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    Würzburg

    Deshalb werden Mobilfunkanlagen in der Altstadt versteckt

    Eine als Kamin verkleidete Mobilfunkanlage auf einem Würzburger Wohnhaus: In der Altstadt gelten besondere Bedingungen für das Aufstellen einer solchen Anlage. Foto: Johannes Kiefer

    Großes Gerät parkt vor dem Haus am Ringpark: Der Kranwagen lässt eine quadratische Verkleidung in Ziegelsteinoptik herab, der neben ihm stehende Steiger hebt eine Arbeitsbühne mit drei Monteuren hinauf. Hier wird kein weiterer Schornstein auf dem Dach montiert, sondern die dort aufgestellte Mobilfunkanlage mit einer Kaminattrappe verkleidet.

    Mobilfunkanlagen sind kaum zu verhindern

    Zahlen, wie viele Mobilfunkanlagen es in Würzburg gibt und wie viele davon getarnt sind, erhebe die Stadtverwaltung nicht, informiert ihr Pressesprecher Christian Weiß. Das Problem: Anlagen bis zu einer Höhe von zehn Metern sind genehmigungsfrei. Kenntnis erlangt die Kommune oft nur dann, wenn es sich um einen kritischen Fall handelt. "Wenn es Probleme mit einem Standort gibt, können wir einen runden Tisch einberufen, um vermittelnd einzuwirken", erklärt Weiß und fügt hinzu: "Verhindern können wir eine Anlage dadurch aber nicht."

    Ohne Handhabe ist die Stadt aber nicht. Mit einer Gestaltungssatzung kann sie zumindest beim Standort mitreden. In Würzburg sind Einschränkungen für die Altstadt, den Heidingsfelder Ortskern und Denkmäler festgelegt. Der vom Ringpark umschlossene Bereich bis zum Main gilt als denkmalgeschütztes Ensemble. Wer dort eine Mobilfunkanlage aufstellen möchte, benötigt dafür eine Genehmigung vom Landesamt für Denkmalpflege. Gleiches gilt für den Betrieb der als gewerblich geltenden Anlage in einem reinen Wohngebiet.

    Monteure verkleiden den Mobilfunkstandort auf dem Dach mit einer Kaminattrappe. Foto: Kilian Moritz, dpa

    Weniger als ein Prozent getarnte Anlagen

    Benedikt Albers, Sprecher der Deutschen Funkturm, eine Tochter der Deutschen Telekom, die rund 29 000 Mobilfunkstandorte, darunter 15 000 auf Dächern, betreibt und vermarktet, geht in Deutschland von "deutlich weniger als einem Prozent" getarnter Mobilfunkanlagen aus. Denn die Betreiber kennen solche Einschränkungen genau. Sie prüfen bereits bei der Planung, ob ein funktechnisch idealer Standort umgesetzt werden kann oder ob die Kosten aufgrund von Auflagen zu hoch sind und alternative Standorte günstiger wären. 

    Als Betreiber ist das Unternehmen verantwortlich für das Verkleiden einer Mobilfunkanlage. "In der Praxis haben wir das aber noch nicht allzu oft gemacht", sagt Albers. Außer an Kirchen oder im denkmalgeschützten Bereich werde das kaum gefordert. Zwar passe sich eine verkleidete Anlage unauffällig an ihre Umgebung an, doch werde ihre Wartung aufwändiger, da sie nicht mehr frei zugänglich sei: "Eine Verkleidung ist auch eine Fehlerquelle." Für den Betreiber sei deshalb ein unverkleideter Standort stets die erste Wahl.

    Albers nennt einen weiteren Grund, warum versteckte Standorte hierzulande die Ausnahme sind: "Eine allgemeine Tarnung, wie sie beispielsweise in den USA weit verbreitet ist, würde unserem Anspruch der Transparenz gegenüber der Bevölkerung widersprechen." Denn Gegner von Mobilfunkanlagen wollen wissen, wo sich eine Emissionsquelle befindet.

    Würzburg von oben: Der vom Ringpark umfasste Bereich gilt als denkmalgeschütztes Ensemble. Foto: Patty Varasano

    Keine Funkanlagen auf Würzburgs Kirchen

    Als günstige Standorte gelten Kirchtürme. Jedoch ist das Bischöfliche Ordinariat dagegen, dort eine Sendeanlagen zu installieren. Christof Gawronski, Umweltbeauftragter des Bistums, bestätigt für die Diözese Würzburg die Gültigkeit dieser Aussage, und wundert sich zugleich über die Anfrage: „In den letzten vier Jahren ist das Thema bei mir nicht aufgetaucht."

    Verkleidet ist die Mobilfunkanlage auf dem Haus am Ringpark. Für das Gebäude war die Anbringung der Kaminattrappe der letzte Akt einer anderthalb Jahre andauernden Generalsanierung. Eigentümer des Hauses ist die Würzburger Bürgerstiftung. Joachim Erhard, einer von drei Vorsitzenden der gemeinnützigen Stiftung, erklärt, dass die Attrappe wegen des denkmalgeschützten Ensembles im Altstadtbereich zur Auflage gemacht worden sei: "Im Rahmen unseres Bauantrags haben wir mit der Stadt besprochen, dass wir diesen Zustand wiederherstellen."

    EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur
    Die EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur (emf3.bundesnetzagentur.de/karte) zeigt alle genehmigten Standorte für Sendeanlagen. Nach einer Suche mittels Adresse, Postleitzahl oder Ort erscheint eine vergrößerte Karte mit den Basisstationen in der Umgebung. Zudem werden Montagehöhe, Hauptstrahlrichtung und Sicherheitsabstände genannt. Der auf der Karte dargestellte Standort kann laut Bundesnetzagentur um bis zu 80 Meter vom tatsächlichen Standort abweichen. Diese Unschärfe sei aus Datenschutzgründen erforderlich.

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