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    Grombühl

    Demokratiekonferenz mit Josef Schuster  

    Thomas Heppener, Patrick Siegele, Josef Schuster, Hülya Düber und Stephanie Böhm eröffnen die Ausstellung im Fechenbach-... Foto: Angie Wolf

    Josef Schuster, Würzburger und Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, berichtete bei der Demokratiekonferenz im Felix-Fechenbach-Haus, dass die Juden in Deutschland froh darüber seien, "heute in einem Staat zu leben, der jüdisches Leben schützt". Er schränkte ein: So vehement wie lange nicht kämpften sie zurzeit für ihre Grundrechte. Juden, die ihr Jüdischsein offen leben, würden angepöbelt, angestarrt oder geschlagen. Sie erlebten heute nicht nur den klassischen und den sekundären Antisemitismus, der das Opfer-Täter-Verhältnis umdreht.

    Schuster zitierte einen Satz des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rex: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen." Dazu komme eine, mit weiter getragenen antisemitischen Klischees verknüpfte, Israel-Feindlichkeit, verbreitet auch von Migranten aus dem arabischen Raum.

    Rechtsextremismus in Deutschland

    Das Programm "Demokratie leben" startete das Bundesfamilienministerium 2015. Es trägt den Untertitel "Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" und soll zunehmenden Rechtsradikalismus entgegenwirken. Denn nach Recherchen von "Zeit" und "Tagesspiegel" ermordeten Rechtsextremisten in Deutschland seit 1990 mindestens 169 Menschen. Die Zahl der Anschläge auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte steigt. Im ersten Halbjahr 2018 zählte die Bundesregierung 401 antisemitische Straftaten und 704 politisch motivierte Angriffe auf Asylsuchende.

    In Würzburg haben sich das Sozialreferat und das Bündnis für Demokratie und Zivilcourageals lokale Filiale von "Demokratie leben" zusammengetan. Gemeinsam veranstalteten sie jetzt zum zweiten Mal eine Demokratiekonferenz. Sie fand im Felix-Fechenbach-Haus statt, inmitten einer interaktiven Ausstellung über den jüdischen Teenager Anne Frank. Das Mädchen, 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet, wurde durch die Veröffentlichung seines Tagesbuches weltberühmt. "Demokratie leben" hat die interaktive Ausstellung "Deine Anne" nach Würzburg geholt. Sie geht bis 30. November. Ist allerdings nur mit einer Führung zu sehen und diese sind ausgebucht.

    In Schulen mehr über jüdisches Leben informieren 

    Viele Juden, so Schuster, berichteten, sie würden nicht als Deutsche wahrgenommen, sondern verantwortlich gemacht für die israelische Politik. Er sprach von einer "sozialen Exklusion" - von einem Ausschluss aus der Gesellschaft. "Und das" hätten die Juden "schon einmal erlebt. Unsere Sensoren für diese Unterscheidung zwischen ‚Wir‘ und ‚Ihr‘ sind sehr ausgeprägt."

    Der Zentralrat will gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz gegensteuern: Jüdische Religion, Geschichte und Kultur sollen breiter als bislang an den Schulen und in der Lehrerausbildung vermittelt werden. Denn bisher, so Schuster, kommen Juden als Thema "fast ausschließlich als Opfer vor".

    Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt, forderte in ihrem Vortrag, Antisemitismus "als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen" in Schule, Jugendarbeit, Studium, Sportverein, im Freundeskreis "oder am Stammtisch" zu thematisieren. Wissen müsse vermittelt und für Gefahren sensibilisiert werden, Handlungsoptionen müssten aufgezeigt werden.

    "Im Alltag entscheiden wir alle, ob rassistische, homophoe oder behindertenfeindliche Sprüche oder gar Übergriffe sich zunehmend Raum erobern", sagte Stephanie Böhm vom Bündnis für Demokratie und Zivilcourage. Es gebe "so viele alltägliche Diskriminierungsmomente, die nach unmittelbarer Mitmenschlichkeit schreien". Einzelne, die couragiert eingreifen, könnten vieles verändern.

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