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    WÜRZBURG

    Das verlängerte Wohnzimmer

    Frühstück unterm Baum, Sonnenbad auf der Terrasse, Lesen in einer lauschigen Ecke oder ein zünftiger Grill-Abend – spielt das Wetter noch ein bisschen mit, gibt's kaum etwas Schöneres, als sich draußen aufzuhalten. Da wird der Garten zur Verlängerung des Wohnzimmers, will aber auch genauso schön eingerichtet sein, eine Wohlfühloase eben. Etwas mehr als ein Tisch und zwei Stühle soll's dann schon sein. Lage, Niveau, Beschattung, Bodenbelag, Sichtschutz, Bepflanzung und Mobiliar entscheiden bei Wahl und Gestaltung des perfekten Sitzplatzes über Frust oder Lust. Und natürlich der persönliche Geschmack.

    Ideal für eine Terrasse sind mindestens 14 Quadratmeter

    „Draußen und Drinnen, das sollte irgendwie zusammenpassen“, sagt Johannes Pitzer, Landschaftsarchitekt bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG). Ein stylisches Lounge-Ensemble mit Palmen passe ebenso wenig zum Landhäuschen wie ein rustikales Natursteineckchen mit rustikalem Gestühl zur geometrisch-reduzierten Villa. Zumal der gängigste Sitzplatz die mit dem Haus verbundene Terrasse ist. Ideal sei eine Fläche von mindestens 14 Quadratmetern („größer geht immer“), die Platz für einen Tisch und vier bis sechs Stühle bietet, südwestlich Richtung Sonne ausgerichtet und mit Blick auf den Garten. „Ganz schön ist, ausreichend Grundstück vorausgesetzt, ein zweiter, schattiger Platz auf der Ostseite mit Blick aufs Haus“, so Pitzer. „Da reicht dann auch ein Tischchen mit zwei Sitzgelegenheiten.“

    Blumenbeete liefern farbige Akzente

    Andrea Christmann, studierte Landschafts- und Freiraumplanerin und Buchautorin („Sitzplätze im Garten“) widmet gerade diesen romantischen Fleckchen viel Aufmerksamkeit: „Unter Baumkronen und Blütenbögen entstehen zurückgezogene Orte für stille Musestunden. Dunkle Nischen lassen sich mit bunten Gartenmöbeln in Pastelltönen aufhellen.“ Weitere Akzente liefern Blumenbeete, Kübelpflanzen oder Wasserspiele. Wasser hat's wiederum Pitzer, auch bei der Landesgartenschau in Würzburg verantwortlich für einige Rast- und Ruheplätze, angetan: „Ein Quellstein zum Beispiel liefert dauerhafte Verdunstung und lässt sich mit einer Solarpumpe auch noch ökologisch sinnvoll betreiben. Und das Plätschern übertönt angenehm Nebengeräusche wie Straßenlärm.“ Der Klassiker freilich sei der Teich, in den die Terrasse beispielsweise in Form eines Steges hineinreichen könne. „Wasser ist einfach gut fürs Klima.“

    Gerade bei einer Teichlösung empfiehlt sich Holz als Terrassenboden. Tropenhölzer sind fraglos am langlebigsten, heimische Gattungen wie Lärche oder Douglasie ökologisch deutlich vertretbarer – und preiswerter. Heimwerker sollten ob der Entwässerung auf ein ausreichendes Gefälle vom Haus weg achten, sowie auf ausreichend Belüftung durch eine großzügige Unterkonstruktion. Für die sich auch langlebiger Stahl oder Beton eignet, da dann bei einsetzender Verwitterung lediglich die betroffenen Deckplanken ausgetauscht werden müssen. Unschlagbar in Sachen Haltbarkeit sind freilich Stein- und Betonplatten, bei niedrigem Pflegebedarf.

    Feuriges Rot oder elegantes Weiß

    Eigenschaften, die auch beim Mobiliar gefragt sind, wenn es bei Schlechtwetter nicht verräumt werden kann. Christmann empfiehlt imprägnierte Weichhölzer, Alu, Edelstahl, Harthölzer, wasserresistente Kunstfasern oder sogar Stein im Kombination mit bunten Auflagen. „Feuriges Rot wirkt anregend, kraftvoll und dynamisch, Gelb harmoniert dagegen mit fast allen Grüntönen“, sagt die Gartenarchitektin. Und: „Eine eher reduzierte oder elegante Gestaltung erzielt man am besten mit einer einzigen Farbe als Highlight, auch gerne mit Weiß.“ Pitzer rät Hausbesitzern mit kleiner Terrasse, diese auf keinen Fall von allen Seiten her zu begrenzen; dann lässt sich bei gefliestem Untergrund der Tisch einfach mit einer Biergarnitur auf den Rasen verlängern. Ein Holzdeck sei naturgemäß etwas höher gebaut („ohne dass es wie ein Thron über den Garten ragt“), da kann der Übergang zum Rasen über eine flache Stufe erfolgen.

