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    HOLZKIRCHEN

    Der Geist braucht tägliches Recycling

    15 Jahre Benediktushof Holzkirchen – es ist zwar ein junges Jubiläum, aber wenn man in so kurzer Zeit schon so viel erreicht hat, ist es erst recht wert, das zu feiern. Das Jubiläum stand unter dem Motto „Spiritualität und Ethik in der Welt von heute“. Darum ging es auch im Eröffnungsvortrag von Tilman Haberer am Freitagabend, der mit einem Gongkonzert von Csongor Kolcze beendet wurde.

    Der eigentliche Festakt am Samstag, bei vollem Haus, zeigte auf, welch großartige Leistung eine Gruppe von begeisterten Menschen um den Benediktiner Willigis Jäger geleistet hat. 2002 wurde am Benediktushof in Holzkirchen durch die Initiative von Gerhard und Irene Bopp und durch großherzige Investition der Unternehmerin Gertraud Gruber ein Ort der Achtsamkeit und Meditation geschaffen. Mit 38 000 Übernachtungen jährlich ist der Benediktushof mittlerweile zu einem der größten spirituellen Orte Europas geworden. Bei Kursen wird dort Menschen eine Gelegenheit gegeben, eine Auszeit zu nehmen und zu sich selbst zu finden.

    Dirk Ahlhaus, Geschäftsführer des Benediktushofs, konnte zum Festakt zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter Pater Anselm Grün von der Abtei Münsterschwarzach sowie hochrangige Mönche aus dem chinesischen Bailin-Zenkloster.

    Die spirituelle Leitung des Benediktushofs hat der mittlerweile 93-jährige Willigis Jäger an Doris Zölls, Alexander Poraj und Fernand Braun übergeben. Zen-Meisterin Zölls sprach vielen aus der Seele, als sie sich bei den Gründern des Zentrums bedankte: „Ein Gefäß ist ohne Inhalt nichts und ein Inhalt braucht ein Gefäß. Gertraud Gruber steht für das Gefäß, Willigis Jäger für den Inhalt. Sie bedingen sich beide“, so Zölls.

    Zölls lachte, als sie sagte, dass Holzkirchen durch den Benediktushof nun den Anschluss an die Welt erreicht habe. Sie dankte der Gemeinde und dem Landkreis Würzburg für die Aufnahme, die am Anfang sehr kritisch beäugt worden sei, da man Angst gehabt habe, eine Sekte würde Einzug halten. Doch heute sei man froh, dieses Gebäude einem überkonfessionellen Zweck zugeführt zu haben.

    Irene Bopp zeigte sich ebenfalls dankbar gegenüber Willigis Jäger, der aus dem ehemaligen Klosterhof ein lichtvolles Haus gemacht habe. Sie blickte zurück auf das Jahr 2002, das Jahr, in dem die Sanierung und die Umnutzung des Anwesens vollzogen wurden. Damals konnte sie sich nicht vorstellen, dass aus diesen verfallenen Gemäuern überhaupt etwas Sinnvolles entstehen könnte. „Ich mache das für Willigis“, sagte Gertraud Gruber damals. Irene Bopp bedauerte, dass die inzwischen bereits 97-jährige Gertraud Gruber die weite Reise vom Tegernsee nach Holzkirchen zum Festakt aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten konnte.

    Zen-Lehrer Paul J. Kohtes erinnerte daran, dass viele glückliche Umstände dazu beigetragen haben, dass dieses Zentrum für Spiritualität entstehen konnte. „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“, zitierte Kohtes Albert Schweizer. Als Glück bezeichnete Kohtes auch, dass Willigis Jäger die spirituelle Leitung und die Management-Struktur rechtzeitig übergeben habe.

    Landrat Eberhard Nuß zeigte sich begeistert, was aus dem Benediktushof geworden sei und auch Bürgermeister Klaus Beck war hoch erfreut über diese Einrichtung, die Holzkirchen zu Berühmtheit verholfen habe.

    Pater Anselm Grün sprach in seinem Festvortrag über „Die Rolle der Spiritualität in unserer Gesellschaft“. Die Bergpredigt Jesu nahm er zum Anlass, um „die verwandelnde Kraft der Spiritualität“ den Zuhörern nahezubringen. Er betonte, dass alles, was wir tun, eine Auswirkung auf die Gesellschaft habe. Wenn wir uns verwandeln ließen, könnten wir zu mehr Verbundenheit unter den Menschen beitragen. Am Ende sprach Pater Anselm Grün den Wunsch aus, dass die Spiritualität, die am Benediktushof gelehrt und geübt werde, verändernde und heilsame Impulse in unsere Gesellschaft bringe.

    Der buddhistische Abt Ming Hai aus China war bereits zum vierten Mal im Benediktushof. Er verglich das Zentrum mit einem Recycling-Unternehmen. „Hier wird aber nicht ein Stoff recycelt, sondern unser Geist muss täglich recycelt werden, um etwas Wertvolles aus dem Verbrauchten zu gewinnen“, ließ er übersetzen. Der Abt übergab Willigis Jäger ein Gefäß für kostbares, gesegnetes Wasser sowie eine chinesische Kalligrafie.

    Eine Fotoausstellung „15 Jahre Benediktushof“ rundete den Festakt ab, der musikalisch erstklassig von „Triango“ mit Werken aus dem 17. Jahrhundert gestaltet wurde.

    Der Samstagnachmittag galt ethischen Themen, die von Prof. Markus Gabriel mit einem Impuls-Vortrag „Grundlagen aus ethischer Sicht“ eingeläutet und dann in Workshops bearbeitet wurden.

    Der bekannte Kabarettist Oliver Tissot beendete den Tag mit dem Programm „Bene? Dick? Tu?s!“.

    Am Sonntag gab es mehrere Programmpunkte: Paul J. Kohtes und Kerstin Rudolph stellten die Stiftung vor, Kathleen Battke hielt einen Vortrag über „die Praxis der Mitmenschlichkeit an Orten, die wir fürchten“ und Doris Zölls („Disziplin als Anfang. Der Zen-Weg zur Liebe“) sowie Dr. Alexander Poraj („All-ein“) präsentierten ihre Bücher.

    Stefanie Engelhardt

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