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    Würzburg

    Corona: Tagespflegeeinrichtungen bieten nun ambulante Pflege

    Tagespflegen in Bayern bleiben vorerst geschlossen: Angehörige suchen nun verzweifelt nach Pflegeplätzen für ihre Liebsten, während die Einrichtungen Geldsorgen haben.
    In den Tagespflegeeinrichtungen der "Soleo Aktiv" bleiben die Plätze leer. Als Alternative bieten derweil viele Einrichtungen die Möglichkeit ambulanter häuslicher Pflege an. Foto: Daniel Dorn

    Das Telefon gehört für Monika Ulsamer an ihrem Arbeitsplatz schon unter normalen Umständen zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln. In der Corona-Krise läuft es derzeit heiß. Seit am vergangenen Freitag infolge der Ausgangsbeschränkungen die Schließung der Tagespflegeeinrichtungen beschlossen wurde, wird die Pflegeberaterin beim Pflegestützpunkt Würzburg ununterbrochen konfrontiert mit verzweifelten Angehörigen, die auf der Suche nach einem Betreuungsplatz oder ambulanter Versorgung für einen Pflegebedürftigen sind.

    "Für mich und meine Mitarbeiter ist schlimm, dass wir nicht helfen können. Uns sind einfach die Hände gebunden. In der derzeitigen Situation ist einfach nirgends eine Möglichkeit zu finden zur Unterbringung eines Pflegebedürftigen", berichtet Ulsamer aus ihrem momentanen hoffnungslos erscheinendem Arbeitsalltag. Dabei ist es für die Pflegeberaterin schon im Regelbetrieb nicht einfach, einen geeigneten Pflegeplatz zu finden. 

    Pflegeberaterin erhält "dramatisch Hilferufe"

    Der Bereich, den die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes abfragen können bei der Suche nach einem Pflegeplatz, ist eigentlich relativ groß. "Im Umkreis von fünfzig Kilometer rund um Würzburg gibt es immerhin 74 Einrichtungen, die sich der Tagespflege von Senioren widmen", so Ulsamer. "Das, was wir hier im Pflegestützpunkt nun täglich erleben, sind keine Anfragen nach einem Betreuungsplatz. Es sind dramatische Hilferufe, die uns erreichen, ohne dass wir helfen können", erklärt die Pflegeberaterin mit stockender Stimme.

    Als Betreiber aktiv sind neben dem Roten Kreuz (BRK), der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und den kirchlich geführten Sozialstationen von Caritas und Diakonie auch private Pflegedienste. Auch der Landkreis Würzburg selbst betreibt in Aub und Würzburg zwei Einrichtungen. Der Aufnahmestopp betrifft sie alle.

    Mieten und Personalkosten laufen weiter

    Beispielhaft dafür, wie eine privat geführte Einrichtung durch die Situation auch schnell an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit stoßen kann, nennt Daniel Dorn, Geschäftsführer von Soleo Aktiv, im Gespräch mit der Redaktion konkrete Zahlen. Seine beiden Tagespflegeeinrichtungen in Würzburg und Hettstadt mit je 50 Plätzen können derzeit nicht genutzt werden. Samt Mieten und Personalkosten für 60 Mitarbeiter und Fahrzeugen zur ambulanten Pflege laufen die Ausgaben jedoch uneingeschränkt weiter.

    "Unser größtes Problem ist die Komplettschließung der Tagespflegen." Glücklicherweise seien wenigstens noch alle Mitarbeiter gesund, berichtet Dorn. Gleichzeitig habe aber auch ein Fünftel der ambulant versorgten Bedürftigen aus Angst vor Kontakt und Ansteckung den gebuchten Pflegedienst vorübergehend storniert. Organisatorisch habe Soleo Aktiv mit Inanspruchnahme des Soforthilfe-Programms der bayerischen Staatsregierung zur dynamischen Kurzarbeit-Regelung reagiert. "Es könnte unsere Rettung sein und uns helfen, zwei Monate zu überbrücken." Mit den 7000 Euro Sofortzahlung durch den Freistaat lässt sich für Dorn jedoch auch der eingeschränkte Betrieb nicht finanzieren. "Es wird unumgänglich sein, auch Eigenkapital einzusetzen, bis sich die Lage wieder entspannt", erklärt Dorn.

    Derweil versucht sich der Soleo-Geschäftsführer im Home-Office in der Unternehmensorganisation. Dort fiebert Dorn auch der Geburt seines zweiten Kindes in etwa zwei Wochen entgegen. Ein weiterer Lichtblick ist für Dorn, dank frühzeitiger Warenbestellung, die vorrätigen Betriebsmittel. "Zumindest an Ausstattungsgegenständen mangelt es uns nicht, wenn hoffentlich in zwei Monaten wieder Normalität Einzug gehalten hat", übt sich Dorn in Optimismus.

    Spagat zwischen notwendiger Versorgung und Vorsicht

    Auch die beiden Tagespflegen "Vinzentinum" (Greußenheim) und St. Johannes (Margetshöchheim) der Caritas Sozialstation St. Burkard e.V. sind von der Anordnung betroffen. Vorsitzender Uwe Klüpfel kann auf Nachfrage aber ebenfalls den weiteren Betrieb durch den ambulanten Pflegedienst bestätigen. Die Sozialstation versorgt sechzehn politische Gemeinden und 23 Kirchengemeinden im westlichen Landkreis und erstreckt sich dabei über das gesamte Dekanat links des Mains. "Auf Wunsch werden die Tagespflegegäste im häuslichen Umfeld ambulant betreut", bestätigte Klüpfel. Nach der Schließung der Tagespflegen waren Klüpfels Mitarbeites zunächst mehrere Tage damit beschäftigt, telefonisch jeden einzelnen Tagespflege-Patienten abzufragen, ob er oder sie alternativ ambulante Pflege erhalten möchte.

    Alle Räder stehen still, nicht nur bei der Tagespflege "Vinzentinum" in Greußenheim, der Sozialstation St. Burkard, die im westlichen Landkreis in sechzehn Gemeinden. Foto: Herbert Ehehalt

    Bereits in der letzten Woche waren für die kaufmännische Leiterin der Sozialstation St. Burkard, Petra Klafke, viele Absagen zu verzeichnen aus Angst vor einer Ansteckung. "Es gab aber auch Angehörige, die nicht verstehen konnten, dass ein Pflegebedürftiger nach einem Krankenhausaufenthalt zunächst 14 Tage zu Hause in Quarantären bleiben sollte, bevor er wieder die Tagespflege besuchen kann", verdeutlicht Klafke den Spagat zwischen notwendiger Versorgung und gebotener Vorsicht. Aktuell habe die Sozialstation noch Vorräte an Desinfektionsmittel, auch dank der Apotheker im Geschäftsgebiet. "Glücklicherweise konnten wir nun von einer Firma eine größere Menge an Schutzmasken beziehen, sodass wir für die nächsten Tage im ambulanten Einsatz wieder gerüstet sind. Wie lange, ist allerdings nicht abzuschätzen".

    "Im Hinblick auf die vorgeschriebenen Fortbildung für das Pflegepersonal haben wir  glücklicherweise bereits Anfang des Jahres einen neuen Weg beschritten, online mit Video-Material", ergänzt Klafke. Sie rechnet damit, dass die Schließung so lange anhalten wird wie die Ausgangsbeschrämkungen.

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