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    WÜRZBURG

    Die Liebe zum Stadtgrün verbindet

    Der scheidende Gartenamtsleiter Dieter Müller (rechts) traf sich mit seinem Nachfolger Helge Grob im Park der Landesgartenschau von 1990. Foto: Thomas Obermeier

    Würzburg schmückt sich als Großstadt mit vergleichsweise sehr viel Grün. Aushängeschild unter den vielen Parkanlagen ist der Ringpark. Auf seinen 34 Hektar stehen 4800 Parkbäume von 220 Arten. Der schwedische Landschaftsarchitekt Jens Person Lindahl hat ihn als Ersatz der Alten Wehranlagen entworfen und vor 130 Jahren vollendet. Diesen einzigartigen Park zu pflegen und für die Zukunft fit zu machen, war eine der Lebensaufgaben von Dieter Müller, der sich nach 40 Jahren jetzt vom städtischen Gartenamt verabschiedet.

    Im Dezember 1977 ist der Mann von der Pegnitz zum Gartenamt der Stadt Würzburg gekommen. „Das war ein Wintermärchen“, sagt er heute. Vor 22 Jahren wurde er Nachfolger von Alfred Büstgens als Leiter des Amtes.

    Nachfolger steht jetzt bereit

    Eigentlich hätte er sich schon vor neun Monaten zur Ruhe setzten wollen, doch hat er seinen Dienst verlängert, weil ein qualifizierter Nachfolger offensichtlich nicht leicht zu finden war. Nun hat der promovierte Landschaftsarchitekt Helge Grob (Jahrgang 1974) Müllers Amt übernommen.

    Beide verbindet neben der Leidenschaft zum gepflegten Grün ihr Studium der Landschaftsarchitektur und Grünplanung in Weihenstephan. Was hat Helge Grob nach Würzburg gelockt? „Der Reiz der Stadt und des Gartenamts“, sagt der Berliner. Verantwortlich ist er hier auch für rund 140 Mitarbeiter. Grob hat sich bereits gut eingearbeitet: täglich von sieben bis meistens 19 Uhr, wie er erzählt.

    Stolz auf den LGS-Park von 1990

    Die Landesgartenschau 2018, bei deren Bewerbung er noch mitgewirkt hat, kann Dieter Müller nun als Privatmann in vollen Zügen genießen. Die Landesgartenschau 1990 hat Müller dagegen maßgeblich begleitet.

    Sie wurde zu einem Riesenerfolg, und das Gelände am Festungsberg ist noch immer ein attraktiver und sehr beliebter Erholungsbereich. „Es ist eines der am besten gepflegten LGS-Gelände. Da fließt viel Herzblut hinein“, sagt Dieter Müller. Nicht umsonst wurden die Preisrichter bei der Bewerbung um die Landesgartenschau 2018 auch durch das Gelände der alten LGS geführt.

    Doch es lief nicht alles immer glatt ab, erinnert sich Müller. An dem Stahlgerüst der Pyramide am Haupteingang des LGS-Geländes sollten sich unterschiedliche Kletterpflanzen ranken, doch ein Unhold hat sie kurz vor der Eröffnung entfernt. „So musste der schnell wachsende Knöterich die Begrünung übernehmen“, sagt Müller.

    Spaß am kreativen Gestalten

    Als Leiter des Gartenamtes hat er mit seinem Team die vielen Gartenanlagen betreut, den See an der Pleichertorstraße saniert, zuletzt das Filetstück Klein-Nizza im Glacis. „Parkräume kreativ zu gestalten und dabei Belange des Naturschutzes zu beachten, das macht mir einfach Spaß“, sagt Müller rückblickend.

    Gleichzeitig wurde der Park digital vermessen und der Baumbestand dendrologisch (baumkundlich) kartiert. Seit einem Jahrzehnt war es Wunsch des Gartenamts, ein Parkentwicklungswerk zu erstellen, einen Leitfaden für das Baudenkmal „Glacis“, in dem Parkstrukturen, Freizeitaktivitäten, Gehölzstrukturen und das Wegenetz geschichtlich betrachtet und eine moderne Weiterentwicklung beschrieben werden kann. Den Auftrag dazu hat Müller 2017 erteilt, sein Nachfolger soll das Projekt im nächsten Jahr fertigstellen.

