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    Würzburg

    Die fünf wichtigsten Adelshäuser in der Region

    Der Adel hat in ganz Franken seine Spuren hinterlassen. Das Wahrzeichen Würzburgs, die Festung Marienberg, wurde unter Julius Echter von Mespelbrunn wiederaufgebaut und erneuert. Foto: Museum für Franken

    Der Adel hat die Region von jeher stark geprägt – und prägt sie immer noch. Eine "Straße der Residenzen" führt durch Unterfranken, ein "Burgen- und Schlösserwanderweg" lädt zu Spaziergängen durch den Landkreis Haßberge ein. Oft ist es Liebhabern zu verdanken, dass viele der Bauten auch heute noch erhalten sind. Etwa ein Viertel aller Burgen und Schlösser in Franken sind noch in Privatbesitz und von ihren Eigentümern, die meist immer noch dem Adel angehören, bewohnt.

    Doch Adel ist nicht gleich Adel: Innerhalb des Standes wird zwischen Hochadel – erste und zweite Abteilung – und Niederadel (Freiherren oder fränkische Ritterschaft) unterschieden. Dem Hochadel im Heiligen Römischen Reich gehörten Kaiser und Könige sowie geistliche und weltliche Fürsten an. Er nahm Regierungsaufgaben wahr. Zum Niederadel zählte, wer aus anerkannten Adelsfamilien außerhalb des Hochadels kam. Eine Auswahl von adeligen Familien, die in Franken von großer Bedeutung waren und die es immer noch gibt.

    Früher eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter in Südbayern, lebt die Familie Schönborn heute eher zurückgezogen in ihrem Schloss in Wiesentheid im Landkreis Kitzingen.  Foto: Markt Wiesentheid

    Schönborn

    Die Familie der Grafen von Schönborn ist ein bis heute bestehendes Adelsgeschlecht, das aus dem Rheingau und Taunus stammt und viele kirchliche Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches stellte. Die Schönborn, insbesondere ihre Kirchenfürsten, zählen zu den bedeutendsten Bauherren der Barockzeit in Süddeutschland. Viele wichtigen Kirchenämter waren mit Schönborn besetzt. Die Schönbornzeit beginnt mit Johann Philipp von Schönborn, der ab 1642 Fürstbischof von Würzburg war, gefolgt von Fürstbischof Johann Philipp Franz (1673 bis 1724). Die Schönbornzeit endet mit  Friedrich Karl von Schönborn (gestorben 1746), der Fürstbischof in Würzburg und Bamberg war. In ihre Epoche fällt auch der Bau der Würzburger Residenz. Seit 1998 leitet Paul Graf von Schönborn-Wiesentheid das mittelständische Familienunternehmen. Dazu gehören Weingüter im Rheingau und in Franken, landwirtschaftliche Betriebe, Forst- und Teichwirtschaft sowie umfangreicher Grundbesitz. Außerdem steht er der gemeinnützigen Stiftung Schloss Weißenstein in Pommersfelden als Stiftungsverwalter vor. 

    Abtei Amorbach: Seit 1803 residiert das Fürstenhaus zu Leiningen, eines der ältesten Hochadelsgeschlechter Deutschlands, in Amorbach im Odenwald (Lkr. Miltenberg). Foto: Lebensform GmbH Erbach

    Leiningen

    Im hohen Mittelalter waren die Grafen zu Leiningen nach den Pfalzgrafen die mächtigste Herrscherfamilie im südlichen Rheinland-Pfalz. Ihre Wurzeln reichen bis ins 8. Jahrhundert. Die 1779 in den Fürstenstand erhobene Linie gehört damit zu den ältesten Hochadelsgeschlechtern Deutschlands. Das Fürstentum zu Leiningen erstreckte sich ursprünglich linksrheinisch, von Bad Dürkheim bis nach Lothringen und ins Elsass. Unter den Revolutionstruppen Napoleons gingen 1794 Schloss, Theater und Marstall zu Dürkheim in Flammen auf, Fürst Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen musste sein Land verlassen. Die vertriebenen Fürsten erhielten 1803 im Odenwald neben der Abtei in Amorbach (Lkr. Miltenberg) ein ausgedehntes Territorium. Amorbach avancierte zur Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums und zum Wohnsitz der Fürstlichen Familie. Das Haus wird heute von Andreas Fürst zu Leiningen geführt. Die Familie lebt von der Vermietung fürstlicher Räume, Immobilien, Forst und Jagd. 

