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    Würzburg

    Der Neue im Chambinzky ist schon lange da

    Nach 35 Jahren hat Rainer Binz die Leitung des von ihm gegründeten Theaters "Chambinzky" abgegeben. Sein Nachfolger kennt das Haus bestens.
    Csaba Beke ist seit Beginn dieser Spielzeit neuer Leiter des Theaters Chambinzky.
    Csaba Beke ist seit Beginn dieser Spielzeit neuer Leiter des Theaters Chambinzky. Foto: Christoph Weiß

    Das Theater Chambinzky in der Valentin-Becker-Straße kannte während seiner bisherigen Existenz nur einen einzigen Chef – seinen Gründer Rainer Binz. 35 Jahre lang leitete er das Theater, das sich vor allem durch Komödien und Boulevard-Produktionen einen Namen machte und dies über die Stadtgrenzen Würzburgs hinaus. Binz war so omnipräsent in seinem Theater und praktisch für alles zuständig, so dass man sich das Theater ohne ihn kaum vorstellen konnte. Im vergangenen Jahr war es dann doch so weit. Rainer Binz beschloss, dass er das Theater in jüngere Hände übergeben wollte.Eigentlich wollte er erst mit 65 Jahren ins zweite Glied zurücktreten, doch nun geschah es ein Jahr früher als geplant. Und seinen Nachfolger hatte er sich schon länger ausgeguckt. Es ist der 1980 geborene Csaba Beke, der bereits seit 20 Jahren im Chambinzky ein- und ausgeht. Der Neue an der Spitze ist also im Chambinzky alles andere als neu. 

    Zwischen Pauken und Posaunen

    Eine Tätigkeit im kulturellen Bereich war Csaba Beke fast in die Wiege gelegt. Denn sein Vater war professioneller Musiker und spielte in zahllosen Orchestern, häufig waren sie in Kurorten unterwegs, erzählt der gebürtige Ungar: „Schon als Kind bin ich zwischen Pauken und Posaunen rumgekrabbelt.“ So sei er schließlich nach vielen Stationen in Würzburg gelandet, das ihm schnell zur zweiten Heimat geworden sei. 1996 lernte er Rainer Binz kennen, der gerade Verstärkung für seine Theaterkasse suchte. Beke bekam den Job. Nur zwei Jahre später war er bis in den Vorstand des Chambinzky e.V. als Kassier aufgerückt. Doch das war ihm nicht genug. Er wollte auf die Bühne. Und so geschah es dann auch. 1998 spielte er in „Der brave Soldat Schwejk“, erinnert sich noch gerne an das „Minidramen Roulette“ („Ein irre gutes Stück“) und erfüllte sich einen Traum, als er in der „Feuerzangenbowle“, in der etwa 150 Mal mitwirkte, schließlich die Rolle des „Pfeiffer“ übernehmen durfte. In etwa 1000 Vorstellungen habe er inzwischen auf der Bühne des „Chambinzky“ gestanden, schätzt Beke.

    Ein Mann mit vier Berufen

    Das klingt schon fast nach Fulltime Job, ist es aber nicht. „Im richtigen Leben habe ich vier Berufe“, erzählt Beke. Zunächst hat er im „Chambinzky“ seine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Dann wurde er Schauspieler, machte einen IHK-Abschluss im Sicherheitsgewerbe und nach einem Wirtschafts-Fernstudium ist er aktuell als Vertriebsleiter bei einem großen deutschen Konzern tätig. Doch seine wahre Leidenschaft gehörte schon immer dem Kreativbereich, erzählt der verheiratete Vater von zwei Töchtern. Seine neue Aufgabe als Theaterleiter ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Wie lässt sich das mit seinem Beruf vereinbaren? „Man muss schon sehr hochseetauglich sein, um das alles zu vereinbaren“, sagt er dazu. Zum Glück gebe es aber im „Chambinzky“-Vereinsvortand zuverlässige und tatkräftige Mitstreiter, die ihm durch ihr Engagement viele Arbeiten abnehmen.

    Auch weiterhin Komödien 

    Denn das „Chambinzky“ besteht nicht mehr nur aus dem großen Theatersaal mit 130 Plätzen, der allerdings das Herzstück bildet. Hier will Beke die bewährte Tradition fortsetzen und Komödie und Boulevardstücke aufführen, wie aktuell die Komödie „Charleys Tante“ oder ab März „Frau Müller muss weg“. Im Sommer steht dann auch noch „Der kleine Prinz“ in einer Neubearbeitung von Rainer Binz auf dem Spielplan. Dass Komödien zwangsläufig leichte Kost sind, lässt Beke nicht gelten. „Komödien zu spielen, ist zunächst einmal unheimlich schwierig, und häufig haben sie auch einen gewissen Tiefsinn“, erklärt Beke und fügt hinzu: „Komödie und Sozialkritik schließen sich überhaupt nicht aus“.

    Für andere Formate hat das „Chambinzky“ vor einigen Jahren das „KuZu-Kellertheater“ im Untergeschoss eingerichtet. Hier ist Platz für 78 Zuschauer. Hier gibt es auch ernsthafte Bühnenkost, Krimis, Jugendtheater oder Workshops. „Hier ist fast alles möglich“, so der Theaterchef. Mit der Kellertheater-Inszenierung des Stücks „Heiligabend“ von Daniel Kehlmann hat sich das „Chambinzky“ gerade für die Privattheater-Tage in Hamburg beworben. Ob man zum Zuge kommt, entscheidet sich im Juni. Und schließlich gibt es auch noch den vom Theaterverein des „Chambinzky“ ins Leben gerufenen „Kulturklub“. Hier wird Live-Musik angeboten, es gibt Quizveranstaltungen. Lesungen, Karaoke, Ausstellungen und vieles mehr. Und zu guter Letzt hat das Theater auch die Gastronomie wieder verpachtet, die es übergangsweise drei Jahre lang selbst betrieben hat.

    Semesterticket: Besser als nichts

    Und da wäre auch noch das aktuelle Thema „Semesterticket“ für das Mainfranken Theater, wo Studierende gegen eine leichte Erhöhung ihres Semesterbeitrags bestimmte Kontingente von Aufführungen kostenlos besuchen. Bekes Vorgänger Rainer Binz führte gemeinsam mit den anderen privaten Bühnen der Stadt den Widerstand dagegen an. Man fürchtete, dass viele Studierende den freien Theatern den Rücken kehren könnten. Zudem hielten es die Theaterbetreiber für ein Unding, kulturelle Angebote zum Nulltarif zu machen. Inzwischen scheint eine Lösung gefunden zu sein, dass auch freie Bühnen ab der nächsten Spielzeit subventionierte Tickets für Studierende, Schüler und Auszubildende anbieten können. „Diese Lösung ist besser als nichts“, findet Beke, für den es nach wie vor erstaunlich ist, dass acht Bühnen mit unterschiedlichen Strukturen und Befindlichkeiten beim Semesterticket an einem Strang gezogen haben. „Ohne diese Welle hätte uns niemand wahrgenommen“, resümiert Beke, „und bei der Beerdigung des ersten Privattheaters wäre es zu spät gewesen“.

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    Bearbeitet von Karl-Georg Rötter

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