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    WÜRZBURG

    Vorwurf: „Lidl will gar keine Metzgerei“

    Metzgermeister Wolfgang Dees wollte im neuen Lidl-Markt in Versbach eine Filliale eröffnen, doch der Discounter wollte k... Foto: Patty Varasano

    In knapp zwei Wochen eröffnet der neue Lidl-Markt in der Versbacher Straße. Und zwar ohne Metzgerei, obwohl deren Einrichtung Voraussetzung für die Genehmigung war. Der Discounter behauptet, er habe keinen Metzger gefunden, der in das Gebäude einziehen will. Metzgermeister Wolfgang Dees widerspricht.

    Wolfgang Dees, Geschäftsführer der gleichnamigen Metzgerei, ist sauer auf Lidl. „Man hat uns zu verstehen gegeben, dass man keine Metzgerei als Untermieter will“, sagt der Metzgermeister im Gespräch mit der Redaktion. Dabei habe sein Unternehmen, das unter anderem Filialen in zwei Rewe-Märkten betreibt, ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Discounter gehabt. „Unser Vertrag mit Rewe in Giebelstadt endet. Deshalb sind wir sehr interessiert an einem neuen Standort.“

    Kritik am Bauamt der Stadt Würzburg

    Bereits im März habe er sich bei Lidl um die Fläche in dem neuen Markt beworben. Und obwohl man dort „kein großes Interesse gezeigt“ habe, habe er nicht aufgegeben. Sogar in der Lidl Vertriebs-GmbH in Eggolsheim in der Fränkischen Schweiz sei er gewesen. Alles umsonst. Immerhin hat Dees die Baupläne von Lidl bekommen. Auf den 130 Quadratmetern Untermietfläche sei „links ein Bäcker und rechts ein Metzger“ eingezeichnet gewesen, sagt er. Bei der Lebensmittelüberwachung habe er erfahren, dass die Einrichtung dieser beiden Läden gar nicht möglich sei. „Es ist keine Anlieferungszone für Fleisch da, es fehlt ein WC und ein Sozialraum.“

    In diesem Zusammenhang kritisiert Dees auch das Bauamt der Stadt Würzburg. Dort müsse doch bekannt sein, dass Fleisch „nicht durch den Haupteingang in eine Metzgerei getragen werden darf“, sagt er. Lidl, so Dees, habe die 130 Quadratmeter Untermietfläche für 54 Euro pro Quadratmeter, insgesamt also rund 7000 Euro, angeboten. Sein Vorschlag sei gewesen, „die ganze Fläche für 3500 Euro monatlich“ anzumieten und dafür zu sorgen „dass die Anforderungen der Lebensmittelüberwachung erfüllt werden.

    “ Außerdem hätte der Metzgermeister „150 000 Euro in die Einrichtung einschließlich Kühlräumen“ investiert.

    Lidl stellte sich beim Mietvertrag quer

    Weil er bereit gewesen sei, so viel Geld in die Hand zu nehmen, habe er einem „langfristigen Mietvertrag“ haben wollen, sagt er. Lidl habe aber „maximal fünf Jahre“ angeboten, was „äußerst unüblich“ sei. Dees Vermutung: „Die wollen keine Untermieter. Und wenn sie welche aufnehmen, sollen die so schnell wie möglich wieder draußen sein“.

    Bei einer Besichtigung der Baustelle an diesem Montag hat Lidl-Immobilienleiter Holger Schellscheidt, mit dem auch Dees verhandelt hatte, gesagt, sein Unternehmen habe trotz großer Bemühungen „keinen Metzger“ als Untermieter finden können (wir berichteten). Im Sommer hatte der Discounter noch behauptet, es sei weder ein Bäcker, noch ein Metzger bereit, die Fläche anzumieten und beantragt, die 130 Quadratmeter als eigene Verkaufsfläche nutzen zu dürfen. Das hatte der Bauausschuss einstimmig abgelehnt. Inzwischen hat die Bauverwaltung, unter Umgehung der Stadträte, Lidl schriftlich zugesagt, den Markt auch ohne Metzger betreiben zu können. Der Discounter kann nun an diesem Standort konkurrenzlos Fleisch und Wurst verkaufen.

    Widersprüchliche Antworten vom Rathaus-Sprecher

    In Versbach und in der Lindleinsmühle gibt es schon lange keine Metzgerei mehr. Schellscheidt war an diesem Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bei der Stadt war man mit den Haushaltsberatungen beschäftigt. Pressesprecher Christian Weiß hatte am Montag auf Anfrage unter anderem mitgeteilt, dass der im Lidl-Markt „vorhandene Platz laut Amt für Verbraucherschutz nicht für jeweils einen Bäcker- und Metzgerladen“ ausreiche. Im Mai hatte sich das noch etwas anders angehört. „Der derzeitige Sachstand ist, dass Lidl einen Bäcker und einen Metzger aufnehmen muss“, erklärte der Rathaussprecher damals. „Es bleibt bei dem Beschluss des Bau- und Ordnungsausschusses“. Man sei aber „im Gespräch mit Lidl“.

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