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    BÜTTHARD

    Die Altweibermühle dreht sich wieder

    Nach siebenjähriger Pause steht die Altweibermühle wieder bevor. In Vorfreude auf die nichtalltägliche Veranstaltung, die am Faschingssamstag stattfindet, haben Simon Brell und Benedikt Hehn gut lachen. In das Gelächter stimmt auch Christoph Zeuch ein. Er hockt hinter einer Maske versteckt in einem aus einer alten Truhe gefertigten Gefährt.

    Das Trio demonstriert mit seinem Kurzauftritt, was die Büttharder am Faschingssamstag (10.2.) um 14,11 Uhr auf dem Marktplatz erwartet. Wie Christoph (25), der nicht im Trichter der Wundermaschine landen wird, gehören auch Simon (25) und der 27-jährige Benedikt zu den Mitgliedern des Vereins zur Heimatpflege, der das nichtalltägliche Brauchtum am Leben erhält.

    Mit der Arbeit, die mit der Vorbereitung des alle sieben Jahre stattfindenden Großereignisses verbunden ist, sind die drei bestens vertraut. Nachdem sie schon als Kinder das bunte Treiben mitverfolgt haben, gehörten sie bereits im Jahr 2011 zu den „Machern.“ Der Spaß mit der Altweibermühle bedeutet für Benedikt, Christoph und Simon nicht nur den Erhalt eine Tradition, sondern auch die Pflege der dörflichen Gemeinschaft und der Geselligkeit. Wie die Mühle funktioniert, die aus alten Gestalten junge, schöne Frauen macht, das erklären die Drei so: Zunächst wird aus Gerüststangen und Brettern die Mühle auf dem Marktplatz gebaut.

    Auf das mit Bäumen geschmückte und mit Planen und Plakaten behängte Gerät, das einer Dreschmaschine ähnelt, führt eine Treppe hinauf zu dem Trichter. In den werden die „Verjüngungskandidatinnen“ gesteckt.

    Neben dem im Unterbau der Mühle versteckten Auto, das die „Betriebsgeräusche“ erzeugt, finden sich eine Rutsche und auch der Platz für das Gebläse. Aus dessen Rohr werden Konfetti und Styroporkügelchen auf die Besucher abgefeuert.

    Wer flieht, wird gefangen

    Die in die Jahre gekommenen Weiber – bei denen es sich um verkleidete Männer handelt – werden in den kuriosesten Transportfahrzeugen, wie mit der Schubkarre, einer Badewanne oder vergitterten Käfigen zur Mühle gekarrt. Manches Mal ist es für den Müller und seine Knechte gar nicht so leicht, die „Frauen“ auf die Plattform zu bekommen.

    Wenn eine nach der Devise „Ich will so bleiben wie ich bin“, sich gegen die Verjüngungskur zur Wehr setzt und das Weite sucht, bereitet das Wiedereinfangen den Zuschauern zusätzlichen Spaß.

    Das bei der erfolgversprechenden Methode, nur „alte Weiber“ und keine „alten Herrle“ in die Mühle gesteckt werden, das hat in Bütthard nichts mit Frauenfeindlichkeit oder Geringschätzung des weiblichen Geschlechts zu tun. Die Altweibermühle ist, wie die Überlieferungen beweisen, seit den 1930er Jahren eine beliebte Faschingsveranstaltung, bei der Weiblein und Männlein aller Altersklassen miteinander feiern.

    Der Auftakt für die Altweibermühle findet bereits am Freitagnachmittag statt. Um 14 Uhr ziehen einige der Vereinsmitglieder ganz vornehm im Frack – dem sogenannten „Gehst hinnere“ – und Zylinder gekleidet und mit der historischen Ratsschelle ausgerüstet durch das Dorf. Sie rufen die geschätzte Bevölkerung dazu auf, am kommenden Tag die alten Weiber auf den Marktplatz zu bringen.

    Bevor am Samstag die Altweibermühle ihren Betrieb aufnimmt, sorgt ab 13.30 Uhr die Büttharder Musikapelle für Stimmung. Anschließend steigt auf dem Marktplatz eine große Faschingsparty mit zwei DJs aus dem Stuttgarter Raum.

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