    Aus dem Hause Löwenstein-Wertheim-Freudenberg in Kreuzwertheim: Sophie, hier mit ihrer Mutter Elisabeth Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg vor der Hochzeit mit Constantin Graf Fugger von Babenhausen. Foto: Thomas Obermeier

    Löwenstein-Wertheim

    Die Löwenstein-Wertheim sind ein bis heute in zwei Linien bestehendes hochadeliges  Geschlecht, das aus einem um 1460 abgespaltenen Seitenzweig der kurpfälzischen Linie des Hauses Wittelsbach entstand. Um die beiden Linien auch künftig zu unterscheiden, wurde der katholischen Linie der Name "Löwenstein-Wertheim-Rosenberg" nach Rosenberg (Baden-Würtemberg) gegeben, der evangelischen Linie "Löwenstein-Wertheim-Freudenberg" nach Freudenberg (Baden-Württemberg) gegeben. Die Rosenberger Linie residiert seit 1720 im Schloss in Kleinheubach (Lkr. Miltenberg), das Kloster Bronnbach verkaufte sie 1986 und erwarb dafür 2002 das Schloss Laudenbach (Lkr. Miltenberg). In Kleinheubach bewohnt die Familie Löwenstein-Wertheim-Rosenberg den rechten Flügel des Schlosses. Der linke Teil wird als Seminarhaus genutzt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Angeschlossen ist das Weingut Fürst Löwenstein mit einer Vinothek. Die Freudenberger Linie ist heute auf Schloss Kreuzwertheim (Lkr. Main-Spessart) ansässig. 1995 veräußerten beide Linien die ruinöse Burg Wertheim an die Stadt.

    Ferdinand Fürst zu Castell-Castell führt seit 2016 das Haus Castell-Castell. Foto: Norbert Hohler

    Castell

    Die Castells sind die älteste Fürstenfamilie in Unterfranken, sie lässt sich bis in das Jahr 1057 zurückverfolgen. Die Familie legte sich immer wieder mit den Würzburger Fürstbischöfen an. 1803 teilte sich die Familie in die Linien Castell-Castell (protestantisch) und Castell-Rüdenhausen (protestantisch und teils katholisch), von der sich 1898 die Nebenlinie Faber-Castell abspaltete. Beide Linie führen gemeinsam die Fürstlich Castell'sche Bank, eine der ältesten Banken in Bayern. Das Fürstlich Castell'sche Domänenamt ist das Weingut der Castell-Castell, Inhaber ist Ferdinand Fürst zu Castell-Castell. Die Geschichte der Castells ist eng mit dem Weinbau in der Region verbunden. Bereits 1266 wurden die Lagen in Castell, Hohnart, Schlossberg und Trautberg urkundlich erwähnt. Die erste Anpflanzung der Silvaner-Reben in Deutschland ist 1659 in der Grafschaft Castell nachgewiesen. Weitere Einnahmequelle: die Fürstlich Castell'sche Forstverwaltung beider Linien mit 5000 Hektar Wald. 

    Das Schloss Mespelbrunn war 1957 Schauplatz der Dreharbeiten zum Film "Das Wirtshaus im Spessart" mit Liselotte Pulver. Es ist immer noch in Privatbesitz von Hedwig Gräfin von Ingelheim und ihrer Tochter Marie Antoinette, genannt Echterin von und zu Mesplebrunn. Foto: Thomas Obermeier

    Echter

    Die Echter waren ein Adelsgeschlecht, das hauptsächlich in Diensten der Grafen von Erbach und der Mainzer Erzbischöfe stand. Berühmtester Vertreter der Linie war Julius Echter (1545–1617), Fürstbischof von Würzburg, Gründer des Juliusspitals und der Universität Würzburg. Maria Ottilia, die letzte Echterin, heiratete 1648 Philipp Ludwig von Ingelheim. Als die Familie Echter im Jahre 1665 ausstarb, durften die beiden Familien, mit kaiserlicher Erlaubnis, ihre Namen und Wappen zusammenfügen und somit die Tradition der Familie Echter weiterführen. Noch heute lautet der Name der Familie "Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn". Familiensitz ist das Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart, das trotz aller Kriegswirren unversehrt blieb und sein malerisches Erscheinungsbild behalten hat. Es befindet sich noch in Privatbesitz. Die Familie bewohnt den Südflügel des Hauses, der Nordflügel wurde seit den 1920er Jahren teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Schloss ist von Karfreitag bis Allerheiligen zu besichtigen.

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