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    WÜRZBURG

    Crystal Meth in Unterfranken

    Symbolbild Crystal
    ARCHIV - Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) hält am 13.11.2014 im Parkhaus des (BKA) in Wiesbaden (Hessen) bei einer Pressekonferenz die Droge Crystal in seinen Händen. Foto: Fredrik Von Erichsen (dpa)

    Crystal Meth oder Methamphetamin ist eine synthetische Substanz, welche in kristalliner Form, als Pulver oder in Kapselform eingenommen wird. Mit einer Studie über den Konsum der illegalen Droge in Unterfranken will das Institut für Psychologie der Universität Würzburg spezielle Betreuungs- und Behandlungsangebote für Betroffene verbessern oder neu entwickeln. Viel geforscht wurde dazu in Unterfranken noch nicht. Die Projektleiterin und Professorin für Psychologie Andrea Kübler und ihr Team wollen das ändern und sammeln Informationen über die Verbreitung des Konsums und der Konsumenten im Raum Unterfranken.

    Frage: Was hat Sie dazu bewegt, die Studie über Crystal Meth zu beginnen?

    Andrea Kübler: Bei uns ist es eine relativ neue Droge, die vor allem an der tschechischen Grenze, also zum Beispiel in Sachsen in Dresden, konsumiert wird. Es ist noch relativ unklar, wie viel in Unterfranken überhaupt konsumiert wird oder wie viele Menschen hier betroffen sind. Das wollten wir ein bisschen genauer aufklären. Erst einmal muss man rausfinden, wie die Konsummuster sind. Also wie und wann wird konsumiert und wer konsumiert. Um dann genauer zu definieren, welche Motivation dahintersteckt, warum Menschen Methamphetamin nehmen. Das hat uns motiviert hier aktiv zu werden und das genauer zu erfassen, um letztendlich bessere Hilfsmöglichkeiten für Menschen, die davon abhängig wurden und davon wieder loskommen wollen, anzubieten. Das ist bei allen Drogen schwierig, auch bei Alkohol. Als Forscher ist man auch immer bestrebt zu schauen, wo kann ich was beitragen zur besseren Beschreibung von Krankheitsbildern oder in dem Fall von Drogenkonsummustern und da ist zu Crystal Meth relativ wenig bekannt. Auch die Frage wie kann ich den Menschen, die davon wegkommen wollen, therapeutisch helfen, um einfach das Hilfesystem zu verbessern.

    Wurde bis jetzt darüber geforscht?

    Kübler: Crystal Meth ist bei uns noch relativ neu. Es gibt schon Erkenntnisse darüber, aber speziell zur Verteilung in Unterfranken nicht. Wir wussten gar nicht, ob wir überhaupt Konsumenten in Unterfranken finden und ob diese überhaupt in den Hilfesystemen auftauchen. Das konnten wir jetzt bereits schon herausfinden. Es gibt, im Vergleich zu den Alkoholabhängigen wirklich wenig Crystal Meth Abhängige, aber sie tauchen auf. Es gibt Crystal Meth Konsumenten in Unterfranken und da sind wir jetzt dabei, das genauer zu charakterisieren.

    Wie wirkt Crystal Meth?

    Kübler: Crystal Meth ist eine Stimulanzdroge und in der Wirkung ähnlich wie die Gruppe der Amphetamine. Es wirkt sehr stark anregend, die Menschen fühlen sich euphorisch und sind voller Tatendrang. Durst, Hunger und Müdigkeit verschwinden erst mal, was sehr problematisch ist. Die Droge macht einen aktiv, unternehmungslustig und kontaktfreudig. Man kann leicht mit anderen Leuten interagieren und das ist ein sehr angenehmer Zustand. Es wirkt ähnlich wie Adrenalin, wenn man es mit einer natürlichen Substanz vergleichen möchte.

    Welche Folgen hat der Konsum von Crystal Meth?

    Kübler: Das ist eine Frage, über die man ganze Bücher schreiben kann. Es kommt sehr stark auf das Konsummuster an. Es gibt durchaus Menschen, die die Droge kontrolliert konsumieren können und tatsächlich nur im Rahmen von Freizeitaktivitäten einnehmen. Es gibt aber leider auch Menschen, die davon abhängig werden. Das Drama von Crystal Meth ist das starke Abhängigkeitspotenzial. Methamphetamin hat eine viel stärkere Wirkung als Amphetamin. Es kann die Blut-Hirn-Schranke sehr viel schneller überschreiten, wirkt also in nur wenigen Sekunden. Ein kontrollierter Konsum ist zwar durchaus möglich, aber von der Beschaffenheit der Droge und wie diese im Gehirn wirkt, ist das Risiko sehr hoch, dass man die Droge bald zwanghaft konsumieren muss. Zu Crystal Meth findet man auch immer diese schrecklichen Fotos von Konsumenten. Es scheint also so zu sein, dass der regelmäßige Konsum schnell verheerende Wirkungen hat, also schnell zum körperlichen Verfall führt.

