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    Röttingen

    Django Asüls alltagstaugliche Weisheiten

    "Für uns in Niederbayern war Röttingen schon immer der Inbegriff des Mondänen", sagt Django Asül. Jetzt war er selber mal da. Foto: Gerhard Meißner

    Man habe ihn nicht lange bitten müssen, nach Röttingen zu kommen. "Nach Röttingen komme ich, um Urlaub zu machen", sagt Django Asül. Und schon hat er das Publikum im Hof der Burg Brattenstein auf seiner Seite. Im Rahmen der Frankenfestspiele war der Niederbayer mit türkischen Wurzeln zu Gast. Und sorgte dort mit seinem Programm "Letzte Patrone", ganz im Sinne des Veranstalters, für ein nahezu volles Haus.

    Schnell noch ein Ausritt in die Röttinger Stadtgeschichte und der Letzte begreift: Da steht jemand auf der Bühne, der seinen Unterhaltungsauftrag ernst nimmt, der eingehend recherchiert hat, bevor er seinem Publikum gegenüber tritt. Die Verleihung des Stadtrechts im Jahr 1275. Die Zerstörung durch die Schweden im 30-Jährigen Krieg, weshalb Ikea-Möbel bis heute nicht gern gesehen werden. Die Erhebung zur Europastadt 1953, nachdem man endlich erkannt hatte, welchem Kontinent Röttingen angehört. 

    Die Welt aus der Stammtisch-Perspektive

    Dabei sei Europa heute mehr inkontinent als Kontinent, meint Django Asül, und hebt den Blick aus der beengten Weltsicht seines Hengersberger Stammtischs auf das große Weltgeschehen. Sein Migrationshintergrund ist dabei unverkennbar. Sein niederbayerischer, versteht sich. Daraus und aus seinen familiären Wurzeln hat Django Asül ganz eigene  Freiheiten entwickelt, die anderen vielleicht als politische Unkorrektheit ausgelegt würde. "Der Türk' ist an sich ein feiner Kerl, ich war ja selber mal einer", stellt er dabei fest.

    "Der Türk' ist an sich ein feiner Kerl, ich war ja selber mal einer."
    Django Asül, Kabarettist

    Elektromobilität, Klimawandel, EU-Krise - kein Thema ist vor ihm sicher. Den Kohlendioxid-Ausstoß etwa bekämpft Asül mit einem V8-Biturbo, weil man mit über 300 PS die Umwelt sehr viel kürzer belastet als mit einem schwachbrüstigen Dieselfahrzeug. Dass "Granaten-Uschi" jetzt zur EU-Kommissionspräsidentin wird, lässt die Frage aufkommen, ob es Europa überhaupt gibt. Als indirekten Beweis zitiert Asül einen EU-Abgeordneten: "Europa muss es geben, weil die mir dauernd Geld überweisen."

    Apropos Europa. Das sei eine phönizische Königstochter gewesen, die der Göttervater Zeus nach Kreta entführt und dort sexuell bedrängt hat. Phönizien, das ist da, wo heute Syrien und der Libanon liegen. Wenn sich also heute syrische Flüchtlinge nach Europa aufmachen, sei das quasi ein Verwandtschaftsbesuch. 

    Alltagstaugliche Weisheiten

    Dass deshalb immer mehr Menschen hierzulande von diffusen Ängsten ergriffen werden, ist auch seinem Stammtisch in Hengersberg nicht entgangen. Der Verkauf von Schusswaffen und Pfefferspray boomt. Alles Blödsinn, meint Django Asül. "Wenn man von diffusen Ängsten geplagt wird, hilft eine Pistole gar nix, weil man ja gar nicht weiß, wo man hinschießen soll." Eine seiner vielen "alltagstauglichen Weisheiten", die zeigen, wie einfach das Leben doch sein kann. 

    Viel mehr treibt ihn ein anderes Problem um. In der Zeitung hat Django Asül gelesen, dass der Durchschnitts-Deutsche jedes Jahr ein paar Tage älter wird, er jedoch in der gleichen Zeit um ein ganzes Jahr altert. Die Sorge, dass ihm da nicht genügend Zeit bleibt, um der Welt etwas Bleibendes zu hinterlassen, zieht sich als roter Faden durch den Abend. 

    "Wenn man von diffusen Ängsten geplagt wird, hilft eine Pistole gar nix, weil man ja gar nicht weiß, wo man hinschießen soll."
    Django Asül, Kabarettist

    Warum Django Asül sein Programm "Letzte Patrone" getauft hat, erschließt sich nicht wirklich. Allenfalls auf verbale Querschläger musste sich das Publikum gefasst machen. Nach gut zwei  Stunden Programm lässt sich der Kabarettist nicht lange um eine Zugabe bitten, sondern legt freiwillig nach. "Ich schenk mir die sinnlose Hin- und Her-Lauferei."

    Demnächst neues Programm

    Dabei erfahren seine Zuschauer, dass es der letzte Auftritt mit seinem Patronen-Programm war. Man wird auch in Unterfranken nicht lange auf sein neues Programm "Offenes Visier" warten müssen. Am 13. Oktober ist er damit gleich zweimal in der Schweinfurter Disharmonie zu Gast, am 10. Dezember im Würzburger Bockshorn.

    Im Programm der Röttinger Frankenfestspiele geht es weiter mit dem Musical "Hello, Dolly!", der Operette "Der Vetter aus Dingsda" und der Komödie "Glorious!". Nächste Sonderveranstaltung ist das Konzert der Ensemble-Mitglieder am 28. Juli. Am 13. August ist Jan Josef Liefers, alias Tatort-Pathologe Prof. Börne, mit seiner Band "Radio Doria" auf der Burg Brattenstein zu Gast.

    Karten im Festspielbüro, Rathaus Röttingen, Tel. (09338) 9728-55, www.frankenfestspiele.de. 

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