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    WÜRZBURG

    Design aus der Moped-Galerie

    Bernhard Schwanitz träumte seit seiner Jugend davon, selbst ein Motorrad zu designen. Heute hat er bereits drei Maschinen technisch umgebaut und das Äußere neu gestaltet. In seiner Galerie hat er zu seiner Leidenschaft zurückgefunden und arbeitet bereits am vierten Modell.

    Seit seinem zwölften Lebensjahr interessiert sich Bernhard Schwanitz für Motorräder. „Ich habe massenhaft Zeitschriften gelesen und kannte alle Modelle“, erinnert er sich heute. Mit 16 bekam er seinen ersten Motorroller, anhand dessen er sich selbst das Schrauben beibrachte.

    Zwei Jahre später folgte das erste Motorrad, eine BMW 650. Um ein paar Stundenkilometer mehr herauszuholen, baute Schwanitz selbst eine Verkleidung an die Maschine: „Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich mich für Design interessiere – eine Mischung aus Künstlerischem und Technischem!“

    Doch zuerst kam es anders. Nach einer Ausbildung zum Elektriker studierte er Berufsschullehramt für Technik und Englisch. Nach dem Vordiplom entschied Schwanitz sich jedoch für den Studiengang Design mit dem Schwerpunkt Fahrzeugdesign. Schon nach dem zweiten Semester machte er sich zusammen mit einem Freund selbstständig. Bei einem Praktikum hatten sie kaufmännische und praktische Erfahrung gesammelt, sodass sie ein eigenes Designstudio eröffnen konnten.

    20 Jahre lang führten sie gemeinsam diese Firma in München und designten Produkte für Siemens und andere große Firmen. Vor acht Jahren wurde Schwanitz schlagartig bewusst: „Mir fehlte etwas – das Sinnliche. Ich wollte zurück zur Leidenschaft des Designens mit der Hand.“ Kurzerhand verkaufte er seinen Anteil der Firma und zog nach Würzburg.

    Hier angekommen eröffnete er seine „Galerie Bernhard Schwanitz“ in der Katharinengasse 1 neben dem „Wirtshaus Lämmle“, die heute „Moped-Galerie“ heißt. Zu Beginn konzentrierte er sich auf das Kunsthandwerk und gestaltete unter anderem Torsi aus Holz – mit der Motorsäge geformt. Doch dabei blieb es nicht.

    Schwanitz kaufte ein Motorrad und begann dieses umzugestalten. „Ich hatte zu meinem Traum, ein eigenes Motorrad zu designen, zurückgefunden, zu dem, was ich eigentlich wollte“, so der Designer.

    Das erste Projekt war für die private Nutzung. Er kaufte sich ein sogenanntes „custom bike“, ein bereits umgebautes Motorrad mit einem Harley-Davidson-Motor. „Widersprüche ziehen mich magisch an“, sagt Schwanitz, und so beschloss er, aus der Maschine eine Harley mit Rennfahrwerk zu machen. Da er als Designer polarisieren wollte, bekam das Motorrad einen durchsichtigen Tank und eine markante Schnauze.

    Das reptilienähnliche Aussehen und die Gewalt und Schnelligkeit der Maschine verliehen ihr ihren Namen: Alien Raptor. Als das Motorrad tatsächlich vom TÜV zugelassen wurde, fuhr Schwanitz sofort damit nach Italien. Bereits nach zwei Tagen war er vollends mit der Maschine vertraut und konnte die Unmittelbarkeit des Motorradfahrens in vollen Zügen genießen.

    Auf die Ausstellung der „Alien Raptor“ in der Galerie folgten schnell Aufträge. Der Motorradhändler „Harley-Davidson & Buell Würzburg Village“ aus Hettstadt gab bei Schwanitz eine „Harley-Davidson V-Rod“ in Auftrag. Nach Absprache entschied man sich für das Retro-Design der 50er und 60er Jahre. Schwanitz baute die Technik um, sodass die Maschine schlanker wurde. Schwanitz entrundete und reduzierte die Form der Verkleidung. Das Ergebnis ist eine Special Edition im Wert von 39 000 Euro.

    Das „Motorradhaus Ebert“ aus Höchberg stellte Schwanitz eine BMW K 1600 GT. Dieser „Super-Tourer“, geeignet für lange Reisen mit hohem Komfort, sollte in ein so genanntes „naked bike“ („nacktes Motorrad“) verwandelt werden. Hauptmerkmal ist die fehlende Seitenverkleidung, wodurch Motor und Fahrwerk sichtbar werden. Heraus kam die „BMW K 1600 R naked“ für 45 000 Euro.

    Der Designer fertigt alles von Hand. In seiner „Moped-Galerie“ baut Schwanitz die Technik der Motorräder so um, dass ein neues äußeres Erscheinungsbild entsteht. Um Teile auszutauschen und deren Position zu verändern, benötigt er oft einen Monat. Im nächsten Schritt wird aus sogenanntem Clay, eine Art Plastilin, die Verkleidung auf dem abgeklebten Motorrad entworfen. Ist eine Seite perfekt, wird sie mit Hilfe von Laserpunkten gespiegelt. Abgussform sowie Verkleidungsteile stellt Schwanitz selbst unter der Verwendung von Harz und glasfaserverstärktem Kunststoff her. Nur das Lackieren übernimmt eine Firma.

    Vom Entwurf bis zum fertigen Motorrad vergingen meist fünf Monate. Danach hat er die Modelle auf Motorradmessen präsentiert und sie sind jetzt bei den jeweiligen Händlern zu besichtigen. Schwanitz selbst arbeitet bereits an einem neuen Projekt. Einen festen Stil verfolge er jedoch nicht, denn: „Nur wer sich auf Neues einlässt, kann über die eigenen Vorstellungen hinwegkommen.“

    lek

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