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    Würzburg

    Coronavirus: Wie gut sind Ärzte in der Region geschützt?

    Masken sind Mangelware: Haus- und Fachärzte in Unterfranken müssen derzeit oft ohne ausreichenden Schutz behandeln. Hält der Engpass an, könnten Praxen schließen.
    In Haus- und Facharztpraxen in Unterfranken mangelt es massiv an Schutzausrüstung. Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Infizierten warnen die Mediziner vor Problemen.
    In Haus- und Facharztpraxen in Unterfranken mangelt es massiv an Schutzausrüstung. Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Infizierten warnen die Mediziner vor Problemen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Bayern lebt im Katastrophenmodus, Kliniken bereiten sich für die Versorgung schwer kranker Corona-Patienten vor. Auch Haus- und Facharztpraxen in der Region arbeiten längst unter Notfallbedingungen, nur dringend notwendige Behandlungen und Operationen finden statt. Das Problem dabei: die Schutzausstattung fehlt. "Wir sind nicht richtig gerüstet für den Katastrophenfall", sagt Dr. Dieter Geis, Mediziner aus Randersacker (Lkr. Würzburg) und Ehrenvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Das gilt für Allgemeinärzte, aber auch Zahn-, Augen- oder HNO-Ärzte schlagen Alarm. Sie warnen vor möglichen Praxisschließungen, wenn die Infektionszahlen weiter so rasant steigen.

    Neu ist der Mangel an Schutzausstattung nicht. Schon vor drei Wochen hätten die Hausärzte die Politik auf den Engpass hingewiesen, sagt Geis. Von dem von der Bundesregierung versprochenen Nachschub an Kleidung und Atemmasken sei jedoch "bei uns bisher nichts angekommen". In seiner Praxis würden derzeit einfache Schutzmasken aus der Schweinegrippe-Zeit sowie "eine Handvoll vom Baumarkt" genutzt. "Aber sonst haben wir nichts."

    Ein Schild an einer Apotheke informiert: Mundschutz gibt es nicht mehr zu kaufen.
    Ein Schild an einer Apotheke informiert: Mundschutz gibt es nicht mehr zu kaufen. Foto: Johannes Kiefer

    Auch die Würzburger Hausärztin Dr. Marion Krassnitzer-Geyer bestätigt das. Sie habe eine einzige sogenannte FFP3-Maske, die vor Coronaviren schützt: "Die habe ich zufällig im Handwerkskasten meines Mannes gefunden". Bei hustenden oder schnupfenden Patienten setze sie diese auf, ansonsten behandele sie mit normaler Atemschutzmaske.

    Staatlich organisiert soll in den kommenden Tagen nun der dringend benötigte Nachschub kommen. Das Bundesgesundheitsministerium habe zehn Millionen Atemschutzmasken zur weiteren Verteilung an die Bundesländer gegeben, hieß es am Donnerstag in Berlin.

    Wie viele davon bei den einzelnen Praxen ankommen, bleibe abzuwarten, sagt der Giebelstädter Hausarzt Dr. Christian Pfeiffer. Abgesehen davon gebe es auch bei der Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Handschuhen "Hilferufe von Kollegen", so der unterfränkische Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB).

    Vor allem Zahnärzten macht der Mangel an Schutzausstattung zu schaffen. 
    Vor allem Zahnärzten macht der Mangel an Schutzausstattung zu schaffen.  Foto: Getty Images

    In seiner Praxis versucht Pfeiffer die Infektionsgefahr trotz fehlender Schutzausstattung zu minimieren. Beispielsweise gibt es für Patienten mit schweren Erkältungssymptomen eine eigene Sprechstundenzeit, in der sie isoliert behandelt werden. Denn tritt in einer Praxis ein Coronafall auf und die Schutzmaßnahmen wurden nicht eingehalten, müsse der Arzt dicht machen, erklärt Pfeiffer. Einige solche Fälle habe es im Freistaat schon gegeben. "Es geht jetzt darum, die Praxen am Laufen zu halten." Denn irgendwann könnten möglicherweise auch die Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen kommen und dann müssten die weitestgehend genesenen Corona-Patienten ambulant betreut werden. Die Crux: "Ohne Schutzkleidung geht auch da nichts", sagt Pfeiffer.

    Zahnarztpraxen müssen wegen fehlender Schutzausstattung schließen

    Fast noch größere Sorgen macht der eklatante Mangel an Schutzausrüstung einigen Fachärzten in der Region. Zahlreiche Praxen seien gezwungen, ihre Behandlungen zurückzufahren oder zum Teil auch zu schließen, sagt Dr. Guido Oster, Vorsitzender des Zahnärztlichen Bezirksverbandes Unterfranken. Die Versorgung sei seit Wochen knapp, dabei gebe es keinen "Fachbereich, der näher an der Front der Viren arbeitet", so der Zahnarzt aus Euerbach (Lkr. Schweinfurt). Gefährlich seien vor allem beim Bohren entstehende, feine Sprühnebel (Aerosole), die sich um die Patienten ausbreiten und ideales Transportmedium für Viren sind.

