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    Würzburg

    Dokumentarfilm über jüdische Landsynagogen

    Die Gedenkstätte in der ehemaligen Synagoge in Gaukönigshofen wurde 1988 eröffnet.  Foto: Landkreis Würzburg / Stefan Bausewein

    Im Jahr 1985 war Unterfranken noch ein "Land des Vergessens": Weder restaurierte Synagogen noch Gedenkorte erinnerten daran, dass hier einmal rund 10 000 Juden in über 100 Kultusgemeinden gelebt hatten. Doch 1985 war auch das Jahr, in dem die systematische Erinnerung einsetzte – auch im Landkreis Würzburg.

    "Im Land des Vergessens" heißt der 45-minütige Dokumentarfilm des Bayerischen Fernsehens von 1985 über den erbärmlichen Zustand dreier unterfränkischer Landsynagogen. Im Begleitprogramm zur Ausstellung "Sieben Kisten mit jüdischem Material – Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute" des Museums für Franken auf der Festung in Würzburg läuft die Doku demnächst zweimal im Central-Kino im Bürgerbräu in der Frankfurter Straße: am Montag, 23. September, um 18.30 Uhr und am Montag, 30. September, um 18 Uhr.

    1985 begannen Überlegungen, die ehemalige Synagoge in Gaukönigshofen und das Gemeindehaus, die als Lagerhaus und Wohnung benutzt wurden, einer würdigeren Verwendung zuzuführen. 1987 beschloss der Kreistag die Instandsetzung und die Schaffung einer Gedenkstätte für die im Dritten Reich ermordeten Juden des Landkreises. Das Gotteshaus wurde möglichst originalgetreu renoviert. Am 16. Oktober 1988 fand die Eröffnung statt.

    Gedenkstätte in Gaukönigshofen war eine Pioniertat 

    Zu sehen sind in dem Film die im November 1939 geschändeten und 1985 noch dahindämmernden Synagogen in Urspringen und Laudenbach (beide im Landkreis Main-Spessart) sowie Memmelsdorf (Landkreis Haßberge). Der Historiker und damalige Main-Post-Redakteur Roland Flade erläutert in der Doku, wie stark das jüdische Leben in Würzburg von den Landgemeinden geprägt wurde. Flade wird auch an beiden Abenden bei der Vorführung im Central dabei sein und in Wort und Bild über die Erinnerungskultur in Unterfranken und besonders im Landkreis Würzburg nach 1985 berichten.

    Die Gedenkstätte in Gaukönigshofen war 1988 eine überregional beachtete Pioniertat. Drei Jahre später wurde das wiederhergestellte ehemalige jüdische Gotteshaus in Urspringen eröffnet. 1994 folgte die in den Originalzustand zurückversetzte Synagoge in Veitshöchheim, während die Synagoge in Memmelsdorf, an der die Spuren der Zerstörung und der Nutzung nach 1938 ganz bewusst noch zu sehen sind, im Jahr 2004 ihrer Bestimmung übergeben wurde.

    In Laudenbach setzt sich seit einiger Zeit eine Initiative dafür ein, dass auch diese Synagoge als Zeichen des einst reichen jüdischen Lebens in Unterfranken erhalten bleibt.

    Kartenreservierung: Tickets für 3,50 Euro telefonisch unter 0931/78011057 oder auf www.central-bb.de

    Die Synagoge in Veitshöchheim wurde in den früheren Zustand zurückversetzt und 1994 eingeweiht.  Foto: Gemeinde Veitshöchheim

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