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    Hettstadt

    Diska-Schließung: Welche Schuld trifft Waldbüttelbrunn?

    Der Neubau eines Lebensmittelmarktes am Werner-Pomikal-Ring im nahen Gewerbegebiet der Gemeinde Waldbüttelbrunn sorgt für Aufregung. Foto: Herbert Ehehalt

    Es war ein Schock für die Bewohner von Hettstadt. Der Diska-Markt in der 4000-Einwohner Gemeinde schließt zum 29. Februar 2020. Grund dafür war laut Geschäftsleitung die Konkurrenz eines Lebensmittelmarkts, der im benachbarten Gewerbegebiet in Waldbüttelbrunn entsteht.

    Nun hat sich der Waldbüttelbrunner Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat Sebastian Hansen in einer Stellungnahme geäußert. Er bezeichnete die Schließung als „eine Folge politischer Entscheidung in Waldbüttelbrunn. Schon bei dem von der Gemeinde Waldbüttelbrunn durchgeführten Bebaungsplanverfahren hat die Gemeinde Hettstadt ihre Bedenken gegen das Supermarktprojekt geäußert. Die Mehrheit des Waldbüttelbrunner Gemeinderates wollte davon aber nichts wissen", schreibt Hansen. Hettstadts Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher bestätigt dies.

    Gemeinderat Hettstadt äußert Bedenken

    "Wie üblich bei derartigen Verfahren, wurden wir als Träger öffentlicher Belange zwar gehört. Dabei wurde von unserer Seite auf die voraussichtlichen Folgen, insbesondere den Abzug von Kaufkraft aus Hettstadt hingewiesen. Die von Hettstadts Gemeinderat geäußerten Bedenken aber wurden vom Gremium in Waldbüttelbrunn nicht registriert", bedauert Rothenbucher noch immer.

    Auf Anfrage der Redaktion betont der zweite Bürgermeister Alois Bärmann (CSU) in einem Telefonat mit der Redaktion: "Waldbüttelbrunn hat mit der Schließung des Diska-Marktes in Hettstadt nichts zu tun. Wir haben mit dem Bebauungsplan "Kiesäcker 4.2" lediglich die Möglichkeit geschaffen zu einer Bebauung. Mehr nicht."

    "Es ist kein Naturgesetz, dass solche Läden verschwinden, sondern die Folge von falschen politischen Entscheidungen"
    Sebastian Hansen, Gemeinderat der Grünen und Bürgermeisterkandidat in Waldbüttelbrunn

    Grünen-Vertreter Hansen sieht dies allerdings grundlegend anders: "Schon damals habe ich befürchtet, dass der neue Supermarkt die fußläufige Nahversorgung in Hettstadt und Waldbüttelbrunn gefährden würde. Das ist nun leider eingetreten. Es ist kein Naturgesetz, dass solche Läden verschwinden, sondern die Folge von falschen politischen Entscheidungen", so Hansen weiter.

    Auch Zell direkt betroffen

    Betroffen vom Neubau in Waldbüttelbrunn ist womöglich auch die benachbarte Gemeinde Zell. "Erst kürzlich hat in Zell die Filiale der Gärtnerei Gammanick ihren Blumenladen geschlossen, womit der Zeller Altort eines seiner letzten Ladengeschäfte verloren hat", so Jessica Hecht, Kreisvorsitzende der Grünen in Würzburg-Land. "Ob und wie sich die bevorstehende Eröffnung des Vollsortimenters in Waldbüttelbrunn" auf seine Filiale "auswirkt", wird auch der Betreiber eines Edeka-Marktes in der neuen Zeller Mitte in der Fahrmannstraße beobachten.

    Jessica Hecht stößt auch eine grundsätzliche Diskussion an: "Statt die Voraussetzungen zu schaffen für die Wiederansiedlung oder den Erhalt kleiner Geschäfte, werden offensichtlich große Einkaufszentren am Ortsrand mit Parkplätzen politisch favorisiert", so Hecht. Dies sei "eine klare Fehlentwicklung angesichts der Notwendigkeit zur Reduzierung des Autoverkehrs" und widerspreche dem allseits bekundeten Interesse an einer Innenentwicklung der Ortschaften.

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