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    Würzburg

    Die unglaubliche Reise eines Bocksbeutels im Nordmeer

    Vier Würzburger auf Hurtigruten-Kreuzfahrt: Wie ihre Bocksbeutel-Flaschenpost im Nordmeer bei Norwegen gefunden wird und warum der Finder bald nach Würzburg kommt.
    Georg Götz, Vorsitzender des Main-Franken-Kreises, hat bei einer Hurtigruten-Fahrt zum Nordkap einen Bockbeutel als Flaschenpost benutzt. Sie wurde gefunden und der Finder hat sich bei Götz mit einem Selfie-Foto gemeldet: Er heißt Richard Varga und paddelt derzeit von den Lofoten in seine Heimat Ungarn. Foto: Richard Varga

    Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Manchmal auch erst hinterher, so wie jetzt Georg Götz, Vorsitzender des Main-Franken-Kreises. Er war nämlich vor gut drei Monaten auf einer Reise mit dem Hurtigruten-Postschiff von Bergen über das Nordkap bis zur russischen Grenze bei Kirkenes und zurück unterwegs. Begleitet wurde er von seiner Frau Theresia sowie Walter Stoy, dem ehemaligen Präsidenten der Handwerkskammer Unterfranken, und dessen Frau Maria. 

    Als Beweis hat der Finder der Bocksbeutel-Flaschenpost die Nachricht fotografiert und das Foto per E-Mail an Georg Götz gesendet. Foto: Richard Varga

    Und wenn man echter Mainfranke ist, hat man auch immer einen Bocksbeutel aus der Heimat im Proviant-Gepäck. Auch die vier Würzburger Reisenden. "Drei Stück waren es, mehr durften wir ja nicht mit an Bord nehmen", sagt Götz. Einer davon wurde, kurz vor dem Ende ihrer Reise, so erzählt Götz am Telefon, zur Flaschenpost umfunktioniert. "Das war der letzte, ein Silvaner vom Bürgerspital. Da habe ich einen Zettel mit einer Nachricht rein, hinten drauf die Adresse von Walter Stoy geschrieben und meine Visitenkarte dazu." Dann ging das gute Stück über Bord.

    "Ich hätte nie gedacht, dass der dort oben gefunden wird."
    Georg Götz, Vorsitzender Main-Franken-Kreis

    "Ich hätte nie gedacht, dass der dort oben gefunden wird", sagt Götz. Aber doch: Denn fast genau auf den Tag drei Monate später landete nämlich vergangene Woche eine E-Mail in seinem Postfach. Der Bocksbeutel war nahe der Lofoten gefunden worden . "Der hat in den drei Monaten rund 1000 Kilometer zurückgelegt", sagt Götz, "das muss am Golfstrom dort oben liegen".

    Jetzt wird es abenteuerlich: Gefunden hat die Flaschenpost ein Abenteurer, Kajakfahrer und Fotograf namens Richard J. Varga, ein gebürtiger Ungar, der seit zwölf Jahren auf der Lofoten-Insel Flakstadøy lebt, hoch im Norden Norwegens. Und er ist auf dem Weg nach Würzburg. 

    Die vier Würzburger im hohen Norden (von links): Maria Stoy, Theresia Götz, Walter Stoy und Georg Götz vor ihrem Hurtigruten-Schiff namens Nordkapp. Foto: Georg Götz

    Denn aufgrund einer Schnapsidee, wie er selbst auf seiner Facebook-Seite schreibt, paddelt der Mann gerade über Meer und Flüsse von den Lofoten nach Ungarn. Seine Mutter habe ihn gebeten, zu ihr nach Ungarn zurückzukommen, und somit habe er genug Zeit, darüber nachzudenken, ob er das wirklich tun und sich wieder in Ungarn niederlassen wolle.

    4600 Kilometer im Ein-Mann-Boot und bis zu 60 Kilometer am Tag

    Insgesamt 4600 Kilometer bei Tagesetappen von bis zu 60 Kilometern legt Varga in seinem Ein-Mann-Kunststoffboot zurück, alles dokumentiert und zu verfolgen auf den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. Dabei führt ihn sein Weg über den Rhein auch in den Main, von wo es über den Rhein-Main-Donau-Kanal in die Donau gehen soll. So zeigt es die Reiseroute auf seiner Facebook-Seite  "Endurance Mission - Paddling Upstream", zu Deutsch "Ausdauermission - Paddeln flussaufwärts". Mit der Reise verbindet er den Spendenaufruf an zwei Kinderhilfsorganisationen in Ungarn und Norwegen.

    In Würzburg wird er einen vollen Bocksbeutel von Georg Götz bekommen

    "Ich habe ihm zurückgeschrieben, wenn er nach Würzburg kommt, soll er sich melden, dann bekommt er statt des leeren Bocksbeutels einen vollen von mir", sagt Georg Götz. Am Donnerstag kam die Antwort. "Meinen Tochter hat ihm auch nochmal auf Englisch geschrieben, da hat er geantwortet, er habe bislang etwa 100 Kilometer zurückgelegt", berichtet Götz. Der Kanute habe die noch vor ihm liegenden Strecke hochgerechnet. "Er meinte, er sei wohl irgendwann im September oder Oktober in Würzburg", weiß Götz.

    Und der Bocksbeutel? Den bringt er nicht mit. Denn den habe er, das hat Varga ebenfalls an Georg Götz geschrieben, samt der Botschaft darin wieder verkorkt und der Strömung übergeben. Es bleibt also spannend.

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