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    Würzburg / Bad Kissingen

    Diebe im Altenheim durch Kameras überführt

    Diebe im Altenheim durch Kameras überführt
    Überwachungskameras filmten die Angeklagten. Foto: dpa

    Eine 72-jährige Rentnerin aus Gelsenkirchen hat mit ihrem Neffen in Würzburg und Bad Kissingen ihnen fremde Senioren in Altenheimen besucht und bestohlen. Nun sind die beiden mehrfach Vorbestraften vom Amtsgericht Würzburg zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Es sei besonders schäbig, so Richter Thomas Behl, "alte Leute erst zu belabern und dann zu beklauen".

    Ein Opfer ist bereits gestorben

    Der 58-jährige Neffe kam aus Augsburg. Wo sich die beiden vor über zwei Jahren zu vorweihnachtlichen Besuchen in Altenheimen getroffen hatten, war nicht zu ermitteln: Beide machten vor Gericht keine Angaben. Anfangs schien es noch so, als hätten die Angeklagten gute Karten: Ihr Opfer aus einem Würzburger Altenwohnheim, eine zur Tatzeit 74-Jährige, ist inzwischen gestorben; ein damals 80-jähriger Mann aus einem Seniorenwohnheim in Bad Kissingen verfügt nur noch über fünf Prozent seiner Sehkraft. Um sagen zu können, ob die beiden bei ihm in der Wohnung waren, müsse man für ihn, so der Zeuge, einen Scheinwerfer auf ihr Gesicht richten.

    Allerdings konnte sich der Mann noch gut an den Tattag erinnern: Er habe um die Mittagszeit das Haus kurz verlassen, da sei eine ihm unbekannte Frau gezielt auf ihn zugegangen und habe gesagt, dass sie ihn besuchen wollte. Auf seine Frage, ob sie von der Caritas sei, sagte sie ja, sie habe ein Geschenk für ihn. Da sei er mit ihr ins Haus gegangen, wollte ihr einen Kaffee anbieten und habe plötzlich festgestellt, dass ihnen ein Mann gefolgt war. "Ein neuer Pfleger", soll die Frau gesagt haben. Er heiße Dieter.

    Überwachungskameras filmten die Angeklagten

    In der Wohnung angekommen, bat die Frau den 80-Jährigen, ihr einen 100-Euro-Schein zu wechseln. Weil der Mann nur zwei Fünfziger im Geldbeutel hatte, verzichtete sie jedoch darauf. Sie benötige kleine Scheine, sagte sie. Daraufhin steckte der Mann seinen Geldbeutel wieder in eine Jacke an der Garderobe und zeigte dem vermeintlichen neuen Pfleger wunschgemäß das zweite Zimmer der Wohnung. Höchstens zwei Minuten sei die Frau allein gewesen, in der Zeit müsse sie ihm an den Geldbeutel gegangen sein, so das Opfer. Danach hatten es die beiden Besucher eilig, angeblich wollten sie noch vor der Mittagspause zur Bank, zum Geldwechseln.

    50 Euro sind dem Mann aus Bad Kissingen gestohlen worden, um die 150 Euro und Schmuck im Wert von etwa 500 Euro der Frau aus Würzburg.  Sowohl Richter Behl als auch Staatsanwalt Tobias Knahn hatten keinen Zweifel, dass die Richtigen auf der Anklagebank saßen: Überwachungskameras aus beiden Seniorenwohnheimen haben zur Tatzeit Tante und Neffe aufgenommen. Ein Schal, den die tatverdächtige Frau auf den Aufnahmen aus Bad Kissingen um den Hals getragen hatte, wurde später bei der Durchsuchung ihrer Wohnung in Gelsenkirchen sichergestellt. Außerdem existieren Aufnahmen aus einer Tankstelle in Würzburg, wo die Angeklagten mit ihrem 74-jährigen Opfer ins Gespräch gekommen waren. Zwei Tage später standen sie vor deren Tür – mit Blumen zur Begrüßung.

    Der entscheidende Hinweis kam aus Augsburg

    Auf die Spur der beiden kamen die Ermittler dank eines bayernweiten Informationsaustauschs zu vergleichbaren Straftaten: Ein Kripo-Beamter in Augsburg hatte auf dem Bildmaterial den Neffen erkannt, von diesem führte über gemeinsame Vorstrafen die Spur zur Tante in Gelsenkirchen.

    Dass beide Angeklagte keine Bewährung erhielten, hat das Gericht so begründet: Diese Chance erhalte nur, wer ein Geständnis ablegt und Reue zeigt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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