der Kommunalwahl im März. Eberth, Bürgermeister in Kürnach, will Landrat werden. Deswegen hält er selbst die Neujahrsansprache und kein bekannter Parteipolitiker wie sonst. 

    Von Trump bis Tempolimit

    Eberth aber erspart den gut 500 Zuhörern sein Wahlprogramm. Stattdessen lobt er die Ehrenamtlichen und blickt auf das vergangene Jahrzehnt zurück. "Der Landkreis lebt davon, dass viele mehr machen als sie tun müssen", sagt er, bevor er kurz mit einem Seitenhieb auf Donald Trump weltpolitisch wird. 

    Nicht nur CSU-Politiker, sondern auch gestandene Musikanten.  Foto: Patty Varasano

    Eberth will "entwickeln, bewahren, gestalten" und diese drei einfachen Worte mit Inhalt füllen. Dabei spart er nicht mit Kritik an der eigenen Partei. "Wir als CSU benötigen wieder mehr Mut", sagt er. Diesen Mut vermisst Eberth vor allem dann, wenn es darum gehe, Bürger auf die Selbstverantwortung des Menschen hinzuweisen. Denn, der "Staat kann und muss nicht alles regeln" und "nicht alles darf reguliert, beschränkt und verboten werden". 

    Bewusst nachdenklich und nicht kämpferisch

    Weil keiner auf Autobahnen schneller als 130 Stundenkilometer fahren muss, niemand an Silvester zum Böllern schießen oder zum Fleisch essen gezwungen werde und schon gar keiner verpflichtet sei zu fliegen - liege es an jedem einzelnen, Verantwortung zu übernehmen. Und dann wird er doch kurz politisch. "Die CSU muss und darf sich nicht verstecken", sagt Eberth. Vor allem was Ökologie und Artenschutz angehe, "setzen wir dies bereits seit Jahrzehnten aktiv um". 

    Begrüßten rund 500 Gäste beim Neujahrsempfang der CSU-Kreistagsfraktion in Hettstadt (von links): Manfred Ländner, Thomas Eberth, Rosa Behon, Björn Jungbauer, Andrea Rothenbucher, Paul Lehrieder und Eberhard Nuß.  Foto: Patty Varasano

    Unter den Zuhörern sind auch Karen Heußner (Bündnis90/Die Grünen) und Christine Haupt-Kreutzer (SPD), die sich beide auch zur Wahl als Landrätin stellen. Sie hören genau zu. "Wenn die CSU schon immer grün war, warum haben sie jetzt soviel Nachholbedarf", kommentiert Karen Heußner. Etwas zurückhaltender ist die SPD-Kandidatin. Sehr allgemein und brav sei Eberths Rede gewesen, sagt sie. 

    Eberth wollte bewusst nachdenkliche Töne anschlagen. "Das ist ja auch der Neujahrsempfang, nicht der Starkbieranstich", sagt er. Bei Margret Weber aus Altertheim sind seine leisen Töne auch gut angekommen. "Ich wüsste keinen besseren Landrat als Thomas Eberth", sagt sie und gibt sich als überzeugtes CSU-Mitglied zu erkennen. 

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