• aktualisiert:

    Helmstadt

    Das größte Wallfahrtswunder ist die Gastfreundschaft

    Rund 740 Wallfahrer machten sich am Samstagmorgen auf den Weg von Fulda zum Heiligen Blut nach Walldürn im Odenwald. Es ist die größte Fußwallfahrt des Bistums Fulda und findet zum 314. Mal ohne Unterbrechung statt. Unterwegs ist man auf die Pilger vorbereitet. Foto: Elfriede Streitenberger

    Rund 740 Wallfahrer machten sich am Samstagmorgen auf den Weg von Fulda zum Heiligen Blut nach Walldürn. Es ist die größte Fußwallfahrt des Bistums Fulda und findet zum 314. Mal ohne Unterbrechung statt. Oft unbemerkt von den Teilnehmern ist die Fußwallfahrt für die Verantwortlichen eine logistische Herausforderung. Viele Rädchen müssen ineinander greifen, auch in Helmstadt und Neubrunn,  zwei Raststationen am Weg.

    Bereits zwei Wochen vor der Wallfahrt fahren die Verantwortlich die Strecke ab, treffen sich mit den Quartiermeistern und Verantwortlichen der Pfarreien und pflegen die Kontakte zu den Gastfamilien. Schließlich gilt es, über 700 Menschen in kürzester Zeit zu verpflegen und in Nachtquartieren unterzubringen. Unzählige Hände sind dafür nötig. Für den ehemaligen Wallfahrtsleiter Gerhard Dehler, der sein Amt in diesem Jahr nach 22 Jahren an ein vierköpfiges Leitungsteam übergeben hat, war es ein Full-Time-Job.

    Herzliche Aufnahme finden die Pilger bei den Gastfamilien. Für Gerhard Dehler ist das auch auf seiner 50.Wallfahrt das Wallfahrtswunder unserer Zeit. Familie Rappelt in Helmstadt öffnet seit 64 Jahren ihren Hof für die durstigen Wallleute - immer am Dienstag vor Fronleichnam.
    Foto: Elfriede Streitenberger

    Bei seiner 50. Wallfahrt genoss er es ab Gauaschach als "normaler Wallfahrer" unterwegs zu sein. "Ohne die Gedanken und Sorgen um die Wallfahrt im Hinterkopf, kann ich die Wallfahrt, die mir immer viel Kraft gibt, noch intensiver genießen. Das größte Wallfahrtswunder für mich, ist die Gastfreundschaft", schwärmt Dehler. Die spüre er in Unterfranken besonders intensiv.

    Sonnenschutz und jede Menge Wasser

    Sehr heiß war es am Montag und Dienstag. Da waren Sonnenhut und ein guter Sonnenschutz wichtig und dass die Pilger auf ihrem Weg immer wieder mit Wasser versorgt wurden. Eine dieser Stationen erreichten die Pilger am Dienstag auf der vierten Tagesetappe von Leinach nach Külsheim in Uettingen.

    Christine und Vinzenz Neubauer bauen schon seit über 20 Jahren eine Versorgungsstation mit Wasser bei Uettingen auf. Die Tochter, die selbst einige Male mitgewallt ist, hat die Eltern dazu motiviert.
    Foto: Elfriede Streitenberger

    Vinzenz Neubauer und seine Frau Christine bauen schon seit über 20 Jahren eine Versorgungsstation mit Wasser entlang der Strecke auf. Gut 180 Liter Wasser und zwei Flaschen mit Hochprozentigem verteilen die beiden, unterstützt von ihren Wallfahrts-Übernachtungsgästen. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst in Greußenheim und dem Pilgerfrühstück wird die Versorgungsstation aufgebaut. "Es dauert schon einige Zeit", erzählen die beiden, bis die vielen hundert Plastikbecher aufgestellt und gefüllt sind."

    Vater und Sohn gehen die 140 Kilometer gemeinsam

    "Ich bin g’scheid müde", gesteht der 78-jährige Erhard Reuß aus Unterleichtersbach, der am Vortag in Retzbach zusammen mit Gerhard Dehler (73) für seine 50. Teilnahme an der Wallfahrt geehrt wurde. Müde, aber glücklich freut er sich, dass ihn sein Sohn Hubert auf der Jubiläumswallfahrt begleitet. Sein Sohn will ein Auge auf den Vater haben, damit der auch genug trinkt und nicht aus den Latschen kippt. "Die Jahre merke ich schon, die Berge machen mir manchmal zu schaffen."

    "Einmal dabei, immer dabei", gilt auch für Rita Halbig (Zweite von rechts) aus Unterleichtersbach. Seit sie aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr mitmarschieren kann, begleitet sie mit ihrem Versorgungswagen die Pilgerschar.
    Foto: Elfriede Streitenberger

    Die Wallfahrt von Fulda nach Walldürn ist für viele etwas ganz besonderes. Einfach einmal dem Alltag für ein paar Tage entfliehen und ganz bei sich und bei Gott sein, das ist es, was für die Pilger den Reiz ausmacht. "Ich bin schon zum 30. Mal dabei und doch ist es jedes Mal aufs Neue ergreifend", erzählt Edeltraud Wegner aus Retzbach. So wie sie, hat jeder Pilger einen ganz persönlichen Grund, zum "heiligen Blut"" zu gehen. In aller Regel sind es Sorgen und Nöte, die man mitbringt. "Jeder von uns hat sein Kreuz zu tragen", so Wegner. Bei ihr war es der Dank für den guten Verlauf einer schweren Operation, der sie Jahr für Jahr nach Walldürn führt. Begleitet wird sie von Tochter Heike und ihrem Mann Albrecht.

