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    WÜRZBURG

    Giselas heile Welt: Von Lidl lernen

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    Ob Döner-Konsistenz oder Duftstoff-Deklaration, ob Brandverhütung oder Bananenmarkt – in Deutschland ist fast alles reglementiert, kaum etwas wird dem Zufall überlassen und vieles ist verboten. Das gibt einerseits Sicherheit. Andererseits kann es ziemlich lästig sein. Letzteres ist der Fall, wenn Lidl in der Versbacher Straße einen Supermarkt bauen will.

    Statt dass die Stadt einfach mal ein bisschen Vertrauen hat in ein weltweit agierendes Unternehmen, statt dass sie einfach sagt „macht mal“, will sie mitreden. Egal, ob es um die Größe der Verkaufsfläche geht, um die zu pflanzenden Bäume oder um die Zufahrt – das Bauamt und der Bauausschuss quatschen dem Discounter rein.

    Und nicht nur das. Sie verlangen auch noch, dass Lidl sich die Konkurrenz in die eigene Hütte holt: Einem Metzger und einem Bäcker soll das Unternehmen in seinem Eingangsbereich Asyl gewähren. Weil Lidl bekannt ist für seine Großzügigkeit, schickt man sofort Mitarbeiter los, um Bäcker und Metzger auf Herbergssuche zu finden. Leider, leider bleiben die engagierten Bemühungen erfolglos.

    Glücklicherweise ist der Discounter aber nicht nur großzügig, sondern auch opferbereit. „Wenn niemand mit uns spielen will, spielen wir eben allein und bestücken die Fläche mit eigenen Waren“, bietet Lidl der Stadt an. Aber, wie so oft, ist Undank der Würzburger Lohn: Bockig beharrt der Bauausschuss auf den Vorgaben.

    Wieder begibt sich Lidl auf die Suche – und hat diesmal doch tatsächlich mehr Glück. Ein Bäcker ist zum Einzug bereit, was der Discounter auch sogleich der Stadt meldet. Im Rathaus atmet man auf und signalisiert dem Unternehmen, dass nun alles gut ist. Dass ein Bäcker kein Metzger ist, ist jetzt wurscht. Der Bau ist eh fast fertig. Daran kann auch der Bauausschuss nix mehr ändern, weshalb man ihn kurzerhand außen vor lässt. So kurz vor Weihnachten haben die Damen und Herren Stadträte ja genug zu tun mit Plätzchen backen. Da muss man sie nicht mit solchen Kinkerlitzchen behelligen.

    Nachdem wir nun von Lidl gelernt haben, bleibt zu hoffen, dass sich für das geplante neue Wohnheim oberhalb vom Discounter genügend Mieter finden. Obwohl. Wenn dem nicht so wäre, wäre das auch kein Beinbruch. Dann werden die leeren Appartements halt mit heimatlosen Metzgern gefüllt.

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