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    GIEBELSTADT

    Der Mann für die Knalleffekte

    Ein leuchtender Feuerball, gefolgt von einer Wasserfontäne, schießt aus dem alten Ziehbrunnen. Der Bauer, der gerade eine Bombe in den Brunnenschacht geworfen hat, kann sich mit einem Hechtsprung gerade noch in Sicherheit bringen. Eine der spektakulären Szenen, die den Zuschauern der Giebelstadter Florian-Geyer-Festspiele den Atem stocken lassen. Hinter dem Feuerzauber steckt der Bergtheimer Pyrotechniker Matthias Keller. Seit elf Jahren ist er auf der Geyer-Bühne überall dort zur Stelle, wo es lodert und kracht. Am Freitag steht ihm eine neue Premiere bevor.

    Actionreiches Spektakel

    Pyrotechnik spielt bei den Geyer-Spielen ein große Rolle. Regisseur Renier Baaken stellt sie auf eine Stufe mit rasanten Reitszenen und packenden Schwertkämpfen. Es sind die wichtigsten Zutaten, mit denen Baaken aus dem Historien-Stück ein actionreiches Spektakel gemacht hat. Was dem Publikum dabei entgeht, ist Matthias Kellers akribische Vorarbeit. Es muss gefährlich aussehen ohne gefährlich zu sein. Sicherheit geht vor.

    Die Wasserexplosion ist auch für Keller eine neue Erfahrung. Lange hat er getüftelt, wie sie sich in Szene setzen lässt. Schließlich findet die Explosion nur wenige Meter vom Publikum entfernt statt. Der Pyrotechniker kam schließlich auf ein wassergefülltes Stahlrohr, in dem er eine kleine Plastikflasche mit 25 Gramm Schwarzpulver samt Zünder montiert hat. Die Ladung reicht aus, um eine stattliche Wasserfontäne zu erzeugen. Für den Feuerball ist banaler Blütenstaub verantwortlich.

    Explodierender Blütenstaub

    Die feinen Sporen des Bärlapps enthalten ätherische Öle. Werden sie fein in der Luft verwirbelt, entsteht daraus eine brisante Mischung, ähnlich wie bei einer Mehlstaub-Explosion. Die Kunst besteht darin, Blütenstaub und Wasserfontäne in genauer Zeitfolge in die Luft gehen zu lassen. Und darin, mit minimalem Sprengmitteleinsatz eine maximale Wirkung zu erzielen.

    Schwarzpulver verwendet Matthias Keller deshalb nur ungern. „Gefährliches Zeug, das beim kleinsten Funken hochgehen kann.“ Dafür hat er in seiner Trickkiste andere Hilfsmittel: vorgefertigte Böller, die sich elektrisch zünden lassen oder Metallpulver, die Funken und Flammen in den unterschiedlichsten Farben erscheinen lassen.

    100 Explosionen in einer Aufführung

    Etwa 100 Explosionen passieren während der Aufführung. Von der Bombe im Brunnen bis zu Schüssen und Feuerfontänen aus dem Bühnenboden. Dazu sind unsichtbar kleine Rohre in den Boden eingelassen, von denen dünne Kabel zur Schaltzentrale führen. Auch die Fassade der Schlossruine ist, für den Zuschauer unsichtbar, mit unzähligen Kabeln überzogen. Matthias Keller ist der einzige, der ihre Ordnung kennt. Trotzdem muss vor jeder Aufführung jede einzelnen Verbindung überprüft werden.

    In einem abgesperrten Sicherheitsbereich neben dem Bühneneingang sitzt Matthias Keller während der Vorstellung und löst die unterschiedlichen Zündungen aus. „Der schlimmste Fall wäre, wenn ich auf den Knopf drücke und nichts passiert“, sagt er. Dann könnte es sein, dass der Zünder zeitverzögert losgeht und Umstehende in Gefahr bringt.

    Respekt vor der Gefahr

    „Zum Glück ist so etwas noch nie passiert“, so Keller. Und selbst wenn: Die eingesetzten Ladungen seien so schwach, dass sie niemanden ernsthaft verletzten könnten. Trotzdem hat er einen Heidenrespekt vor seinem Tun. „Man muss sich bewusst sein, dass immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, auch wenn man es schon tausendmal gemacht hat.

    Matthias Keller unterscheidet deshalb sehr genau zwischen Erfahrung und Routine. Erfahrung hilft, Gefahren einzuschätzen und neue Effekte zu entwickeln, Routine verleitet zu Sorglosigkeit und Leichtsinn. Auf seine Erfahrung baut Keller, wenn er mit Regisseur Renier Baaken die Effekte plant. „Entweder Renier hat eine Idee und ich sage ihm, ob es geht oder ich schlage selber etwas vor.“

    Pferde sensibel gewöhnen

    Erschwert wird die Arbeit durch den geringen Abstand zwischen Bühne und Publikum und durch die Pferde, die in dem Stück mitwirken. „Pferde sind Fluchttiere. Eine Kuh frisst weiter, wenn es kracht, aber ein Pferd haut ab“, sagt Keller. Deshalb müssen die Tiere sensibel auf den Einsatz von Böllern und Feuerwerk vorbereitet werden.

    Auch der bürokratische Aufwand, der jedem Einsatz von Feuerwerk vorausgeht, ist immens. Der gesamte Ablauf und die eingesetzten Sprengmittel müssen genau beschrieben und der Gewerbeaufsicht vorgelegt werden.

    Gute Referenz

    Als er vor elf Jahren zur Truppe der Geyer-Festspiele stieß, hatte Matthias Keller seine Ausbildung zum Bühnenpyrotechniker, Großfeuerwerker und Sprengberechtigten gerade hinter sich. „Ich bin dafür noch heute dankbar, das hat mir gute Referenzen gegeben.“

    Inzwischen hat er das ganze Jahr über gut zu tun, sei es mit Sprengungen, Spezialeffekten für Filmaufnahmen und Freilichtaufführungen oder Großfeuerwerke. Dazwischen tüftelt er in irgendeinem Steinbruch an neuen Showeffekten. Seinen Hauptberuf als Leiter eines Getränkemarktes will Matthias Keller trotzdem nicht aufgeben. Dann würde die Pyrotechnik zur Routine werden, und Routine ist gefährlich.

    Florian-Geyer-Festspiele

    Auf dem Spielplan steht in diesem Jahr die dritte Episode „Der Herr des Zorns“ des Vierteilers über Florian Geyer und Bauernkrieg von Renier Baaken.

    Premiere ist am Freitag, 13. Juli, um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne vor der Ruine des Geyer-Schlosses, die weiteren Aufführungen bis zum 28. Juli jeweils freitags und samstags zur selben Zeit.

    Karten bei Schreibwaren Krenkel in Giebelstadt, den bekannten Vorverkaufsstellen und dem Ticket-Service der Main-Post, Tel. (09 31) 6001 6000, sowie an der Abendkasse.

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