    Auch wenn die Personen die Droge kontrolliert einnehmen, ist diese trotzdem sehr schädlich?

    Kübler: Also prinzipiell ist auch Alkohol schädlich, aber ich will die Droge auf keinen Fall verharmlosen. Grundsätzlich ist es immer besser man nimmt Crystal Meth nicht, das steht außer Frage. Letztendlich will ich nur nicht sagen, dass jeder der sie einmal konsumiert auf jeden Fall abhängig wird. So ist es nicht, aber die Gefahr, dass man abhängig wird ist einfach sehr groß. Also ganz klar: Finger weg davon.

    Welche Bedeutung hat Crystal Meth im Verhältnis zu anderen Drogen wie beispielsweise Kokain?

    Kübler: Kokain ist auf jeden Fall in Deutschland viel mehr verbreitet. Also in dem Sinne, dass es nicht so lokal beschränkt wie Crystal Meth vorkommt. Crystal Meth ist in Deutschland vor allem an der Grenze zu Osteuropa verbreitet. Aber Kokain ist auch stimulierend. Es macht den Konsumenten wach, aktiv und kontaktfreudig. Kokain gehört also in die gleiche Drogenklasse wie Crystal Meth. Man unterscheidet zwischen Stimulanzien und Drogen, die eher halluzinogen oder sedativ wirken, also den Konsumenten eher in einen ruhigen, verträumten Zustand versetzen und keine aufputschende Wirkung haben. Ein Problem des längeren Konsums von Amphetamin generell, aber speziell auch von Crystal Meth ist, dass die soziale Interaktion sehr stark eingeschränkt wird. Man weiß darüber noch nicht ganz so viel, aber die regelmäßige Einnahme kann zu einer starken Aggressionsbereitschaft führen. Das normale Miteinander wird durch die Droge sehr stark verändert.

    Aber wenn man die Droge nimmt ist man doch verstärkt sozial aktiv?

    Kübler: Das stimmt, es erleichtert die Kontaktaufnahme. Es wird zum Beispiel auch genommen, um sexuelle Bedürfnisse auszuleben, weil man da einfach weniger Hemmungen hat. Aber das würde ich nicht als kompetente soziale Interaktion bezeichnen. Wenn ich vom normalen Umgang rede, meine ich, dass man eine Beziehung aufbaut oder dass man sich um seine Familie oder Kinder kümmert. Das sind Dinge, die können abhängige Crystal Meth Konsumenten kaum aufrechterhalten.

    Die Droge wurde schon 1938 für den zweiten Weltkrieg entwickelt. Wieso wird sie so viele Jahre später verstärkt produziert und auch in Deutschland konsumiert?

    Kübler: So gesehen ist Crystal Meth tatsächlich nichts Neues. Sie wurde im zweiten Weltkrieg den Soldaten verabreicht. Wenn sie Soldaten in den Krieg schicken, ist es erst mal gut, wenn diese nicht schlafen müssen, aber hinterher kommt natürlich dann der große Absturz. Und auch jetzt ist es bei den Konsumenten genauso. Die Droge wurde dann bei uns 1988 verboten. Man hat, wie bei allen Drogen, immer wieder diese Wellen. Jetzt gerade ist es im Grenzgebiet einfach in. Zudem ist Crystal Meth relativ günstig und man ist mehrere Tage leistungsfähig. Das ist natürlich sehr attraktiv. Normalerweise sind in Suchtkliniken vor allem Alkoholsüchtige. Das ist nach wie vor das Suchtproblem Nummer eins, welches die Abhängigen im Alltag zunehmend einschränkt. Und das hat sich in den Grenzgebieten zu Osteuropa verändert. Da haben sie mittlerweile Suchtabteilung, wo über 50 Prozent der Patienten Crystal Meth Abhängige sind. Uns hat interessiert, wie stark der Konsum in Unterfranken ist.

    Welche Betreuungs- und Behandlungsangebote können die Konsumenten derzeit in Unterfranken nutzen?

    Kübler: Es gibt verschiedene Suchtberatungsstellen, an die man sich wenden kann. Zudem kann man sich natürlich an jede Klinik, die eine Suchtstation hat wenden. Hier in Würzburg kann man sich zum Beispiel in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Hilfe suchen. Es gibt ein Netzwerk von Unterstützung. Dementsprechend ist das Hilfsangebot auch da. Wir sind bestrebt daran, genauer herauszufinden, wie man das speziell auf Crystal Meth Konsumenten zuschneiden und verbessern kann.

    Informationen zu der Studie:

    Zuerst wird mit den Teilnehmern ein Interview geführt, dann müssen diese Fragenbögen ausfüllen und am Ende noch drei spielerische Aufgaben am Computer lösen. Alle Angaben werden vollständig anonymisiert behandelt. Der Zeitaufwand beträgt in etwa 50 Minuten. Für die Teilnahme gibt es eine Vergütung von 20 Euro.

    Voraussetzungen zur Teilnahme:

    Jeder, der Erfahrungen mit Crystal Meth gemacht hat, kann an der Studie teilnehmen.

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