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    OCHSENFURT

    Carmina Burana: Die Proben gehen in die heiße Phase

    Dirigent Wolfgang Kurz (rechts) hat die musikalische Leitung des Chorprojekts für die „Carmina Burana“ in Ochsenfurt übernommen. Die Proben gehen in die Endphase. Foto: Claudia Schuhmann

    Nach und nach füllen sich die Stuhlreihen in der Aula der Realschule. Männer und Frauen, alle mit dickem Notenheft ausgestattet, suchen ihre Plätze. An der Treppe steht Initiatorin Renate Lindner und sieht aus wie jemand, der gerade realisiert hat, dass seine Idee Wirklichkeit geworden ist. In der Realschule findet an diesem Abend die erste Gesamtprobe für die „Carmina Burana“ statt. Zum ersten Mal verbinden die sieben beteiligten Chöre, die bislang jeder für sich geprobt hatten, ihre Partien zum Gesamtwerk.

    Derjenige, der die losen Enden verlöten muss, ist Dirigent Wolfgang Kurz aus Würzburg. Unerschrocken hatte Renate Lindner ihn im Herbst 2016 gefragt, ob er die Leitung des Projekts mit verschiedenen Laienchören aus der Region Maindreieck übernehmen würde. Kurz sagte zu und war anfangs erst einmal damit beschäftigt, die nicht ganz unberechtigten Zweifel Lindners zu zerstreuen. Denn Carl Orffs „Carmina Burana“ ist ein gewaltiges Werk, an desen Aufführung rund 200 Sänger mitwirken.

    Dirigent Wolfgang Kurz steht vor einer spannenden Aufgabe

    Ein Werk, das auf leidenschaftliche Chorsänger eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt. Renate Lindner liebäugelte schon lange mit einer eigenen Aufführung in Ochsenfurt, und anderen Sängern scheint es ähnlich zu gehen. Otmar Schlereth aus Eibelstadt zum Beispiel. Er gehört zu jenen Sängern, die sich außerhalb eines Chors an dem Projekt beteiligen. Er findet das Vorhaben ausgesprochen spannend und wollte von Anfang an dabei sein. Eingeübt hat er seinen Part teils alleine, teils mit dem Männerchor Frickenhausen.

    „Spannend“ ist das Adjektiv, das auch Dirigent Wolfgang Kurz zu dem Projekt als erstes einfällt. Allerdings macht der 64-Jährige einen völlig entspannten Eindruck, als er in der Realschule eintrifft. „Es ist ein anspruchsvolles Werk, aber zugeschnitten sowohl auf Amateure als auch auf Profis“, sagt er. Mit genügend Vorlauf sei die Aufgabe auch für Laien durchaus lösbar. Wolfgang Kurz hatte ganz zu Anfang die Einteilung der verschiedenen Stücke vorgenommen, abhängig vom Leistungsstand der jeweiligen Chöre.

    Mit Tricks können die Schwierigkeiten erleichtert werden

    „Es gibt auch ein paar Tricks, um die Schwierigkeiten zu erleichtern“, sagt der 64-Jährige mit verschmitztem Lächeln. Wer, wenn nicht Kurz, sollte solche Tricks kennen? Er ist hauptamtlicher Dozent für Orchesterleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg. Als solcher bringt er auch die wenigen Solisten mit, die unbedingt Profis sein müssen. Sie übernehmen die Partien, die höchste Ansprüche an einen Sänger stellen.

    Eine Katastrophe ist also bei der bevorstehenden Probe nicht zu befürchten? „Das Schlimmste, was passieren kann, ist das, was Frau Lindner geträumt hat“, sagt Kurz amüsiert: Nämlich dass er den Klavierdeckel zuschmeißt und die Szene verlässt. Genau das passiert aber nicht. Wolfgang Kurz nimmt Aufstellung vor den Sängern und hat das Geschehen sofort im Griff. Seine Erklärungen sind bildhaft, verständlich und witzig. Kurz weiß, wie man das Eis bricht.

    Die Sänger müssen mit ihren Kräften haushalten

    Die Übungen zum Einsingen beschränken sich nicht auf die Stimme, sondern gehen schon fast in ein schonendes Oberkörpertraining über. Nachdem den Stimmbändern klar geworden ist, was auf sie zukommt, geht es richtig los. Und zwar mit dem Carmina-Burana-Gassenhauer schlechthin: „O Fortuna“ – ein durchaus eindrucksvoller Vorgeschmack auf die Aufführung am 7. Juli. „Es ist ja schön, dass wir so kräftige Stimmen haben, die müssen wir aber noch ein bisschen aufheben“, sagt er. Soll heißen: Die Aufführung ist lang und anstrengend, die Sänger sollen haushalten mit ihren Kräften.

    Am nächsten Tag ist gleich noch einmal eine Gesamtprobe angesetzt, allerdings vormittags, damit auch der Kinderchor mitmachen kann. Gemeinsam mit dem Orchester kann erst bei der Generalprobe am Tag der Aufführung geprobt werden. Denn die Mitglieder der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg reisen erst am 7. Juli aus Düsseldorf an, sagt Wolfgang Kurz. Anfahrt, Generalprobe und Aufführung am selben Tag: ein strammes Programm für die Musiker. Und auch für die Sänger.

    Eine Magengrundlage ist wichtig

    Damit zumindest bei den Proben niemand darben muss, hat der Freundeskreis der Realschule das Catering übernommen. Er sorgt für Getränke, Kaffee und Mittagessen. Das ist nicht unwichtig. Mit leerem Magen dürfte niemandem nach der „frühlingshaften Leichtigkeit“ zumute sein, die Wolfgang Kurz zu hören wünscht. Und auch die Augen strahlen schöner, wenn für Verpflegung gesorgt ist. „Aus den Augen müssen Sie singen!“, motiviert der Dirigent seine Sänger. Sicher aber auch aus voller Kehle. Das erwarten die Besucher, die das Kartenkontingent für die knapp 1000 Menschen fassende Dreifachturnhalle schon annähernd leer gekauft haben.

    Die Aufführung der „Carmina Burana“ findet am Samstag, 7. Juli, in der Ochsenfurter Dreifachturnhalle statt. Ab 18 Uhr Sektempfang, 19 Uhr Einlass, Konzertbeginn 20 Uhr.

    Dirigent Wolfgang Kurz führt die einzelnen Chöre zusammen. Foto: Claudia Schuhmann

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