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    Erlabrunn

    Differenzierte Meinungen

    Der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erläuterte den Teilnehmern des Flurgangs die Folgen von Hitzestress für den in höchstem Maß gefährdeten Waldbestand der Gemeinde Erlabrunn. Foto: Herbert Ehehalt

    Mehr als es den Menschen in Erlabrunn lieb sein kann machen sich die Auswirkungen des Klimawandels aktuell im unmittelbaren Lebensumfeld durch die sterbenden Schwarzkiefern bemerkbar. Die offenkundigen Begleiterscheinungen animierten so manchen Erlabrunner zur Teilnahme am jährlichen Flurgang.

    Mit den Grundschülern der dritten Klasse war dabei insbesondere aber auch die nachfolgende Generation vertreten. Wie wichtig der Schwarzkiefernwald für die Gemeinde Erlabrunn ist, zeigen die statistischen Zahlen. Von 65,3 Hektar an Gesamtwaldfläche sind 51,9 Hektar mit Schwarzkiefern bewachsen. Inklusive weiterer 184 Hektar Schwarzkiefern auf Gemarkung der Gemeinde Leinach gilt der Bestand als der größte Schwarzkiefernwald Deutschlands. Allerdings verfügt die Nachbargemeinde über einen Gesamtwaldbestand von 838 Hektar.

    Als mahnende Zeugen aus dem Gleichgewicht gerader Natur und Vegetation sticht derzeit rund um den Volkenberg mit seinem bekannten Käpelle durch braune Schwarzkieferntriebe und gefällte Bäume ins Auge. Die Schwarzkiefern wurden gefällt, nachdem der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker an beide Gemeinden hinsichtlich deren Verkehrssicherungspflicht appellierte.

    Trotz der allgemeinen Sorge um den Wald ist es nicht verwunderlich, wenn die sich in zwei Lager teilt. Experten, wie der zuständige Revierförster, stehen jenen Naturliebhabern gegenüber, die eine Entnahme von Schwarzkiefern entlang öffentlicher Wege zur Verkehrssicherungspflicht als übertriebenen Aktionismus kritisieren. Dazwischen freilich stehen Bürgermeister Thomas Benkert (UBE) mit Stellvertreter Jürgen Ködel (CSU) und den Mitgliedern des Gemeinderates, die letztlich die Verantwortung tragen.

    Allgemeine Übereinstimmung besteht zumindest bezüglich des letztjährigen Sommers als Auslöser. "Extreme Hitze und Trockenstress setzten dem Schwarzkiefernwald zu. Und auf dem seit jeher bekannten Problemstandort ist nur ganz wenig Humus und somit Speichermöglichkeit für Niederschlag vorhanden", erläuterte der Förster gegenüber den Teilnehmern des Flurgangs. Treffend äußerte einer der Grundschüler, im Wald aber auch noch keinen Wasserhahn gesehen zu haben, um gießen zu können.

    Zu allem Übel der Trockenschäden des Vorjahres fehlt nach Aussage des Försters bis jetzt auch die Frühjahrsfeuchtigkeit komplett. Deshalb meint Fricker deprimiert: "Es sieht eher beängstigend schlecht aus." Gleichzeitig hält es Fricker "für sehr wahrscheinlich, dass die gerade durchgeführte Entnahme von absterbenden Bäumen nach dem Sommer ihre Fortsetzung finden muss, wegen weiterer absterbender Bäume."

    "Wegen des fehlenden Niederschlags" befürchtet der Förster, dass weitere Bäume im Herbst in ihrer Standsicherheit gefährdet sind und deshalb zur Sicherheit der Waldbesucher entfernt werden müssen. Seine Befürchtungen untermauerte Fricker mit dem Hinweis auf den täglichen Wasserbedarf eines Baumes von bis zu 200 Litern. Die Verdunstung, der durch die Wurzeln aufgenommene Feuchtigkeit, kann für Laubbäume über die Blätter reguliert werden. Sie werfen dann zum eigenen Schutz Blätter ab" erklärte der Förster. Bei Nadelbäumen sei dies aber nicht möglich.

    Kritisch äußerte sich Gerd Hessenauer während des Flurgangs zu der durchgeführten und bereits  angedeuteten weiteren Maßnahme zur Verkehrssicherungspflicht. "Beim gemeinsamen Schwarzkiefern-Gipfel der Gemeinden Erlabrunn und Leinach bestand noch allgemeine Übereinstimmung dazu, der Natur die Möglichkeit zur Regeneration zu geben. Die gefällten Bäume waren vom Wurzelstock her alle gesund, wie der Harzfluss zeigt. Deshalb behaupte ich, dass kein einziger Baum in diesem Jahr umgefallen wäre. Diese Aktion dient nur dem erklärten Ziel des Waldumbaus", erregte sich Hessenauer.

    Mit dem "Stauchen" eines neuen Feldgeschworenen konnte im Verlauf des Flurgangs zumindest ein überliefertes Ritual erfolgen. Helmut Flach ließ die Prozedur durch Jürgen Ködel und Frank Hausknecht über sich ergehen.

    Beim Flurgang der Gemeinde Erlabrunn wurde entsprechend eines überlieferten Ritulas "Neu-Siebener" Helmut Flach (Mitte) von seinen Kollegen Jürgen Ködel (links) und Frank Hausknecht (rechts) gestaucht. Die Schüler der 3. Klasse und weitere Teilnehmer beobachteten den Brauch. Foto: Herbert Ehehalt

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