    Überhaupt bieten sich Geländeübergänge an, um Sitzplätzen eine exponierte Lage zu verschaffen. Die Perspektivenwechsel eröffnen völlig neue Blickwinkel in den eigenen Garten. Nach oben (klassische Terrasse oder freistehender Pavillon) sollte es dabei kaum mehr als zwei Stufen gehen, nach unten dürfen es 80 Zentimeter und mehr sein. Soll der Grund, bei dem auf einen Wasserablauf oder durchlässiges Material (Kies) geachtet werden muss, von stützenden Mauern gesäumt sein, ist ein solides Fundament aus 60 Prozent Schotter und 40 Prozent Beton elementar. Das ideale Treppenmaß liegt bei 35 Zentimetern Auftrittsfläche und 16 Zentimetern Steigung pro Stufe. Vorstellbar ist auch eine natürliche, bepflanzte Abstufung – an schattigen Stellen zum Beispiel mit Farnen, an sonnigen mit Gartenthymian, Grasnelken, Glockenblumen oder Kissenastern.

    Hainbuchenhecken sind angesagt

    Während kleinere Pflanzen eher der farblichen Gestaltung dienen, braucht's höher wachsende, um ein bisschen Privatsphäre zu schaffen. So klassisch wie fad ist die Thujahecke. „Eine ökologische Wüste“ urteilt Pitzer. „Dicht und dunkel, da verkriechen sich nicht einmal Tiere.“ Der LWG-Planer empfiehlt mehr noch als den Kirschlorbeer („im Winter sind einige Sorten frostanfällig“) eine Hainbuchenhecke: „Die ist lebendiger und im Winter dicht. Da wird das Laub zwar braun, aber ich erlebe so den Wandel der Jahreszeiten.“

    Wer's pflegeleicht mag und den Heckenschnitt scheut, sei mit einer berankten Wand besser beraten. Christmann nennt als Alternativen Gitterwerk, Schilfrohrmatten oder Bambus sowie Zaunelemente aus Lärche oder Douglasie. Und als unverzichtbares Accessoire Kübelpflanzen, „am besten in Dreier- oder Fünfergruppen scheinbar zufällig angeordnet, wobei auch streng aufgereihte, gleichförmige Kübel ihren Charme haben können“. Pitzer rät in Umgebung des Essensplatzes von giftigen Pflanzen wie Engelstrompeten oder Eibe ab, stattdessen zu duftenden wie Rosen und Lavendel – oder essbaren Blüten, als Nascherei zwischendurch.

    Sonnensegel oder Schirm: Schatten ist auch wichtig

    Der beste Sichtschutz eignet sich aber kaum als Beschattung, denn wer will schon auf eine meterhohe Wand schauen. Genauso wenig wie bei 35 Grad in der prallen Sonne auf der Terrasse zu Mittag essen. Die etwas aus der Mode gekommene Markise ersetzen neben künstlichen Hilfen wie Sonnensegel, Marktschirm oder Pavillon (3 x 4 Meter) vor allem natürliche Schattenspender. Während für kleine Sitzplätze schon eine Rosenlaube reichen kann, muss es an der Terrasse schon ein in der Nähe stehender Baum sein, dessen Krone nicht zu hoch und ausladend sein sollte. Obstbäume wie Kirsche, Apfel oder Pflaume liefern saisonal den Nachtisch gleich vom Ast weg.

    Tipps

    Holzdecks haben eine begrenzte Haltbarkeit. Wer nicht die komplette Terrassen-Konstruktion tauschen will, setzt auf einen witterungsresistenten Unterbau aus Beton, Stein oder Stahl. Dann können morsche oder rissige Planken einzeln getauscht werden.

    Ausgefallene Sitzgelegenheiten finden auch im kleinsten Garten ihren Platz – beispielsweise für eine Rundbank um einen Baumstamm herum, oder eine quietschbunte Bank vor einer Hecke oder Natursteinmauer.

    Ein Teich lässt sich mit einem einfachen Trick kindersicher machen, indem man etwa fünf Zentimeter unter der Wasseroberfläche ein rostfreies Stahl-Gitternetz einlegt.

    Die Landesgartenschau 2018 findet von 12. April bis 7. Oktober täglich ab 9 Uhr auf dem Gelände am Würzburger Hubland statt. Die Kassen schließen um 18 Uhr. Buchtipp: Sitzplätze im Garten. Mobile und dauerhafte Gestaltungen. Von Andrea Christmann, blv-Verlag, 20 Euro.

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