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    Würzburg

    Corona: Bayern schließt Schulen, Besucherstopp in Altenheimen

    Die Schulen in Bayern bleiben ab Montag bis zum Ende der regulären Osterferien geschlossen. Zugleich werden Besuche in Alten- und Pflegeheimen weitgehend verboten.
    Auch wenn die Klassenzimmer in Bayern in den nächsten Wochen leer bleiben, soll eine Grundversorgung der Schüler mit Lehrstoff stattfinden. Foto: Jonas Güttler, dpa

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus greift der Freistaat zu drastischen Maßnahmen: Ab Montag sind sämtliche Schulen in Bayern geschlossen. Betroffen sind auch Kindergärten und Kitas. Dies gab Ministerpräsident Markus Söder am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Das gilt bis zum Ende der regulären Osterferien am 20. April." Söder rät, die Betreuung der Kinder "nicht bei Omas und Opas" zu organisieren. Weiter wurde das Besuchsrecht in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen stark eingeschränkt. 

    Nachdem der Freistaat am Dienstag bereits Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagt hatte, ruft Söder nun auch zum Verzicht auf deutlich kleinere Events auf. "Alles was über 100 ist, sollte eigentlich nicht stattfinden", sagt der Ministerpräsident. Er kündigte "eine Art Anzeigepflicht bei den Kreisverwaltungsbehörden" an.

    Der Kampf gegen das Coronavirus stelle das Land vor eine Bewährungsprobe wie seit 70 Jahren nicht mehr. "Es ist auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung." Söder geht davon aus, dass sich über kurz oder lang bis zu 80 Prozent der Menschen infizieren werden.

    Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitagabend deutschlandweit 3062 Infizierte (+693), sieben Patienten sind bisher gestorben, einer davon  in Würzburg. Für Bayern hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Samstag um 13 Uhr neue Corona-Zahlen veröffentlicht und 681 Fälle gemeldet, 123 mehr als am Vortag. Die tatsächliche Zahl dürfte aber deutlich höher liegen, durch das Meldeverfahren über die örtlichen Gesundheitsämter kommt es zu zeitlichen Verschiebungen.

    So wird Würzburg vom LGL am Samstag mit 32 Fällen (bei bestätigten 52) und Aschaffenburg erst mit neun Fällen (gemeldet 22) geführt. Entsprechend zählt das Landesamt für Unterfranken bis Samstag erst 64 Infizierte. In Bayern am stärksten betroffen ist Oberbayern mit 364 Fällen.

    "Wir dürfen nicht nur debattieren, wir müssen entscheiden."
    Ministerpräsident Markus Söder

    Da es keine Medikamente gegen Corona gibt, soll die Ausbreitung durch andere Maßnahmen eingedämmt werden. "Die Lage verschlechtert sich", so Söder mit Blick auch auf das Ausland. "Wir müssen die Zeit nutzen. Wir dürfen nicht nur debattieren, wir müssen entscheiden."

    Alle Schulen in Bayern bleiben ab Montag grundsätzlich geschlossen. Laut Kultusminister Michael Piazolo soll aber für Schüler der ersten bis sechsten Klassen eine Notfallbetreuung an jeder Schule aufrechthalten werden. In Anspruch nehmen dürfen sie nur Kinder, deren beide Elternteile in "systemkritischen" Berufen arbeiten und deshalb nicht wegen Kinderbetreuung ausfallen sollen.

    Kinderbetreuung für Eltern in "systemkritischen" Berufen

    Laut einer Verfügung vom Freitag zählen dazu die Gesundheitsversorgung (Ärzte, Pflegekräfte), öffentliche Sicherheit und Ordnung (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz) sowie die Bereiche Energie, Wasser, ÖPNV und Entsorgung. Ist nur ein Elternteil "systemkritisch" beschäftigt, muss der Partner die Kinderbetreuung übernehmen. So ergänzte es am Freitag das Sozialministerium.

    Gaben am Freitag vor der Presse die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung bekannt:(an den Pulten von links) Kultusminister Michael Piazolo, Ministerpräsident Markus Söder, Sozialministerin Carolina Trautner und Gesundheitsministerin Melanie Huml. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Lehrer bleiben laut Anweisung Piazolos "weiterhin im Dienst".  Was aber nicht heißt, dass sie Zeit in der Schule totschlagen sollen. Der Kultusminister denkt – neben dem Einsatz zur Notfallbetreuung –an die Unterstützung von Schülern via Telefon, E-Mail oder durch digitale Angebote. Um den Unterrichtsausfall aufzufangen, müssten alle Möglichkeiten ausgenutzt und digitale Medien eingesetzt werden.

    Digitale Angebote sollen Grundversorgung sichern

    Monika Zeyer-Müller, Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, steht nach eigener Aussage  im "intensiven Kontakt" mit den Schulen. Sie geht davon aus, dass die Lehrkräfte eine "Grundversorgung" der Schüler auch in den kommenden drei Wochen sicherstellen. Das Schulprogramm "mebis" könne dabei helfen. Über die digitale Plattform können virtuelle Unterrichtsräume für Klassen eingerichtet und Unterrichtsmaterial sowie Hausaufgaben ausgetauscht werden können.

    Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Unterfranken begrüßte die Schließung der Schulen und Kitas in einer Mitteilung. "Drastische Umstände erfordern drastische Maßnahmen", so der unterfränkische Geschäftsführer Jörg Nellen. Er sprach von einer "Herausforderung" für alle Betroffenen und forderte "Augenmaß" bei der Umsetzung der Anordnung. 

    Besuchsverbot für Senioren- und Pflegeheime erlassen

    Unterdessen wurden zum Schutz älterer Menschen die Besuche in Senioren- und Pflegeheimen weitgehend verboten. Man wolle verhindern, das die Infektionen in Altenheime getragen werden, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml am Freitag vor der Presse. Ältere und vorbelastete Menschen gelten durch das Coronavirus als besonders gefährdet.

    Seniorenheime in Unterfranken setzten das Besucherverbot noch am Freitag um, teilweise hatte man schon zuvor Einschränkungen erlassen. Nur in dringenden Fällen werden Angehörige zu den Heimbewohnern gelassen. Wer etwas abgeben will, könne dies beim Personal tun.

    Die vom Ministerium angekündigte Allgemeinverfügung trat am Samstag in Kraft. Darin ist das Besuchsverbot präzisiert: "Um einen möglichst umfassenden Schutz zu gewährleisten, darf jeder Patient oder Betreute nur einen Besucher pro Tag für je eine Stunde empfangen."

    Die Gesundheitsministerin betonte, dass in bestimmten Situationen Besuche aus "humanitären Gründen" weiter notwendig blieben – etwa wenn Kinder in der Klinik behandelt würden oder jemand im Sterben liege.

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