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    Zellerau

    Das kleine Haus soll ganz groß rauskommen

    Da Modell Tiny100 von innen gibt es auch auf Rädern. Foto: Tinyhouse University

    Es ist immer wieder erfrischend, auf dem Bürgerbräu-Gelände in einer der alten Remisenboxen bei den Architekten Matthias Braun und Juhani Karanka vorbeizuschauen. Das sind nicht die, die die frühere Getränkefabrik zu einem Kreativzentrum umgebaut haben. Das internationale Duo betreibt zwischen Sieboldmuseum und Ensembletheater vielmehr einen Concept Store. Concept im Sinn von Vorstellung, Idee. Wenn man sich den winzigen, oftmals leeren, weißen Rauml von Braun und Karanka anschaut, dann leuchtet ein, dass der FIN-GER Concept Store– Karanka ist Finne, Braun Deutscher – mit der Tiny-House-Bewegung sympathisiert. Mit den kleinen Wohn-Zellen beschäftigt sich Anfang nächster Woche die 5. FIN-GER Architektur Biennale.

    Kleinstwohnungen als Biennale-Thema

    Die Biennale findet, anders als der Name verspricht, nicht alle zwei, sondern jedes Jahr statt. Allerdings, wie es sich für eine finnisch-deutsche Biennale der guten Ideen gehört, wechselt jährlich die Nationalität des Gastredners und Empfängers des Gold-FINGER-Architekturpreises. Heuer ist Deutschland wieder dran.

    Am Montag, 24. Juni, 19 Uhr eröffnet im Central-Programmkino Van Bo Le-Mentzel die rund dreiwöchige Veranstaltung. Der Berliner mit laotischen Wurzeln ist Vorkämpfer für Kleinstwohnungen. Schon während seines Studiums machte er sich einen Namen durch sein Buch "Hartz IV Moebel.com. Build More Buy Less! Konstruieren statt konsumieren". In diesem Jahr gründete er die "Tiny Foundation - Agentur für Soziale Nachbarschaft".

    "Tiny Houses" erfordern soziale Nachbarschaft

    Das Tiny100 von innen betrachtet. Foto: Philipp Obkircher

    Es genügt ja nicht, erläutern Braun und Karanka beim Vorbereiten ihrer Biennale während einer Kaffeepause, dass möglichst viele Gegenstände des täglichen Bedarfs in Tiny Houses auf möglichst wenig Grundfläche untergebracht werden. Vielmehr sollen Gemeinschaftsanlagen genutzt werden. Man braucht Soziale Nachbarschaft. Über die weiten Konsequenzen von platzreduziertem und, wenn auf Rädern, obendrein noch mobilem Wohnen diskutiert Le-Mentzel im Anschluss an seinen Vortrag mit der städtischen Baudirektorin Claudia Kaspar und Architekt Stefan Schlicht, Vorsitzender des BDA Unterfranken.

    Es moderiert der Journalist Ralf Thees. Anschließend gibt es Sekt und Fin-Ger-Food in der Sektkellerei Höfer und eine Ausstellung im FIN-GER Concept Store. Auf dem Parkplatz davor steht das "Tiny100"; Van Bo Le-Mentzels bekanntes Winzbauwerk kann in drei Dimensionen besichtigt werden. Der Name ist Programm: Das Tiny100 soll inklusive Web-Anschluss nur 100 Euro Monatsmiete kosten.

    Und die Sechs-Quadratmeter-Wohnung auf Rädern soll bei ihrem Würzburger Gastspiel – sie wird von Berlin zur Biennale überführt – nicht nur einen kurzen Einblick gewähren. Am liebsten wäre es den Gastgebern, sie könnten Interessenten das Tiny100 zum Probeübernachten anbieten. Allerdings war bei Redaktionsschluss das – deutsche – Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

    Basisbewegung lockt inzwischen Investoren an

    Im letzten Jahr standen etliche Tiny Houses auf der Landesgartenschau. Kann die FIN-GER-Biennale da noch etwas hinzufügen? "Von denen war nur eins wirklich bewohnbar", erklärt Matthias Braun, "und das war deutlich größer als das Tiny100. Alle anderen waren eher künstlerische Entwürfe. Klassische Tiny Houses waren gar nicht vertreten." Dazu gehört nämlich, dass der Nutzer sehr viel selbst baut. Braun und Karanka bedauern, dass "die Bewegung, die anfangs von der Basis getragen wurde, nun auch Investoren interessiert: Die Rendite und die Quadratmeterpreise gehen in die Höhe."

    Die Auftaktveranstaltung am 24. Juni, 19 Uhr kostet 15 Euro Eintritt. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Akademischen Buchhandlung Knodt. Schirmherr ist Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

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