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    Ochsenfurt

    Diese Orte im Landkreis laden zum Tag des offenen Denkmals ein

    In direkter Nachbarschaft stehen im Ochsenfurter Stadtteil Erlach die Simultankirche (links) und das Schloss samt Kapelle. Beide Gebäude sind am Tag des offenen Denkmals geöffnet. Foto: Tilo Hemmert

    Am Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag sind Architektur- und Geschichtsliebhaber dazu eingeladen, hinter die Kulissen von historischen Bauten und Stätten zu schauen, die sonst nicht oder nur teilweise öffentlich zugänglich sind. Ziel der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierten Veranstaltung, die jedes Jahr am zweiten Sonntag im September stattfindet, ist es, auf die Bedeutung von Denkmalschutz und -pflege aufmerksam zu machen.

    Revolutionäre Ideen und technische Fortschritte

    Mit dem diesjährigen Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" bezieht man sich auch auf das Bauhaus, eine der bedeutendsten Schulen für Gestaltung, die 2019 ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Neben der klassischen Moderne soll es diesmal beim Tag des offenen Denkmals auch um revolutionäre Ideen und technische Fortschritte gehen, die Modernes und Neues für die jeweilige Zeit mit sich brachten, in der sie aufkamen.

    Im Landkreis Würzburg stehen allen Interessierten an diesem Sonntag insgesamt acht Denkmäler offen. Im Ochsenfurter Stadtteil Erlach können gleich zwei Gebäude besichtigt werden: Eines ist die sonst nur unregelmäßig geöffnete Schlosskapelle, die sich im 1151 erbauten, ehemaligen Wasserschloss befindet.

    Gleich zwei offene Denkmäler in Erlach

    Im 17. Jahrhundert wurde die ehemalige Hauskapelle erst als katholischer Betsaal, später als Kapelle eingerichtet. Von 13 bis 18 Uhr können Besucher sich dort umsehen, um 16 Uhr findet eine Führung mit Tilo Hemmert statt. Bereits um 15 Uhr führt er außerdem durch die in direkter Nachbarschaft gelegene Simultankirche in Erlach.

    Die Kirche, die sonst ebenfalls nur unregelmäßig geöffnet ist, war ursprünglich ein gotischer Saalbau des 14. Jahrhunderts und dient seit 1701 mehreren christlichen Konfessionen. Im 19. Jahrhundert wurde sie neugotisch eingerichtet. 1957 wurde der Innenraum zwar übermalt, aber 30 Jahre später ihr neugotischer Zustand wiederhergestellt. Auch sie kann von 13 bis 18 Uhr besichtigt werden, um 13.30 Uhr findet eine ökumenische Andacht statt.

    Farbenfroh ist der Innenraum der Simultankirche im Ochsenfurter Stadtteil Erlach. Foto: Tilo Hemmert

    Frickenhausen lädt ins Alte Rathaus ein

    In Frickenhausen kann von 10 bis 18 Uhr das Alte Rathaus erkundet werden. Das urkundlich erstmals 1476 erwähnte Gebäude ist einer von vier Saalhöfen in Franken: Im Untergeschoss wurden früher bei schlechtem Wetter die Märkte abgehalten, das Obergeschoss diente als Sitzungssaal. Öffentliche Veranstaltungen fanden in der Diele mit Balkendecke und mächtigem Pfeiler statt.

    Das Alte Rathaus in Frickenhausen ist einer von vier Saalhöfen in Franken. Foto: Theresa Müller

    Moderne Burg-Rekonstruktion in Röttingen

    Das Gebäude, das in Röttingen zu besichtigen ist, hat eine tragische Vorgeschichte: 1971 stürzten Teile des Ostflügels der Burg Brattenstein ein, in der eine Kleiderfabrik untergebracht war. Vier Näherinnen starben, viele wurden verletzt. Bis vor zwei Jahren erinnerte ein hinter einem Bauzaun versteckter Schutthaufen an dieses Unglück. Heute ist der Ostflügel der Burg wieder aufgebaut. Für die moderne Rekonstruktion gab es den "Architekten-Oscar".

