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    WÜRZBURG

    Der Main ist Frankens Wasserader

    Ein paar Meter von der Mauer des Würzburger Stadtstrands entfernt liegt eine rote Tonne im Wasser. Was bedeutet sie und warum ist sie rot? Dass hier die Fahrrinne für die Großschifffahrt begrenzt ist, lässt sich leicht beantworten. Warum aber liegen in Flussrichtung die roten Tonnen rechts und die grünen links? Grün steht doch in der Seefahrt für steuerbord (rechts) und rot für backbord (links). Auch sind Hafeneinfahrten rechts grün und links rot gekennzeichnet. Genau hier liegt auch schon die Antwort: Vom Meer kommend sind auch Flussmündungen rechts mit grünen und links mit roten Seezeichen gekennzeichnet. Dazwischen ist die ausreichend tiefe Fahrrinne. Das setzt sich flussaufwärts so fort – auch bis zum Würzburger Stadtstrand und darüber hinaus.

    Mit durchschnittlich 100 Metern Breite in der hiesigen Region ist der Main der viertgrößte Nebenfluss des Rheins. Dabei ist er vergleichsweise flach. Die Fahrrinne für die Schifffahrt ist bei Würzburg lediglich mindestens 2,50 Meter tief. Nur zwischen der Mündung bei Mainz und Triefenstein bei Marktheidenfeld sind bisher 2,90 Meter garantiert. Diese Tiefe soll in einigen Jahren bis Bamberg gehen – bei einer Fahrrinnenbreite von 40 Metern.

    Bisher ist der Main für Schiffe bis 110 Meter Länge ausgelegt. Mit Sondergenehmigung dürfen Einzelschiffe bis 135 Meter lang sein. Die neuen Hotelschiffe erreichen diese Länge beispielsweise oder neue Frachter, die rund 4000 Tonnen laden können, also rund 100 große Lastwagen. Koppel- und Schubverbände dürfen auf dem Main sogar 190 Meter lang sein.

    Große Schiffe können den Main erst befahren, seit in den 1930er Jahren die Staustufen gebaut wurden. Seitdem sagen Puristen dem Main nach, dass er eigentlich schon fast eine Aneinanderreihung von Stauseen ist. Auf den 388 Kilometern zwischen Bamberg und Mainz ist durchschnittlich alle elf Kilometer eine Staustufe – insgesamt sind es 34. Andererseits finden eben nur dank dieser Staustufen die Schiffe ganzjährig ausreichend Wassertiefe, um Güter zur Entlastung von Autobahnen und Ortschaften transportieren zu können.

    Ein Mainschiff hat im Durchschnitt nicht einmal eine Stunde freie Fahrt, ehe es wieder in eine Schleuse hineinzirkeln muss. Gerade mal zwölf Meter ist eine Schleusenkammer breit. Bei einem Schiff mit mehr als 11,40 Metern Breite bleiben daher links und rechts nur noch 30 Zentimeter „Luft“ bis zur Schleusenwand.

    Der Main hat früher völlig anders ausgesehen und war noch wesentlich flacher. Dass man ihn durchwaten konnte, darauf deuten Ortsnamen wie Schweinfurt, Ochsenfurt oder Lengfurt hin. Als Furt bezeichnet man eine Untiefe in einem Bach- oder Flusslauf, an der das Gewässer zu Fuß oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann. Auch verlief das Flussbett weniger geradlinig. Beispielsweise liegen die Würzburger Rudervereine an einem Altwasser des Mains.

    Mitte des 19. Jahrhunderts fand die sogenannte Mittelwasserkorrektion statt. Es wurden vom Ufer aus Mauern quer in den Main hineingebaut. Oft wurden an deren Kopf auch noch T-förmig Längsmauern errichtet, genannt Parallelwerke. So entstanden zwischen diesen Mauern die sogenannten Buhnen. Der so in der Mitte konzentrierte Flusslauf sollte eine durchgehende Tiefe von mindestens 90 Zentimetern bieten.

    Oberhalb der Staustufen versanken diese Buhnen im aufgestauten Wasser. Unterhalb sind sie vielerorts heute noch erhalten. Teilweise hat man die Buhnenfelder später aufgeschüttet und so dem Main Land „abgerungen“. Beispielsweise befindet sich der Karlstadter Campingplatz dort, wo bis 1910 noch Wasser war.

    Während früher Pferde die Schiffe vom Ufer aus bergwärts zogen, übernahmen dies ab 1886 Kettenschleppschiffe. Die sogenannte „Meekuh“ – der Name rührt vom Klang ihres Signalhorns – hatte wenig Tiefgang und hangelte sich mit Dampfmaschinenkraft an der im Main verlegten Kette den Fluss hinauf – im Schlepp Frachtschiffe, die damals noch keinen eigenen Motor besaßen. Die Alten, die am Main aufgewachsen sind, erzählen, dass sie es in der Jugend zum Sport machten, die Kette aus dem noch flachen Main emporzutauchen.

    Der Bau der Staustufen beendete die Ära der Kettenschleppschiffe – unterhalb von Würzburg 1940 und später auf der Strecke bis Bamberg. Gleichzeitig wurde der Main zum Stromlieferanten. Denn gegenüber jeder Schleuse befindet sich auf der anderen Flussseite jeweils ein Wasserkraftwerk. Diese Kraftwerke haben in der hiesigen Gegend jeweils zwischen 2500 und 4000 Kilowatt Leistung. Zum Vergleich: Ein Windrad, wie sie in Unterfranken verbreitet sind, hat bei optimalem Wind eine Leistung von 2000 Kilowatt.

    Zurück zur grünen Tonne. Grün bedeutet also in der Seefahrt rechts und rot links. So haben auch alle Schiffe auf Steuerbord ihr grünes und auf Backbord ihr rotes Positionslicht. Die Unterscheidung in Steuerbord (Stb) und Backbord (Bb) auf Wasserfahrzeugen hat nichts damit zu tun, dass man sich durch eine Fachsprache von den Landratten absetzen will. Vielmehr geht es um eine klare Definition, welche Seite gemeint ist. Egal, ob ein Teil der Mannschaft rückwärts rudert, vorwärts paddelt, gerade Deck schrubbt oder steuert, und egal, ob das Schiff rückwärts oder vorwärts fährt – steuerbord ist immer vom Heck zum Bug gesehen rechts.

    Die Begriffe stammen aus der Zeit, als das Steuerruder bei (Wikinger-)Schiffen noch seitlich montiert war. Rechts wurde gesteuert, während der Steuermann die linke Seite im Rücken (back) hatte.

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