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    Heidingsfeld

    Der Weltenbaum stirbt langsam

    Durch einen Pilz wird die Esche krank und verfault von innen. Foto: Wilma Wolf

    Die Hitze und Trockenheit im vergangenen Jahr hat viele Bäume im Würzburger Stadtwald leiden lassen. Rund 600 Bäume, etwa ein Drittel mehr als in den Jahren zuvor, mussten jetzt im gesamten Stadtwaldgebiet gefällt werden.

    Vor allem Fichten, Kiefern und Lärchen seien betroffen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg. Bei den Fichten komme ein massiver Befall mit Borkenkäfern dazu, besonders in Bereichen im Steinbachtal. "Dort hat es schöne, starke Fichten, die zum Teil schon über hundert Jahre alt sind, gepackt", erklärt Stadtförster Karl-Georg Schönmüller.

    Und im Reichenberger Grund hat es zahlreiche Eschen erwischt. Die in der nordischen Mythologie als Weltenbaum (Yggdrasil) bezeichnete Art fühlt sich hier entlang des Reichenberger Baches eigentlich sehr wohl, erläutert er vor Ort. Dennoch sind Eschen hier vom Eschentriebsterben betroffen. Deutlich kann man an den gefällten Stämmen erkennen, dass bereits Feuchtigkeit eingedrungen ist.

    Pilz führt zum Absterben der Triebe

    Doch was macht die Eschen so krank, dass sie irgendwann absterben, wenn sie nicht vorher gefällt werden? Es ist das sogenannte falsche weiße Stengelbecherchen, ein Pilz, der 2008 erstmals in Bayern auftrat und inzwischen in ganz Bayern anzutreffen ist, heißt es auf der Internetseite der bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Der Pilz führt zu Welke, vorzeitigem Blattfall, Rindenverfärbungen und schließlich zum Absterben der Triebe.

    Geschädigte Eschenstämme im Reichenberger Grund. Foto: Wilma Wolf

    Aber nicht nur das. "Der Baum ist geschwächt, überall gibt es Pforten, über die andere fäulniserregende Pilze eindringen und das Holz verfaulen lassen", erklärt Schönmüller. In diesem naturnahen Eschenauwald im Reichenberger Grund seien die Verluste der Eschen besonders schmerzlich. "Hier gehen uns die Eschen sukzessive verloren, dagegen kann man gar nichts machen", bedauert Schönmüller, der seit vergangenem Jahr für den Würzburger Stadtwald zuständig ist.

    Aktuell habe man aber nur die Bäume gefällt, bei denen eindeutig zu erkennen war, dass sie krank sind. Das sei nur das Dringlichste, um die Verkehrssicherheit entlang des Radweges zu gewährleisten. Nach dem Blattaustrieb werde man dann weiter nach kranken Eschen schauen. Die würden dann im kommenden Herbst gefällt.

    Eschen sind gute Bäume in Zeiten des Klimawandels 

    Resistenzen gegen den Pilz gibt es nach derzeitiger Forschung nicht, erläutert der Förster: "Wir befürchten, wenn der Pilz mal drin ist, ist der Baum verloren." Das sei sehr bedauerlich, vor allem auch deshalb, weil es im Stadtwald sehr viele Eschen gibt und diese lange Zeit als gute Bäume für den Klimawandel galten.

    Wie die Eschen mit dem Erreger klar kommen, hänge aber auch vom Winter ab. "Der Winter 2017/18 war besonders feucht und nass; gut für die Grundwasserversorgung, aber schlecht für die Eschen, weil der Pilz da besonders gut wachsen kann", erklärt Schönmüller. Da sei es dann eigentlich egal, ob der Sommer heiß und trocken oder eher kühl ist. Nun liegt das Holz entlang des Radweges im Reichenberger Grund. Das gute Holz geht in die Verwertung für Möbel und Parkett, alles andere wird Brennholz und ein großer Teil, vor allem dünnere Äste, bleiben als Totholz liegen.

    Doch etwas Positives gibt es auch hier: Weiter weg vom Bach dominiert die Buche den Baumbestand. Und sie schlägt sich tapfer. "Die Buche ist die Herrscherin des Waldes", sagt der Förster. Auch wenn sie in sehr trockenen Jahren ebenfalls Probleme hat. "Das ist dann die Chance für die extremen Trockenkünstler wie Eiche, Elsbeere und Speierling", meint er.

    Einen Tag lang wurden im Reichenberger Grund Bäume gefällt, nun ist der Radweg wieder frei und befahrbar. Foto: Wilma Wolf

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