    Ein Freund des „gewissen Etwas“

    Unter der Verantwortung von Dieter Müller wurden drei Partnerschaftsgärten im Zuge der Landesgartenschau 1990 gestaltet, drei Friedhöfe mit neuen Grabstellen und einer friedhofsgerechten Grüngestaltung in Richtung Parklandschaft erweitert, Spielplätze gebaut oder saniert, das Forschungsprojekt Stadtgrün 2021 ermöglicht, die Bäume im Glacis kartiert und vieles mehr. Aber immer mit dem „gewissen Etwas mehr“. Beim Bau der Spielplätze sorgte zum Beispiel eine Vernetzung mit der Arge Familien dafür, dass sozialpädagogische Aspekte in die Planung mit aufgenommen wurden. „Es ging mir immer darum, Projekte gemeinsam mit denen zu entwickeln, die es dann nutzen – Kinder und Bewohner, die unmittelbar etwas davon haben“, sagt Müller.

    Wichtig war ihm dabei auch, den Naturschutz in die Konzeption mit aufzunehmen. So wurden an manchen Orten tote Bäume nicht einfach abgeholzt, sondern bewusst stehen gelassen, um die Artenvielfalt im Stadtgrün zu stärken. Aus demselben Grund wurde bewusst in Teilen des Ringparks das Gras nicht gemäht – sehr zum Missfallen einiger Anwohner, die sich im Sommer gerne direkt dort gesonnt hätten, wo sich im langen Gras besonders viele Bienen und andere Insekten tummelten.

    Ärger mit Pappeln und Läusen

    Ärger eingehandelt hatte sich Dieter Müller auch in zwei anderen Fällen: An den Mainwiesen ließ er 150 schnell wachsende Hybridpappeln fällen, die wegen des schnellen Astbruchs nicht für einen Park geeignet sind. Der Verschönerungsverein hatte die Anpflanzung mit Bauspenden initiiert. „Da musste man schon einiges aushalten“, erinnert sich Müller. Und was ist für ihn ein idealer Baum? „Der Japanischer Schnurbaum ist ein hervorragender Stadtbaum, malerisch filigran, langlebig und sehr stabil“, sagt Müller, und da stimmt ihm sein Nachfolger absolut zu.

    Ärger brachten Müller auch Läuse auf den Bäumen am Paradeplatz, die zum Ausfall des Weinfestes „Weinparade“ geführt haben. Müller hatte es abgelehnt, gegen die Läuse Gift zu spritzen, „weil ich die Ökologie auf dem Schirm gehabt habe.“ Bei einem Test hatte er Seifenwasser am Nigglweg spritzen lassen, doch da sind mit den Läusen auch die Blätter heruntergefallen, sagt er. Und so hat er am Paradeplatz aufs Spritzen ganz verzichtet.

    „Hungerkünstler“ auf Verkehrsinseln

    Es gab für Müller aber auch viel Dank und Lob. Für sein Staudenkonzept „Silbersommer“ etwa, das er in Würzburg eingeführt hat. Inzwischen sind über 3500 Quadratmeter Beete meist auf Verkehrsinseln an Straßenkreuzungen mit „Hungerkünstlern“ gestaltet, die lange Jahre überdauern. Dafür ist die Stadt bis weit über ihre Grenzen hinaus bekannt, wie Müller stolz erklärt. Eine blühende Mitte Sanderau beim Ehehaltenhaus ist da ein gutes Beispiel. Für die „schöne Wildnis“ gab es viel Lob von den Bürgern.

    Besonders stolz ist der ehemalige Leiter des Gartenamtes auf das jährliche Ringparkfest. Mehrere tausend Bürger genießen jeden Sommer dort die lauschige Atmosphäre unter alten Bäumen. Für viele ist das Ringparkfest, das ohne Eintrittsgelder auskommt, eines der schönsten Würzburger Feste unter freiem Himmel.

    Gestalten wird Müller jetzt auch im Ruhestand weiter, allerdings nur noch im Miniaturformat: Für seine Amphibien und Reptilien baut er in seinem Haus im Giebelstädter Ortsteil Ingolstadt kleine Landschaftsbilder in Terrarien.

    „Parkräume kreativ zu gestalten und dabei Belange des Naturschutzes zu beachten, das macht mir einfach Spaß.“
    Dieter Müller

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