• aktualisiert:

    FRICKENHAUSEN

    Der Pfingstritt als ein gutes Stück Heimat

    Ein „beeindruckendes Bekenntnis zu Glaube, Heimat und Tradition“ nennt Bayerns designierter Ministerpräsident Markus Söder den Ochsenfurter Pfingstritt. In Schweinfurt verlieh der Noch-Heimatminister den Heimatpreis des Freistaats Bayern an acht Gruppen und Institutionen in Unterfranken. Erstmals war auch Ochsenfurt unter den Preisträgern. Eine Verpflichtung, auch weiterhin an der Tradition festzuhalten, meint Bürgermeister Peter Juks.

    Bereits im Jahr 1464 fand der Pfingstritt im Zusammenhang mit der Einweihung der Wolfgangskapelle urkundliche Erwähnung. Jahrhundertelang pilgerten Bauern aus dem gesamten Ochsenfurter Gau am dritten Pfingsttag zur Kapelle, um dort den Segen für ihre Arbeitstiere zu erbitten. Die Segnung wurde zum willkommenen Anlass für Metzger und Schankwirte, ihre Stände in der Nähe der Kapelle aufzubauen.

    Geistige Getränke im Übermaß

    Bis die Obrigkeit im Jahr 1803 die weltlichen Vergnügungen im Umfeld des kirchlichen Fests verbot, weil dort „oft geistige Getränke im Übermaß genossen“ wurden und sich junge Leute beiderlei Geschlechts „nicht immer auf erbauliche Weise erlustigt“ hatten. So berichtet es Stadtchronist Johann Kestler Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Bratwürste und gefüllten Maßkrüge wurden daraufhin nicht mehr an der Kapelle, sondern in den Biergärten der Stadt angeboten – die Ursprünge für das heutige Bratwurstfest.

    1951 wurde der Pfingstritt von Kreisheimatpfleger Martin Ahlbach wiederbelebt, fand aber nach 15 Jahren erneut ein Ende, weil Traktoren die Arbeitspferde ersetzt hatten und die Pferdesegnung an Bedeutung verlor. 1976 erinnerte sich der neu gegründete Ochsenfurter Verkehrsverein an das alte Brauchtum und führte den Wolfgangsritt wieder ein. Seitdem findet er jeweils am Pfingstmontag eines jeden ungeraden Jahres statt. Nach Auflösung des Verkehrsvereins führt der neu gegründete Stadtmarketingverein die Tradition fort.

    Seit 1987 Jahren zeichnet Gerhard Wingenfeld für die Organisation des Pfingstritts verantwortlich und will die Aufgabe auch in den kommenden Jahren übernehmen. Reiter und Kutschfahrer aus der gesamten Region anzuschreiben, für eine geregelte Zugfolge der 70 bis 100 Reiter und zwölf bis 15 Kutschen zu sorgen und noch rund 200 Vertreter der Ochsenfurter Vereine und mehrere Musikkapellen einzubinden, das erfordere viel Erfahrung, auf die der Stadtmarketingverein nicht verzichten wolle, so Geschäftsführer Thomas Herrmann.

    Beste Imagewerbung für die Stadt

    Für Gerhard Wingenfeld ist der Pfingstritt „die beste Imagewerbung für die Stadt“. Trotzdem steht bei ihm die Tradition im Vordergrund. Das wird auch heute noch an der strikten Trennung zwischen der Wallfahrt und der weltlichen Erbauung deutlich. Auf dem Weg zur Wolfgangskirche spielen die Musikkapellen geistliche Choräle, auf dem Rückweg Volksmusik.

    Dabei werde offenkundig, wie eng die Ochsenfurter mit ihrer Tradition verbunden sind. „Die Ochsenfurter gehen mit großer Ehrfurcht in diesen Pfingstritt“, sagt Wingenfeld. „Das merkt man an den Vereinen, die sich melden und unbedingt dabei sein wollen.“ Grundsätzlich gelte, dass jeder Verein aus Ochsenfurt am Pfingstritt teilnehmen dürfe. Besonders wichtig sei aber die Unterstützung des Reit- und Fahrvereins.

    Pfingstritt führt weiterhin über die Alte Mainbrücke

    Doch auch alte Traditionen lassen Spielraum für Neuerungen. So wie 2017, als die Aufstellung zum Ritt wegen der Baustelle der Neuen Mainbrücke nicht wie gewohnt auf der Mainuferstraße erfolgen konnte. Stattdessen mussten Ross und Reiter über die Alte Mainbrücke in die Stadt einziehen. „Dieses Bild über die alte Brücke war genial“, sagt Gerhard Wingenfeld. Er möchte es auch in Zukunft nicht missen.

    Dass der Pfingstritt keine Veranstaltung eines einzelnen Vereins ist, sondern eine Gemeinschaftleistung der gesamten Stadt, wurde bei der Verleihung des Heimatpreises deutlich. Neben dem Bürgermeister und Vertretern der Stadt und des Stadtmarketingvereins waren auch Vertreter von Feuerwehr, Hilfsdiensten und Polizei nach Schweinfurt gefahren, die für einen gefahrlosen Ablauf des Pfingstritts sorgen.

    „Für mich ist dieser Preis der Auftrag, dass man sich auch weiterhin der Aufgabe stellt, den Pfingstritt zu veranstalten, auch wenn er die Stadt Geld kostet“, urteilte Bürgermeister Peter Juks über den Heimatpreis. Ob Markus Söder aber tatsächlich seiner Einladung folgt, und beim nächsten Pfingstritt 2019 in der Kutsche der Ehrengäste Platz nimmt – „das wird man sehen.“

    „Der Pfingstritt ist die beste Imagewerbung für die Stadt.“
    Gerhard Wingenfeld, Organisator des Pfingstritts

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!