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    Würzburg

    Corona: Könnten die Tauben in Würzburg jetzt verhungern?

    Die Tierschutzorganisation Peta fordert jetzt eine Aussetzung des städtischen Taubenfütterungsverbots. Das wäre kontraproduktiv, antwortet die Stadt.
    Der betreute Taubenschlag in Klein-Nizza ist Teil des städtischen Taubenkonzepts. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass Stadttauben während der Coronakrise nicht verhungern müssen.
    Der betreute Taubenschlag in Klein-Nizza ist Teil des städtischen Taubenkonzepts. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass Stadttauben während der Coronakrise nicht verhungern müssen. Foto: Patrick Wötzel

    Droht den Tauben im Stadtgebiet Würzburg als Folge der Corona-Pandemie der Hungertod? Eindeutig ja, sagt die Tierschutzorganisation Peta Deutschland e.V.: Die Tierschutzaktivisten haben sich kürzlich in einem Schreiben an Oberbürgermeister Christian Schuchardt und das Veterinäramt gewandt. Darin fordern sie, das seit 2009 bestehende Taubenfütterungsverbot auszusetzen und von städtischer Seite zusätzliche Fütterungen vorzunehmen.

    "Akute Lebensgefahr" für Tauben

    Insgesamt 78 deutsche Stadtoberhäupter haben das Schreiben erhalten. In den zurzeit menschenleeren Innenstädten finden zahlreiche Tauben keine Nahrung mehr und drohen zu verhungern, heißt es darin. "Ein Fütterungsverbot ohne oder ohne ausreichend betreute Taubenschläge wie in Würzburg bedeutet für die Tiere karge Mahlzeiten, die aus ungeeigneten Essensresten bestehen. In einer Ausnahmesituation wie der gegenwärtigen wird daraus innerhalb kürzester Zeit eine akute Lebensgefahr für die Tiere", wird Peta-Rechtsanwalt Christian Arleth in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert.

    Fütterung: Bußgelder drohen

    Die Tierschutzorganisation hält Fütterungsverbote bereits unter normalen Umständen für bedenklich – Stadttauben seien durch das Nahrungsangebot in den Städten schwächer und anfälliger für Krankheiten. In Würzburg ist die Fütterung verwildeter Tauben nach den Paragrafen 6 und 13 der städtischen Sicherheitsverordnung grundsätzlich verboten und kann als Ordnungwidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro belegt werden.

    "Wir bleiben bei dem Fütterungsverbot."
    Christian Weiß, Stadt Würzburg

    Daran ändert sich auch während der aktuellen Beschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie nichts: "Wir bleiben bei dem Fütterungsverbot", betont Stadtsprecher Christian Weiß auf Nachfrage: "Auch wenn das Nahrungsangebot in der Öffentlichkeit zurückgegangen ist, sind Tauben regelmäßig in der freien Natur lebende Tiere, die in den Parkanlagen oder anderen Bereichen durchaus noch ein Nahrungsmittelangebot finden." Peta ist anderer Ansicht: Stadttauben seien als Nachfahren domestizierter Tiere beim Nahrungserwerb komplett auf den Menschen angewiesen", betonen die Terschützer.

    Taubenkonzept der Stadt

    Das Taubenkonzept der Stadt sieht eine Fütterung und Betreuung in den städtischen Taubenschlägen im Ringpark, am Zentralen Omnibusbahnhof, am Pleicher Weiher, im Quellenbach-Parkhaus und im Dachgeschoss des Karmelitenflügels des Rathauses vor. In den betreuten Taubenschlägen, die regelmäßig gesäubert und desinfiziert werden, erhalten die Tiere Wasser und artgerechtes Futter und sollen so an die Standorte gebunden werden. Die Eier werden von den Taubenbetreuern entnommen und durch Attrappen ersetzt, damit die Anzahl der Stadttauben nicht zu groß wird.

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    "Das Ziel des Taubenkonzeptes ist es, die Population zu kontrollieren. Wenn wir jetzt zusätzlich füttern würden, wäre das kontraproduktiv", erläutert Weiß. Derzeit ergebe sich durch das fehlende Angebot menschlicher Nahrungsmittelreste in der Innenstadt vielmehr die Chance, "dass sich noch mehr Tauben in unsere Taubenschläge zurückziehen, wo wir ein aktive Geburtenkontrolle betreiben können." Das ist übrigens auch das Konzept, das Peta auf seiner eigenen Webseite als "einzig nachhaltige Lösung" für die Versorgung von Stadttauben bezeichnet.

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