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    Ochsenfurt

    Drei Kommunen, ein Archivar: Wie die Zusammenarbeit klappt

    Zu den Schätzen im Ochsenfurter Stadtarchiv gehört die Ganz'hornsche Bibliothek des aus Ochsenfurt stammenden Scholaster Hieronymus Ganzhorn aus dem 16. Jahrhundert. Von den einst 400 Bänden sind etwa 80 erhalten. Archivar Georg Menig zeigt einen dieser Bände. Foto: Antj Roscoe

    17 Ortschaften, drei Kommunen, ein Archivar: Ochsenfurt, Röttingen und Gaukönigshofen haben sich zusammen getan, um den Historiker Georg Menig mit einer vollen Stelle beschäftigen und finanzieren zu können. "Es sind nicht nur verschrobene alte Kerle, die in so einem Archiv ein und ausgehen", warnt Altbürgermeister Peter Wesselowsky, der zehn Jahre lang das Archiv der Stadt Ochsenfurt ehrenamtlich geführt hat. Seit Februar bereits nimmt der 32-jährige Menig die Umzugskartons aus der Kellereistraße im neuen Archiv entgegen. 60 Prozent des Umzugs in die umgebaute und sanierte Zehntscheune von 1525 seien geschafft.

    Wesselowsky bleibt weiter Repräsentant

    Seit eineinhalb Jahren schon zieht sich die Umquartierung. Das meiste ist neu zu sortieren, registrieren und in säurefrei hergestellten Kartons zu verstauen. Denn: "Was nicht registriert ist, ist nicht vorhanden", zitiert Menig diesen Grundsatz des Archivwesens. Derweil hat sich Arbeitsteilung eingespielt: Während sich der Magister (M.A.) Menig als Fachkraft um die korrekte Registrierung und Unterbringung des Archivguts kümmert, bleibt Wesselowsky weiter als Repräsentant und Bindeglied zur Bevölkerung aktiv, stellt Bürgermeister Peter Juks das Konzept vor. Zu wertvoll und groß seien seine Kenntnisse lokaler und familiärer Historie, als dass man freiwillig auf seine Mitarbeit verzichten wollen würde.

    Die Verkaufsurkunde eines Gülchsheimer Hofes an St. Andreas in Ochsenfurt von 1594 mit Siegel im Holzschutz wird im Stadtarchiv Ochsenfurt aufbewahrt. Foto: Antj Roscoe

    Drei Arbeitsplätze in der Woche

    Für Menig indes, wurde eine Zweckvereinbarung geschlossen. Sie gilt den Beteiligten als Paradebeispiel einer funktionierenden Allianz. 19,5 Stunden arbeitet Menig in Ochsenfurt, 14,5 Stunden montags und freitags in Röttingen und fünf Stunden in Gaukönigshofen. Die Antwort auf den Förderantrag stehe noch aus, so Juks. Nichtsdestotrotz sind alle drei Bürgermeister froh, dass sie gemeinsam Menig eine Vollzeitstelle anbieten und ihn somit halten können. Der Historiker und Volkskundler war bereits seit 2010 neben dem Studium in Gaukönigshofen tätig und im vierten Jahr jetzt auch in Röttingen, wo das Material zu den Ortsteilen Aufstetten und Strüth bereits weitgehend aufgearbeitet ist. "Die Verantwortung vor der Heimatgeschichte macht es sinnvoll, auch Geld auszugeben", so Umscheid. Im Stadtrat sei das zum Glück keine Frage gewesen.

    Drei Archive, ein Archivpfleger. Interkommunale Zusammenarbeit zwischen Röttingen, Gaukönigshofen und Ochsenfurt, von links: Martin Umscheid, Bernhard Rhein, Peter Wesselowsky, Georg Menig und Peter Juks Foto: Antj Roscoe

    Bürgermeister Bernhard Rhein nennt es eine Win-Win-Situation, nachdem jeder wichtige Archive hat, die sortiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssten. "Es sind immer mehr interessiert", stellt er fest. Wesselowsky zählt die Ahnenforschung gar zu den Süchten. Und Röttingens Bürgermeister Martin Umscheid, der die eigene Familiengeschichte kürzlich bis ins 16. Jahrhundert zurück verfolgt hat, war selbst ganz fasziniert, dass es bereits Bürgermeister in der Familie gab.

    "Die Verantwortung vor der Heimatgeschichte macht es sinnvoll, auch Geld auszugeben."
    Röttingens Bürgermeister Martin Umscheid

    Erhalten und erlebbar machen, auch als Lernort für die Schulen, das ist den Bürgermeistern wichtig. Die Digitalisierung, die ebenfalls ansteht, wird das erleichtern und einen viel breiteren Suchraum durch die dann vernetzten Archive bieten können. Immerhin deckt der Archivar Menig den halben Ochsenfurter Gau ab und bringt das historisch wertvolle Material auf den Standard des bayerischen Aktenplans. Dass er in Wolkshausen aufgewachsen ist, sehen die Bürgermeister als Vorteil. Menig, der in Aub wohnt, ist glücklich, dass er seine Leidenschaft für Geschichte mit der Fortbildung im Archivwesen voll verknüpfen kann. Unter anderem mit dem Stadtmarketing und dem Tourismusmanagement sei er gut verzahnt, sagt er. Bildansichten und inhaltliche Recherchen sind gefragt – für das Jubiläum 500 Jahre Bogenbrücke zum Beispiel.

    Wesselowsky wiederum hat auch ein wachsendes Interesse bei Bauherren ausgemacht, die alte Häuser übernehmen und für die Sanierung recherchieren. Aktuelle Projekt wie den Bau der Mainbrücke legt Menig, wie er sagt, sofort ordentlich ab, damit sie gar nicht erst in einem Keller landen, wie im Neuen Rathaus, wo laut Juks auch noch "Jahrzehnte" an Akten liegen, die vor der Sanierung ausgeräumt und aufgearbeitet werden müssen. Ein Mitarbeiter für das Scannen wäre schon sehr hilfreich, sagt Menig auf Nachfrage. Irgendwann wolle er auch gerne wieder wissenschaftlich Arbeiten.

    Über das Archiv
    Das Stadtarchiv in Ochsenfurt wird offiziell am 21. September eröffnet. De facto läuft der Publikumsbetrieb aber bereits, weil es jede Woche Anfragen und Besucher gibt. Georg Menig ist wie folgt im neuen Stadtarchiv Ochsenfurt, Hauptstraße 39a, präsent: Dienstag 9 bis 18 Uhr, Mittwoch, 9 bis 11 Uhr und Donnerstag 9 bis16 Uhr. Kontakt: archiv@stadt-ochsenfurt.de

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