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    Estenfeld

    Der Biber ist das größte Problem der Mühlhausener

    Es war eine sehr entspannte Bürgerversammlung im Estenfelder Ortsteil Mühlhausen, und wie es aussieht sind die Bürger recht zufrieden mit ihrem Leben und mit der Arbeit von Bürgermeisterin Rosi Schraud, ihrem Gemeinderat und ihrer Verwaltung. Keine bohrenden Nachfragen zum Bericht der Bürgermeisterin, keine bösen Gesichter, bis auf das Dauerproblem mit den Auswärtigen.

    Die fallen gefühlt scharenweise über Mühlhausen her, parken ihre Fahrzeuge knapp außerhalb und gehen mit ihren Hunden dort Gassi. Was an sich nicht das Problem wäre, eher sind es die Hinterlassenschaften der Hunde, für die sich die Besitzer nicht immer verantwortlich fühlen. Dann wäre das noch die Kreisstraße nach Mühlhausen rein, bei der die Bürger immer noch auf das Verkehrsschild "Tempo 50" warten. Dazu, so die Bürgermeisterin, müsse die Straße herabgestuft werden, und sie versprach, deswegen beim Landratsamt vorsprechen zu wollen.

    Der Bieber fühlt sich wohl

    Ansonsten bleibt es in Mühlhausen beim alten Problem: der Biber an der Pleichach. Das ist ein "Gewässer zweiter Ordnung", was bedeutet, dass nicht die Gemeinde, sondern das Wasserwirtschaftsamt (WWA) für den Unterhalt verantwortlich ist. Woran sich der Biber natürlich nicht stört, sondern munter weiterhin die Pleichach aufstaut, um den Eingang seiner Burg auch weiterhin unter Wasser erreichen zu können. Zwischendurch war er mal weg, als die Brückenpfeiler für die A 7 eingebaut wurden. "Das war ihm wohl zu ungemütlich", so die Bürgermeisterin. Jetzt, wo die Pfeiler stehen, ist auch der Biber wieder da und verursacht munter große Schäden an der Infrastruktur des Ortes.

    Da wäre zum einen die Brücke über die Pleichach, deren Widerlager nun ständig unter Wasser sind und stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Da wäre zum anderen der an die Pleichach angrenzende asphaltierte Wirtschaftsweg, dessen Asphalt durch die Dauernässe mehr und mehr wegbricht. Denn die Pumpen, die das Wasser in die Bäche leiten, leisten 24-Stunden-Dauerarbeit, weil sie davon ausgehen, dass sie das Wasser nicht in die Pleichach wegpumpen können - eben weil der Biber für einen Rückstau sorgt.

    Stromkosten von 26 000 Euro jährlich

    "Das verursacht einerseits Stromkosten von 26 000 Euro jährlich allein für das Pumpwerk, andererseits verschleißen die Pumpen bei Dauerbetrieb natürlich viel schneller", so Schraud weiter. Erst vor kurzem musste Bauhofchef Jürgen Fottner eine neue Pumpe einbauen lassen, im Wert eines Luxusfahrzeuges aus München oder Ingolstadt, sprich für 60 000 Euro. Nächstes Problem: sorgt der Biber dafür, dass das Überlaufbecken wegen seines des von ihm initiierten Staus nicht funktioniert, "stehen wir wieder als Umweltsünder da, und genau das wollen wir uns nicht ans Revers haften lassen".

    Es gab schon Termine vor Ort, mit dem WWA, dem Biberberater und dem Bibermanagement. Immerhin hatte das WWA erreicht, dass eine Drainage entlang der Straße entstand. Somit konnte zwar der Wasserspiegel der Pleichach leicht gesenkt werden, was aber im Gegenzug den Biber veranlasste, erneut den Bach zu stauen und die Pumpen auf 24-Stunden-Betrieb umstellen zu lassen. Eine Sisyphusarbeit, befand die Bürgermeisterin. Ihr lauter Gedanke: "Da, wo die Natur eine Infrastruktur zerstört, sollte man überlegen, ob dieser Ort für den Biber der richtige ist, und vielleicht sollte man auch über eine Umsiedlung nachdenken dürfen."

     

    Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikel stand, dass das Abwasser aus Estenfeld in Mühlhausen in die Pleichach abgeleitet wird. Dies ist nicht richtig. Es wird lediglich der Überlauf aus einem Rückhaltebecken abgeleitet. Das Mühlhäuser Abwasser wird nach Estenfeld gepumpt und von dort nach Würzburg ins Klärwerk geleitet.

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