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    Drei Gewinner und drei Verlierer der Europawahl

    Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

    Die Gewinner

    Die Demokratie: Die Wahlbeteiligung ist erstmals seit der Einführung der Direktwahl des EU-Parlaments 1979 (62 Prozent) wieder gestiegen. Ein Sprecher des Europaparlaments sprach am Wahlabend von 51 Prozent. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur letzten Wahl 2014 (42,6 Prozent). Der Trend bestätigt den Eindruck, den man schon während des Wahlkampfs hatte: Immer mehr Europäer interessieren sich für die EU. Insgesamt waren über 400 Millionen Menschen wahlberechtigt.

    • Die Entwicklung der Wahlbeteiligung in Deutschland bei der Europawahl finden Sie hier.

    Die Grünen: Hochrechnungen am Wahlabend sahen die Grünen in Deutschland bei über 20 Prozent. Damit hat die Partei ihr Ergebnis der Europawahl 2014 fast verdoppelt. Was die Grünen für die Zukunft optimistisch stimmen dürfte, ist die Verteilung der Stimmanteile nach Altersgruppen. So kommen die Grünen laut infratest dimap bei den 18- bis 24-Jährigen auf 35 Prozent (ein Plus von 17 Prozentpunkten) und bei den 25- bis 34-Jährigen auf 26 Prozent (plus zehn Prozentpunkte). Und das hat einen Grund: 90 Prozent ihrer Wähler gaben an, die Grünen seien eine Partei, die sich um Belange zukünftiger Generationen kümmert. Der Klimaschutz ist dabei ein Thema.

    Die kleinen Parteien: Da es bei der Europawahl keine Prozenthürde gibt, reicht schon ein Ergebnis von unter einem Prozent für einen Sitz in Straßburg und Brüssel. So schaffte etwa bei der letzten Wahl die ÖDP mit 0,6 Prozent noch den Sprung ins Parlament. Ein wenig überraschend war es dann aber doch, dass erste Hochrechnungen gleich mehreren Kleinparteien Mandate prophezeiten: Demnach errangen die ÖDP, die Tierschutzpartei, die Familienpartei, die Piraten und Volt jeweils einen Sitz. Die Freien Wähler würden zwei Abgeordnete entsenden. Und die Satirepartei "Die Partei" käme sogar auf drei Sitze.

    Martin Sonneborn war bislang der einzige Abgeordnete seiner Partei "Die Partei". Nun bekommt er Unterstützung. Foto: Dita Vollmond

    Die Verlierer

    Unterfranken: ...zumindest vorläufig. Mit Kerstin Westphal (SPD) schaffte die bisher einzige Abgeordnete aus der Region nicht den Wiedereinzug ins Europaparlament. Ob mit Christian Staat (CSU) wieder ein Unterfranke in Brüssel und Straßburg sitzt, hängt – Stand Sonntagabend, 21 Uhr – davon ab, ob Manfred Weber (CSU) Kommissionspräsident wird und Staat als Nachrücker für Weber ein Mandat erhält.

    Christian Staat hat noch eine Restchance auf den Einzug ins Europaparlament. Foto: Matthias Demel

    Die SPD und Andrea Nahles: Mit 15,5 Prozent fällt die SPD bei der Europawahl um knapp zwölf Prozent. Dass ein schlechtes Abschneiden der SPD wohl nicht ohne Folgen bleiben würde, deutete sich schon vor der Wahl an: Gerüchte, wonach Martin Schulz Andrea Nahles zumindest als Fraktionsvorsitzende stürzen könnte, machten die Runde. Noch am Wahlabend forderte Ex-SPD-Chef und Schulz-Freund Sigmar Gabriel Konsequenzen: "In Berlin müssen jetzt diejenigen Verantwortung übernehmen, die den heutigen personellen und politischen Zustand in der SPD bewusst herbeigeführt haben", wird er zitiert. Alles und alle gehörten auf den Prüfstand. "Es geht um mehr als eine Wahlniederlage, es geht jetzt um die Existenz der SPD als politische Kraft in Deutschland."

    Andrea Nahles und Martin Schulz Foto: Kay Nietfeld, dpa

    Die Volksparteien: In ganz Europa gingen Christdemokraten und Sozialdemokraten baden. Mal mehr, mal weniger. Insgesamt verlieren sie im Europaparlament mit seinen insgesamt 751 Sitzen aber deutlich: Nach vorläufigen Zahlen vom Wahlabend kommt die christdemokratische EVP nur noch auf 174 Sitze (43 weniger), die Sozialdemokraten auf 147 (39 weniger). Die gemeinsame Mehrheit ist damit weg.

    Die Sitzverteilung im Europaparlament wird sich zu Ungunsten der großen Parteien verschieben. Foto: Laurent Dubrule, dpa

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