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    Würzburg

    CSU-Stadtrat Schmitt will auf anderer Liste kandidieren

    Stadtrat Thomas Schmitt ist im vergangenen Jahr aus der CSU ausgetreten.   Foto: Thomas Obermeier

    Dass Thomas Schmitt bei der nächsten Wahl wohl nicht mehr für die CSU antritt, ist keine Überraschung: Schließlich ist der Stadtrat vergangenes Jahr aus der Partei ausgetreten. Er hatte sein Mandat und seine Funktionen in verschiedenen Aufsichtsräten zwar behalten und seinen Schritt mit der Flüchtlingspolitik der CSU und nicht mit kommunalpolitischen Streitigkeiten erklärt.

    Aber erstens hat er sich mit dem Parteiaustritt wenige Wochen vor der Landtagswahl bei einigen Parteigenossen unbeliebt gemacht - sie fanden das illoyal gegenüber Landtagsabgeordneten Oliver Jörg, der wenige Wochen später nicht wieder gewählt wurde. Zweitens sagt auch Schmitt, der die CSU-Fraktion viele Jahre als Vorsitzender beziehungsweise als stellvertretender Vorsitzender lange geleitet hat und auch im Kreisvorstand aktiv war: "Mit dieser Periode meines Lebens möchte ich abschließen."

    Jörg nannte Schmitt einen "begnadeten Intellektuellen"

    Der evangelisch-lutherische Diakon ist Flüchtlingsintegrationsbeauftragter, politischer Referent und Außenbeauftragter beim Vorstand der Rummelsberger Diakonie. Im Stadtrat war er für geschliffene Rhetorik und Wortwitz bekannt. Oliver Jörg nannte den 62-Jährigen einen "begnadeten Intellektuellen". Kollegen anderer Parteien schätzen ihnen wegen seiner sachlichen und fairen Art. 

     "Eigentlich wollte ich mit der Kommunalpolitik ganz aufhören", sagt Schmitt im Gespräch mit dieser Redaktion. Aber in den vergangenen Wochen seien einige Würzburger auf ihn zugekommen, die ihn  überreden wollten, das nicht zu tun. "Das schmeichelt natürlich der Eitelkeit, außerdem geht in Würzburg einiges voran, was ich gerne mitgestalten möchte."

    "Auch menschlich würde Thomas Schmitt gut zu uns passen."
    FWG-Fraktionschef Josef Hofmann 

    Als Beispiele nennt Schmitt die Gestaltung von Hubland, den Ausbau des ÖPNV und die Begrünung der Innenstadt. Die Fraktion, die zu seinen Positionen gut passe, sei die Freie Wähler Gemeinschaft Würzburg (FWG).  "Der Josef Hofmann und ich können gut miteinander arbeiten", glaubt Schmitt, der sich selbst als "wertkonservativ" bezeichnet. "Wir führen seit einigen Wochen Gespräche und wenn alles klappt und die Delegierten mich aufstellen, werde ich dort antreten."

    FWG-Fraktionsvorsitzender Josef Hofmann mit seiner Frau Iris beim Hoffest der Handwerkskammer im August. Foto: Angelika Cronauer

    "Wir führen sehr intensive Gespräche", bestätigt Hofmann. Man müsse ja die politischen Positionen genau abklären, bevor man sich zur Zusammenarbeit entscheide. Hofmann bezeichnet den Ex-CSUler als "strategischen Denker", dessen "politisches Gespür" er sehr schätze. "Auch menschlich würde Thomas Schmitt gut zu uns passen."  

    Die FWG hat momentan neben Fraktionsvorsitzenden Hofmann Andi Puhl und Uwe Dolata als Mandatsträger. Sie setzten sich in der vergangenen Legislaturperiode zum Beispiel mit der CSU für den Abriss der Mozartschule und für den Bau einer Tiefgarage unter dem Kardinal-Faulhaber-Platz ein. Gegen die CSU stimmte die FWG  zum Beispiel beim Park&Ride Platz auf dem Minigolfplatz in der Sanderau, sie möchte das stattdessen auf dem Parkplatz der Feggrube bauen.

    Loyalitätskonflikte  mit der CSU-Fraktion sieht Schmitt nicht

    Wenn Schmitt im März auf der FWG-Liste antreten sollte, könnte das die CSU Stimmen kosten. Doch Loyalitätskonflikte mit seiner langen politischen Heimat hat Schmitt deswegen nicht. "Da die CSU vermutlich auch bei der nächsten Wahl nicht die absolute Mehrheit erreicht, wird sie vernünftige Partner brauchen", sagt er mit ironischem Unterton: "Dafür könnte ich dann bereit stehen."  

    Der 1957 in Darmstadt geborene Schmitt war als 16-Jähriger in die CSU eingetreten. 1999 wurde er Mitglied im CSU-Kreisvorstand, von 2008 bis 2014 war er Vorsitzender, von 2014 bis 2018 stellvertretender Vorsitzender der Stadtratsfraktion.

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