    Trotz mancher Schicksalsschläge zur inneren Ruhe finden

    Die Sorgen werden mit einer Wallfahrt nicht einfach aus dem Leben verschwinden, aber – und das ist die Hoffnung der Pilger– kehrt bei vielen doch die innere Ruhe ein. Persönliche Schicksalsschläge tragen sich leichter, wenn man darüber sprechen und sie vor Gott tragen kann.  Das Leitwort der diesjährigen Wallfahrt nach Walldürn lautet: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben."

    Unter anderem rür die Verkehrsabsicherung sorgen die 20 Sanitäter von DRK oder des Malteser Hilfsdienstes. Das Fahrverhalten der Autofahrer wird immer aggressiver. Oft helfen nur deutliche Worte und ein entschlossenes Entgegenstellen, um die Autofahrer am Weiterfahren zu hindern.
    Foto: Elfriede Streitenberger (est) ST41578

    Als Pilger unterwegs sein, Weite erleben und die Natur spüren –mit dieser Vorstellung haben sich viele auf den Weg gemacht. Manchmal sind es aber die Autoabgase, die die Wallleute schnuppern. Ein Kraftakt und nicht ganz ungefährlich ist es, wenn die 20 Sanitäter von DRK oder des Malteser Hilfsdienstes , die für die Verkehrsabsicherung zuständig sind, die große Gruppe entlang der oft stark befahrenen Straßen führen.

    Aber nicht nur für die Verkehrsabsicherung sondern auch für das Wohlbefinden der Wallfahrer sorgen die "Sanis". Mit kleinen mobilen Sanitätsstationen behandeln sie während der Rast vor allem schmerzhaft-brennende Blasen an den Füßen. Ihr Humor steckt an und mancher Schmerz ist leichter zu etragen, wenn der "Sansi" mitfühlt und beim Anblick des Fußes meint: "Da hilft nur noch die Amputation. Mit der Haxe gewinnst die nächste Zeit keinen Schönheitswettbewerb."

    Bei Temperaturen über 30 Grad nutzten die Pilger jeden schattigen Platz, wie hier in Helmstadt, um sich auszuruhen und wieder Kraft zu tanken Foto: Elfriede Streitenberger (est) ST41578

    "Neben Ostern, Pfingsten und Weihnachten gehört die Ankunft der Fulda Wallfahrer zu den Höhepunkten unseres Kirchenjahres." Mit diesen Worten begrüßte Pfarrer Don Stefan die am vierten Tag auf 690 Pilger zusammengeschrumpfte Wallfahrt in der St. Georg Kirche in Neubrunn. 107 Kilometer haben die am frühen Samstagmorgen gestarteten Wallfahrer, teilweise bei Temperaturen weit über 30 Grad, zurückgelegt. Bevor es zum Nachtquartier nach  Külsheim weiter geht, genießt noch maancher Pilger die Kühle in der Kirche oder den Schatten eines Baumes für einen kurzen Mittagsschlaf. Die Senioren verköstigten die Pilger im Pfarrheim mit Kaffee und Kuchen und viele Gastfamilien haben ihren Tisch für die Pilger gedeckt.

    Eigens für die Wallleute gebacken

    So hält Familie Rappelt vom Biohof Rappelt wie schon seit 64 Jahren in Helmstadt für die Wallleute Kaffee und Kuchen bereit. Auch Anni und Burkard Gehrsitz öffnen seit mehr als zwei Jahrzenten ihren Hof. Zusammen mit ihrer Schwester hat Anni Gehrsitz über 80 "Röcksli" gebacken, die sehr beliebt bei ihren Wallleuten sind. Neu in diesem Jahr war die Verpflegung im neuen Pfarrheim in Helmstadt; hier konnten mehr als 160 Pilger rasten.

    Eine sich eigens für die Wallfahrt zusammenfindende Kapelle wird von Günter Straub geleitet. Geschätzt wird von den Pilgern auch so manches Ständle bei der Rast. Foto: Elfriede Streitenberger

    Die Wallfahrt wird von der Kapelle der Fulda-Eichsfeld Heilig-Blut-Wallfahrt musikalisch begleitet. Günter Straub ist der Dirigent der Musiker, die sich nur zur Wallfahrt zusammenfinden, sonst in verschiedenen Ensembles spielen. "Mit Musik geht es sich einfach leichter", bestätigt Winfried aus Köln, der seit vielen Jahren regelmäßig den knapp 140 Kilometer langen Weg läuft. Empfangen wurden die Wallleute am Mittwoch von emeritiertem Bischof Friedhelm Hofmann (Würzburg) an der Heilig Blut Basilika in Walldürn. Verabschiedet haben sich viele mit den Worten: "Gott mit dir, wir sehen uns im nächsten Jahr bei der Wallfahrt."

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (1)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!