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    HOLZKIRCHEN

    Doris Zölls ist Pfarrerin und Zen-Meisterin

    Doris Zölls Foto: Daniel Peter

    Doris Zölls hat ein gewinnendes Lächeln. Man kann sich gut vorstellen, wie sie eine Predigt hält, Abendmahl feiert oder mit Konfirmanden auf einer Freizeit unterwegs ist. Aber alles das macht Zölls schon lange nicht mehr, obwohl sie nach wie vor Pfarrerin der bayerischen Landeskirche ist. Die 64-Jährige ist vom Dienst beurlaubt, „im kirchlichen Interesse“, wie es im Kirchenamtsdeutsch heißt. Sie ist seit 2007 spirituelle Leiterin des Benediktushofes in Holzkirchen bei Würzburg – dem 2003 vom Benediktinermönch Willigis Jäger gegründeten „Zentrum für Meditation und Achtsamkeit“, das jetzt sein 15-jähriges Bestehen feiert.

    Dass Zölls einmal Zen-Meisterin werden sollte, daran war nach ihrem ersten Meditations-Erlebnis nichts zu erahnen. „Ich war nicht unzufrieden als Pfarrerin in der Gemeinde – aber mit Job und drei kleinen Kindern war ich oft angespannt“, erinnert sie sich. Ihr Mann schlug ihr deshalb einen Meditationskurs vor. Den nahm sie im Haus Benedikt, einem inzwischen aufgegebenen Standort der Benediktiner Münsterschwarzach mitten in Würzburg. „Da kam viel hoch, was ich mir im Alltag so nicht angeschaut und unter den Teppich gekehrt habe“, erzählt sie. Danach war ihr klar: „Das mache ich nie wieder!“ Zu deutlich habe sie ihre Fehler gesehen.

    Ihrem Mann zuliebe macht Doris Zölls etwas später noch einmal mit ihm einen Meditationskurs. „Ich habe mich so stark konzentriert, damit diese Bilder vom ersten Mal nicht wiederkommen“, erinnert sich die beurlaubte Pfarrerin: „Diese starke Konzentration war ein so tiefes Erlebnis, das ich bis dahin noch nie hatte. Hier wollte ich weitergehen.“ Sie belegt Kurse, bildet sich weiter, wird Schülerin von Willigis Jäger und schließlich selbst zur Zen-Meisterin. Trotzdem: Zölls sagt, sie ist von ihrer „ganzen Sozialisation her“ Christin.

    Dieses Spannungsfeld zwischen Christentum und Zen-Meditation wurden ihrem Meister Willigis Jäger einst zum Verhängnis. Er wurde von der Glaubenskongregation des Vatikans unter dem früheren Kardinal Joseph Ratzinger mit einem Rede-, Schreib- und Auftrittsverbot belegt. Und sie selbst musste sich die ersten Jahre am Benediktushof aus „persönlichen Gründen“ vom Pfarrdienst beurlauben lassen. Zu groß war damals wohl die Sorge seitens der Landeskirche nach ökumenischen Verwerfungen, wenn man einem in Ungnade gefallenen katholischen Benediktinermönch eine Pfarrerin der bayerischen Landeskirche offiziell zur Seite stellt.

    Mittlerweile hat sich das Verhältnis zur katholischen Kirche wieder sehr entspannt, sagt Zölls. Am Festakt anlässlich des 15-jährigen Bestehens spricht Willigis Jägers Benediktiner-Kollege Pater Anselm Grün.

    Mit einem Festsymposium vom 22. bis 24. Juni feiert der Benediktushof sein 15-jähriges Bestehen. Anselm Grün spricht am Samstag, 23. Juni, über „Die Rolle der Spiritualität in unserer Gesellschaft“ am Samstag (23. Juni). Weitere Informationen im Internet unter www.benediktushof-holzkirchen.de

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