    Burg Brattenstein wurde 1230 erstmals erwähnt und gehörte ab 1345 zum Hochstift Würzburg. Am Tag des offenen Denkmals kann von 13 bis 17 Uhr im Ostflügel eine mehr als 400 Jahre alte Hallendecke aus der Zeit Julius Echters bestaunt werden. Die ursprünglichen Wand- und Deckenflächen wurden freigelegt und rekonstruiert.

    Die Rekonstruktion des Ostflügels der Burg Brattenstein mit dem Stadtbalkon (rechts) wurde mit dem Preis des Bundes Deutscher Architekten ausgezeichnet. Foto: Stefan Mayer

    Randersacker und der Weinbau im Wandel der Zeit

    Wer sich auf einen Streifzug in die Vergangenheit begeben möchte, kann dies im Martinshof in Randersacker tun. 1325 wurde die zweigeschossige Anlage über den Resten der alten Kirchenburg aus dem Hochmittelalter erbaut und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert. Ihre heutige Gestalt erhielt die Anlage etwa um 1600. Seit 2010 wird sie behutsam saniert.

    In den stündlich von 10 bis 18 Uhr stattfindenden Führungen geht es nicht nur um den Wandel des Hofs von einer Kirchenburg bis zu seiner Restaurierung, sondern auch um den Weinbau früher und heute. Dafür öffnet der alte Keller und im Hof kann Wein probiert werden.

    Der Martinshof in Randersacker wird seit 2010 behutsam saniert. Foto: Brock

    Wein- und Kulturtreff in Thüngersheim

    Mitten im Altort von Thüngersheim erwartet die Besucher ein Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: die WeinKulturGaden. Das Wort Gaden leitet sich von althochdeutschen "gadam" oder "gadum" ab. So hieß ein Haus, das aus einem einzigen Raum bestand. Von 2012 bis 2015 wurden die Gaden aufwändig restauriert und zum Wein- und Kulturtreffpunkt umgewandelt.

    Sie entstanden um 1429/30 als Teil einer Verteidigungsanlage mit der Kirche im Zentrum. Dort lagerten die wichtigsten Besitztümer der Gemeinde. Die Gaden in der Kirchgasse sind aber nur ein Teil der ursprünglichen Anlage, ältere Teile bestehen nicht mehr. Die Anlage, die in sechs Gaden unterteilt ist, jeder mit einem eigenen Thema, kann von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

    Teile der ehemaligen Kirchenbefestigung in Thüngersheim wurden zu den "WeinKulturGaden". Foto: www.florianhammerich.com

    Neue Ortsmitte in Uettingen

    In Uettingen sind Interessierte eingeladen, sich zwei Projekte zu den Themen "Bauen im Bestand" und "Bauen im Denkmal" anzuschauen. Im gewachsenen Ortskern entstehen auf einer Fläche von etwa zehn Hektar Wohn- und Gewerbeeinheiten sowie ein Seniorenzentrum.

    Besucher können sich von 10.30 bis 15 Uhr in der 1873 eingeweihten Alten Schule umsehen, die über den Stallungen des Rathaushofs errichtet wurde und aus zwei Schulräumen sowie einem Gemeinderaum bestand. Ab 2020 wird das Ensemble saniert und umgestaltet, so soll eine neue Ortsmitte entstehen. Geplant sind auch eine kleine Bücherei und ein Café.

    An der Alten Schule soll in Uettingen eine neue Ortsmitte entstehen. Foto: archicult GmbH

    Als zweites Projekt in Uettingen kann ebenfalls von 10.30 bis 15 Uhr der Gutshof des Schlosses besichtigt werden. Geöffnet sind die ehemaligen Stallungen und Scheunen, die auch ab 2020 zu 24 Wohnungen umgebaut werden. Das 1818 erbaute und von 2014 bis 2016 restaurierte Schloss sowie der Park sind von der Besichtigung ausgeschlossen.

    Die ehemaligen Stallungen im Gutshof vor dem Schloss Uettingen. Foto: archicult GmbH
    Tag des offenen Denkmals
    Der erste bundesweite Tag des offenen Denkmals fand 1993 statt. 2019 geht er in die 26. Runde und hat sich zu einer der bedeutendsten Kulturveranstaltungen für den Erhalt des historischen Kulturerbes entwickelt. 2018 besuchten 3,5 Millionen Menschen bundesweit 8000 historische Bauten, Parks und archäologische Stätten, 800 davon in Bayern.

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