    "Es geht jetzt darum, die Praxen am Laufen zu halten."
    Dr. Christian Pfeiffer, unterfränkischer Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB)

    "Unsere klassische Schutzausrüstung reicht zur Abwehr von Coronaviren nicht – und die hochwertige Schutzausrüstung fehlt uns", sagt Oster. In seiner Praxis würden derzeit nur noch Notfälle behandelt, das Team wurde zur Sicherheit gedrittelt – fällt ein Teil krankheitsbedingt aus, kann der Rest übernehmen. Schwierig sei vor allem die Tatsache, "dass wir nicht wissen, ob ein Patient infiziert ist, wenn er es selbst nicht weiß". Bei den Kollegen in der Region sorge das für Unsicherheit: "Es ist Angst da", sagt Oster. Und das gilt bayernweit. Zahlreiche Zahnarztpraxen müssen mittlerweile wegen fehlender Schutzausstattung oder erkranktem Personal schließen. Deshalb richtet die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns einen zentralen Notdienst ein.

    Eineinhalb Meter Abstand zu anderen Menschen halten – das ist für viele Ärzte bei der Behandlung unmöglich.
    Eineinhalb Meter Abstand zu anderen Menschen halten – das ist für viele Ärzte bei der Behandlung unmöglich. Foto: Fuchs-Mauder

    Aber auch Augen- oder HNO-Ärzte arbeiten nah am Patienten, die von Experten geforderten eineinhalb Meter Sicherheitsabstand zu anderen Menschen sind im Praxisalltag kaum einhaltbar. Zwar können in Wartezimmern Stühle auseinander geschoben werden, bei den Behandlungen aber geht das nicht.

    Eine FFP2- oder FFP3-Maske trage er dennoch nicht, sagt HNO-Arzt Dr. Max Zellner, der seit zwei Jahrzehnten in Ochsenfurt praktiziert. Diese Atemschutzmasken seien auch für ihn nicht zu bekommen. Nimmt er bei Patienten etwa eine Endoskopie der oberen Luftwege vor, trage er eine normale Atemschutzmaske. Mit Desinfektionsmitteln hingegen sehe es besser aus, da sei seine Praxis gut aufgestellt. Zudem gibt es jetzt "auf jedem Ärzteportal eine Anleitung, wie man Desinfektionsmittel selbst herstellen kann", so Zellner.

    Viele Patienten scheuen aus Angst vor einer Ansteckung den Besuch beim Arzt

    Grundsätzlich würden in seiner HNO-Praxis im Moment fast nur akute Fälle behandelt. "So merkwürdig es klingt: Es läuft ein wenig entspannter", so Zellner. Gerade ältere Patienten, die zu Routineuntersuchungen hätten kommen wollen – etwa zur Hörprüfung – scheuten derzeit den Arztbesuch.

    Ähnliches berichten Augenärzte in der Region. Nicht dringende Behandlungen und Operationen werden auch bei ihnen abgesagt oder verschoben.

    Nicht jeder mit Erkältungssymptomen kann auf das Coronavirus getestet werden.
    Nicht jeder mit Erkältungssymptomen kann auf das Coronavirus getestet werden. Foto: Moritz Frankenberg, dpa

    "Die Praxen sind ruhig", bestätigt Hausarzt Dieter Geis. "Man hat den Eindruck, dass die Patienten eine gewisse Angst haben oder sich nicht zum Arzt begeben wollen, um sich nicht anzustecken." Stattdessen schieben viele Mediziner Sonderschichten am Telefon, beantworten besorgte Anfragen und klären auf. Und das ist gewollt: "Wir müssen verhindern, dass die Infektionsrate schnell steigt, damit wir die Kapazitäten, die wir für die Corona-Infizierten brauchen, auch zur Verfügung haben", sagt Geis.

    Die Maßgabe lautet somit weiter ganz klar – zuhause bleiben, auch bei Erkältungssymptomen. Nur so können Ansteckungen in Praxen vermieden werden. Bleibt die Frage: Wird eigentlich das medizinische Personal in den Hausarztpraxen Unterfrankens auf das Coronavirus getestet? Davon sei ihm nichts bekannt, sagt KVB-Sprecher Christian Pfeiffer. Aus seiner Sicht sei das auch nur bei Symptomen und nicht vorbeugend sinnvoll, denn ein Test "ist nur eine Momentaufnahme und sonst müsste man ja jeden Tag testen".

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