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    Würzburg

    Corona: Das sind die Auswirkungen auf die Würzburger Innenstadt

    Das öffentliche Leben wird Schritt für Schritt zurück gefahren. Auch in Würzburg ist das zu beobachten. Was bedeutet das für Gastronomie und Handel?
    Trotz des grassierenden Coronavirus war die Alte Mainbrücke auch am vergangenen Samstag und Sonntag ein beliebter Treffpunkt für viele Würzburger und Touristen.
    Trotz des grassierenden Coronavirus war die Alte Mainbrücke auch am vergangenen Samstag und Sonntag ein beliebter Treffpunkt für viele Würzburger und Touristen. Foto: Silvia Gralla

    Es ist ein gewohntes Bild auf der Alten Mainbrücke: Jung und Alt tummeln sich eng beieinander. Situationen wie diese sind bei schönem Wetter wie am vergangenen Samstag alles andere als eine Seltenheit. Doch an diesem Tag war in den Nachrichten nicht nur von Sonnenschein zu lesen. Das Gesundheitsamt meldete zehn neue Corona-Infizierte. Mittlerweile haben sich in Stadt und Landkreis 77 Menschen infiziert.

    Hinweise auf Facebook

    Immer wieder raten Mediziner der Uniklinik und auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt vehement dazu, große Menschenansammlungen zu meiden. Doch: Die Stadt war gut gefüllt, über die soziale Medien erreichten die Redaktion viele Hinweise dazu. "Die Menschen saßen und standen dicht an dicht. Die Alte Mainbrücke gewohnt voll, wenn nicht vollgestopft", schreibt eine Leserin. Ein anderer ist sich sicher: "Die Leute sind sich der Ernsthaftigkeit noch nicht bewusst". 

    Das sagt der Stadtmarketingverein

    Auch ein Sprecher des Stadtmarketingvereins "Würzburg mach Spaß" hatte den gleichen Eindruck. "Die Stadt war voll, sehr zu unserem Erschrecken", sagt er auf Nachfrage der Redaktion. Es sei völlig in Ordnung, an die frische Luft zu gehen und durch die Innenstadt zu bummeln – wenn sichere Abstände eingehalten werden. Schließlich halte das eine Innenstadt auch lebendig. "Für das enge Aneinander darf es aber keinen wirtschaftlichen Grund geben", so der Sprecher.

    Doch wie voll war die Stadt wirklich? Aussagekräftige Zahlen gibt es dazu nicht. Jedoch ist an einem Gebäude der Schönbornstraße ein Laser-Scanner angebracht. Er erfasst die Passanten, die in diesem Bereich auf der Straße laufen. Die Zahlen zeigen: Leer war die Innenstadt keineswegs, es hielten sich aber im Vergleich zu anderen Samstagen 10 000 bis 20 000 Menschen weniger auf. Welches Ziel sie hatten und wie weit oder eng sie von einander unterwegs waren, erfasst das Gerät jedoch nicht.

    Corona: Das sind die Auswirkungen auf die Würzburger Innenstadt

    Nautiland: Aktuell wenige Besucher

    Weniger los war aber definitiv im Nautiland in der Zellerau. Am Sonntag, 1. März, badeten 937 Besucher in der Wasserlandschaft. Am vergangenen Sonntag waren es lediglich 106. Das teilt die WVV auf Nachfrage der Redaktion mit. Für eine gewisse Zeit wird im Schwimmbad aber keiner mehr baden. Denn am Montagmorgen rief Ministerpräsident Markus Söder den Katastrophenfall aus. Kinos, Bars und beispielsweise auch Schwimmbäder müssen geschlossen werden. Nur notwendige Geschäfte sollen (länger) geöffnet haben und Speiselokale dürfen ab Mittwoch maximal von 6 Uhr bis 15 Uhr geöffnet sein.

    Krisenstimmung bei Gastronomen

    Bei den Gastronomen in Würzburg herrscht deswegen Krisenstimmung: „Für mich ist diese Lösung keine Lösung“, sagt Paul Seitz, Inhaber des Unicafés an der Neubaustraße und des Caféhauses Brückenbäck auf aktuelle Nachfrage der Redaktion. Die kurzen Öffnungszeiten bedeuten für ihn, dass er in beiden Cafés nur noch etwa ein Drittel seiner Mitarbeiter beschäftigen kann. Er wünscht sich klarere Aussagen darüber, ob zum Beispiel die zwei Etagen im Unicafé als zwei getrennte Gasträume zählen, welche Regelungen für die Außengastronomie gelten und wer die Gehälter seiner Mitarbeiter weiter zahlt.

    "Ich hätte mir gewünscht, dass man so mutig ist und die komplette Schließung beschließt.“
    Marcello Menna

    Marcello Menna von Mennas Time Out an der Frankfurter Straße hat 90 bis 100 Plätze in seinem Restaurant – und darf nun nur noch 30 Gäste gleichzeitig bewirten. „In den vergangenen Tagen hatten wir aber deutlich weniger Gäste.“ Die Öffnungszeiten machen es ihm schwer: Für die Gastronomie sinnvoll wäre ein Zeitfenster von 17 bis 21 Uhr gewesen, sagt Menna. Dass die nun beschlossenen Maßnahmen wichtig und angebracht seien, sehe er ein. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass man so mutig ist und die komplette Schließung beschließt.“ Das sieht auch Paul Seitz so.

    Die Alte Mainbrücke am Montagmittag: Das Gedränge hat sichtlich nachgelassen.
    Die Alte Mainbrücke am Montagmittag: Das Gedränge hat sichtlich nachgelassen. Foto: Torsten Schleicher

    Hätte es eine andere Lösung gegeben?

    "Viele wird es bitter treffen", meint der Sprecher des Stadtmarketingvereins dazu. Dort sind unter anderem Gastronomen, Hoteliers und auch Geschäftsführer kleinerer Läden Mitglieder. Die Anordnungen von Söder seien durchaus sinnvoll. Er hätte sich jedoch gewünscht, dass Läden nicht ganz geschlossen werden müssten, sondern es dort auch Zeitfenster hätte geben können, in denen sie mit einer Personenbegrenzung geöffnet bleiben. Der Sprecher: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es manche inhabergeführte Geschäfte nach der Pandemie nicht mehr geben wird".

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