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    Die Kunigundenkapelle – Ein Denkmal von Wert

    Die Kunigundenkapelle erhält für die Dachsanierung finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Laut Kuratorin Elisabeth Balk, die den Bescheid überbrachte, beträgt die Förderung 19 000 Euro. Wie Astrid Kramny-Schlegelmilch erläutert, stammt die Hälfte dieser Summe von der Glücksspirale Lotto Bayern.

    Lotto Bayern trägt stets 50 Prozent der Fördermittel die von der 1985 ins Leben gerufenen privaten, gemeinnützigen Stiftung vergeben werden. Die DSD, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, leistet einen bedeutenden Beitrag für die Denkmalpflege in Deutschland.

    Nach den Worten des Vorsitzenden des Freundeskreis Kunigundenkapelle Manfred Deppisch schlagen die Erneuerungsarbeiten mit etwa 270 000 Euro zu Buche. Zur Finanzierung tragen bei: die Kirchengemeinde Buch mit rund 50 000 Euro, der Freundeskreis mit 10 000 Euro, der Bezirk Unterfranken, die Landesstiftung, die Diözese Würzburg sowie das Landesamt für Denkmalpflege. Durch Eigenleistungen sollen 18 000 Euro aufgebracht werden.

    Die Besucherinnen, die sich einfangen ließen von dem Zauber der über dem idyllischen Platz mit dem massiven Jahrhunderte alten Gemäuer auf dem Alten Berg liegt, bekamen von Architekt Felix Tannenberg (Aub) zunächst einen Überblick über die geplanten Arbeiten. Danach wird noch im laufenden Jahr die Konstruktion des Daches erneuert. Anschließend wird das Dach mit den alten Ziegeln wieder eingedeckt. Um leichter und vor allem ungefährlicher als bisher auf den Dachboden zu kommen, wird in dem sechs Meter hohen Kapellenraum eine Holztreppe eingebaut. Für das kommende Jahr ist die Renovierung der Fassade geplant.

    Laut dem Architekten, der mit seinem fundierten Wissen die Geschichte erklärte, ist die Kunigundenkapelle ein spätromanisches Bauwerk. Durch den im 13. Jahrhundert beim Bau verwendeten feinporigen und witterungsbeständigen Sandstein ist der Zierrat unterhalb des Daches noch komplett erhalten. Da die Sockelmauern mit Lehm verfugt sind, hat das Gebäude auch keine Dachrinne. Das ablaufende Wasser sorgt für die Grundfeuchte, durch die das Gemäuer keine Schrumpfungsrisse bekommt. Die halbrunde Apsis gehörte ursprünglich zu einem Wehrturm mit Kirche.

    Während im Inneren der hinter dem Altar versteckten kleinen Kapelle noch Wandfresken von längst vergangenen Zeiten zeugen, erinnert von außen nichts mehr an die einstige Höhe des Turmes, der im 19. Jahrhundert verkürzt worden ist. Oberhalb der Erkerapsis zeigt sich in dem doppelten rundbogigen Schallfenster die Figur der heiligen Kunigunde, deren Blick weit hinaus in den Ochsenfurter Gau geht.

    Im 17. Jahrhundert waren es die Umbauten durch Fürstbischof Julius Echter (1573-1617), durch die der ursprünglich zweigeschossige Bau zerstört wurde. Auf den Umbau weisen die großen Spitzbogenfenster hin. Ebenso wie die Steintafel oberhalb der Eingangstür, die folgende Inschrift trägt: „Bischof Julius hat regiert vierzig Jahr, die Kirch restauriert, das Pfarrhaus baut auch ganz und neu, nach volgen Jahr aus Vaters Treu führt ein die alt Religion die Erkand frei sein Unterthon solchs alles nur zum glücklich Leben der treue Fürst thut Gott ergeben. 1614“ Von den im Jahre 1609 abgeschlossenen Umbauarbeiten zeugt neben der Bank aus dieser Zeit auch die Sakramentsnische. Diese in die Wand eingelassene Vertiefung, die durch eine vergitterte Eisentür einen Riegel und zwei starken Bändern verschlossen wird, trägt die Inschrift: „M 16 H09 ZB“.

    Herzstück der Kapelle ist der farbige dreiteilige Altar. Das reich verzierte Werk aus der Zeit des Rokoko (etwa von 1720 bis 1780) versinnbildlicht die Legende, nach der Kaiserin Kunigunde (um 978-1033) zum Beweis ihrer Treue und Unschuld zu Kaiser Heinrich (973-1024) über glühende Pflugschare gelaufen ist. Im Mittelpunkt des Altars steht das Bild der Heiligen Familie.

    Die Kapelle soll nach der Heiligsprechung der Kaiserin Kunigunde im Jahre 1200 und dem folgenden Kunigundenkult um das Jahr 1230 herum als Wallfahrtkirche und als Gotteshaus für die umliegenden Dörfer Buch, Burgerroth, Niedersteinach und Burg Brauneck erbaut worden sein. Die Sage erzählt, dass die Gemahlin des Kaiser Heinrich II in Bamberg drei Schleier fliegen ließ. An der Stelle, an der die Schleier gefunden würden, sollten Kapellen gebaut werden. Einer der Schleier sei an der großen Linde, die heute noch auf dem Alten Berg steht, hängen geblieben.

    Da aber auch die Bewohner von Buch eine Kapelle als Pfarrkirche haben wollten, schafften sie die zugerichteten Steine in ihren Ort. Nachdem die Steine auf unerklärliche Weise immer wieder auf dem Alten Berg zurückkamen, legte sich ein Bucher Zimmermann zum Schlafen auf den Steinhaufen. Als er sich am Morgen mitsamt den Steinen auf dem Alten Berg wiederfand, ließen die Bucher von ihrem Plan, ein Gotteshaus zu bauen, ab, und bauten die Kapelle auf dem Platz neben der großen Linde.

    Die Kapelle ist umgeben von einem Friedhof, den eine Mauer umschließt. Im Mittelalter wurden die Toten aus Buch, Niedersteinach, Burgerroth und die „niedrigen Leute“ von Schloss Brauneck hier bestattet. Die Bucher, für die es einen beschwerlichen Weg zurückzulegen galt, begruben ihre Verstorbenen bis zum Jahr 1945 auf dem Alten Berg. Die Bucher, die sich Jahrhunderte hinweg um den Erhalt ihrer Kapelle kümmerten, nahmen um 1900 herum noch eine Renovierung in Angriff bevor nach der Auflösung des Friedhofs das Gebäude mehr und mehr an Bedeutung verlor.

    Erstmals 1960 wurde dank der Initiative der damals noch selbstständigen Gemeinde Buch sowie einiger beherzter Bürger und des Landesamt für Denkmalpflege mit der Restaurierung begonnen. Seitdem finden sich immer wieder Bucher, die sich einsetzen für das geschichtsträchtige Gemäuer, das nicht zuletzt durch das vor rund 30 Jahren ins Leben gerufene Kunigundenfest alljährlich am Pfingstmontag als Wallfahrtsort wieder an Bedeutung gewonnen hat.

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