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    WÜRZBURG

    Der Szenetreff Blauer Adler ist erst einmal Geschichte

    „Der Blaue Adler fliegt nicht mehr!“ Unter dieser Überschrift hat Otto Keinert am Montag das Aus des Szenetreffs für das etwas ältere Publikum im ETSV-Heim in der Mergentheimer Straße via Facebook verkündet. „Am 31. August hat der Blaue Adler vorerst aufgehört zu existieren. Ich habe an besagtem Tag aus persönlichen Gründen das Gewerbe abgemeldet“, schreibt Keinert. Der Ärger mit Nachbarn wegen Lärmbeschwerden in jüngster Zeit sei nicht, wie mancher vermute, der Anlass gewesen. Wie berichtet, gab es Anzeigen wegen Ruhestörung. 

    Zu viel Stress und gesundheitliche Probleme

    „Diese Probleme haben mich in meiner Entscheidung zum Rückzug allerdings bestärkt“, erklärt Keinert im Gespräch mit der Redaktion. „Wenn Du bei jeder Veranstaltung, egal wie laut es ist, zittern musst, ob die Polizei vorbeikommt oder ob du ein Ordnungsgeld zahlen musst, geht das an die Nerven“, sagt „der Otto“, wie seine zahlreichen Stammgästen den Wirt nennen. Der Ärger mit den Nachbarn sei der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Mir ist die ganze Arbeit und der Stress einfach zu viel geworden, dazu kommen gesundheitliche Probleme“, erklärt der 60-Jährige. Länger als bis zum Jahresende habe er sowieso nicht durchhalten, die geplanten Feiern und Bandauftritte aber noch durchziehen wollen.     

    Doch in der Sommerpause des Adlers, die vor gut einer Woche begann, sei er zur Erkenntnis gekommen, dass schon jetzt Schluss sein müsse, sagt Keinert. Für seine Gäste, Fans, die Bands und die Musiker, die gerne und häufig im Adler waren sowie für seine Mitarbeiter und den Sportverein tue es ihm leid. Doch er bitte um Verständnis für seine Entscheidung.

    „Um die weitere Existenz des Blauen Adler eventuell zu gewährleisten“, sei er auf der Suche nach einem Nachfolger. Wenn diese Erfolg haben sollte, könnten vielleicht noch einige der heuer geplanten Veranstaltungen über die Bühne gehen. „Dafür werde ich mir Mühe geben“, bekräftigt Keinert – und hat noch einen Abschiedswunsch an seine Gäste: „Ich hoffe Ihr behaltet den Blauen Adler, der für fast sechs Jahre Garant für gute Livemusik, entspannte DJ-Tanzabende, Feiern aller Art und gutes Essen war, in guter Erinnerung.“

    Ursprünglich eine Notlösung

    Als Otto Keinert Ende 2012 das Projekt Blauer Adler startete, war es „eigentlich eine Notlösung“, wie er damals sagte. Der gebürtige Lohrer, ein gelernter Koch, der später Sozialpädagogik studierte und Großküchen einrichtete, war arbeitslos. Keinert erhob den blauen Adler im ETSV-Vereinswappen zum Kneipen-Namen und schaffte es, fernab der Innenstadt einen beliebten Treff für Musiker und Bands und Veranstaltungen wie den Midlife Club oder andere Disco-Abende zu schaffen.   

    Der ETSV ist völlig überrascht und auf Pächtersuche

    Auch der Verpächter, der Eisenbahn-, Turn- und Sportverein (ETSV) war zufrieden mit seinem Wirt. Dieser habe eine attraktive Gaststätte geschaffen und sei dem Verein gegenüber auch immer sehr loyal gewesen, sagt Gisela Pfannes, ETSV-Vorsitzende und SPD-Stadträtin. „Wir wussten, dass der Otto zum Jahresende aufhören wollte“, sagt Pfannes, doch der plötzliche und eigenmächtige Rückzug an diesem Montag habe den Verein völlig überrascht. Darüber ist Pfannes nicht glücklich. Denn jetzt ist das eingetreten, was man unbedingt vermeiden wollte: Dass der Blaue Adler geschlossen und noch kein neuer Pächter in Sicht ist.                 

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