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    Bergtheim

    Düngeverordnung treibt Unterfrankens Bauern auf die Barrikaden

    Bauernaufstand: Am Morgen protestierten sie beim Fachgespräch in Bergtheim gegen Vorgaben aus Berlin, am Nachmittag protestierten sie öffentlich auf ihren Schleppern.
    Um die 100 Landwirte fuhren am Mittwoch auf der B19 zwischen Unterpleichfeld und Bergtheim Kolonne. Sie protestierten gegen die aktuelle Landwirtschaftspolitik. Foto: Daniel Peter

    "Wir Landwirte sind die Deppen der Nation", sagte der eine. "Wir werden geopfert", rief ein zweiter. Diese Aussprüche unterfränkischer Bauern lassen erahnen, wie aufgeheizt die Stimmung war am Mittwoch beim "Fachgespräch Landwirtschaft" in Bergtheim (Lkr. Würzburg). Die unterfränkischen CSU-Landespolitiker Manfred Ländner, Abgeordneter für Würzburg-Land, und Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Abgeordneter für Schweinfurt, hatten gemeinsam mit dem CSU-Vize-Ausschussvorsitzenden für Landwirtschaft, Martin Schöffel, zu der Veranstaltung geladen und nach eigenen Angaben mit "rund fünfzig Leuten" gerechnet. Angereist kamen aber, teils auf ihren Schleppern, rund 400 aufgebrachte Bauern aus ganz Unterfranken.

    Um die 400 Landwirte tauschen sich am Mittwoch in der Willi-Sauer-Halle in Bergtheim über die Zukunft der Landwirtschaft aus. Foto: Daniel Peter

    Streit um die Düngeverordnung

    Was die Landwirte besonders auf die Barrikaden bringt, ist die seit 2017 bundesweit geltende Düngeverordnung, die 2020 nochmals verschärft werden soll. Erklärtes Ziel der Verordnung ist es, die Nitratbelastung des Grundwassers zu senken; dies soll nach Vorstellung von Bundespolitikern dadurch geschehen, dass je nach Grundwasserqualität Düngezeiten begrenzt, Düngesubstanzen genauestens vorgegeben und die Lagerung von Düngemitteln zeitlich eingeschränkt wird. In weiten Teilen Unterfrankens gilt das Grundwasser als hoch nitratbelastet. Entsprechend rigide sind die Düngevorgaben, deren Einhaltung sich nach Aussage der Bauern ertragsmindernd auswirken würde. Als zeitraubend und belastend empfinden Landwirte auch damit verbundene Dokumentationspflichten.

    Zweifel an der Aussagekraft der Nitrat-Messungen der Wasserwirtschaftämter äußerte Rinderhalter Claus Hochrein aus Eisenheim.  Foto: Daniel Peter

    "Die Frage ist doch, wo die ganzen roten Brunnen herkommen", rief unter lebhaftem Applaus seiner Kollegen der Rinderhalter Claus Hochrein aus Eisenheim; er meinte mit "roten Brunnen" Messstationen mit exorbitant hohen Nitratwerten. "Wenn ich dann feststelle, dass an einem Brunnen gemessen wurde, der nichts anderes ist als eine Jauchegrube, dessen Messwert aber gelten soll für einen Umkreis von 15, 20 Kilometern, dann kommt in mir die Wut hoch", sagte Hochrein.

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    Er war nicht der einzige Gesprächsteilnehmer, der Zweifel an der Aussagekraft der Nitratmessungen der Wasserwirtschaftsämter äußerte. "Es heißt, dass andere EU-Länder Durchschnitts-Nitratwerte gemeldet hätten, Deutschland hingegen seine 700 schlechtesten Brunnen hat messen lassen, weshalb Deutschland jetzt als Land mit extrem hoher Nitratbelastung gilt", sagte auch CSU-Politiker Ländner. 

    Bauernverband: Zahl der Messstationen erhöhen

    Dringend forderte der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Bauernverbands, Stefan Köhler, die Zahl der Messstationen zu erhöhen und, unter Einbeziehung der Behörden, die Gültigkeit und Aussagekraft der Messungen zu überprüfen. Unter dem Applaus seiner Kollegen rief er die unterfränkischen Politiker weiter dazu auf, dafür zu sorgen, dass die Maßgaben aus Berlin wenigstens stimmig seien. Teilweise bekomme man aus dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium unterschiedliche Vorgaben, so Köhler.

    Innenstaatssekretär Gerhard Eck in Aktion. Foto: Daniel Peter

    Sie müssten ausbaden, was "da oben" beschlossen werde, klagten die Landwirte– und sie bezogen sich nicht nur auf die Düngeverordnung. Beispiel Insektenschutz: "Ich soll jetzt einen fünf Meter breiten Grünlandstreifen an Gewässern schaffen, kann deshalb weniger anbauen. Wer bezahlt mir das? Niemand!", rief ein Landwirt. 

    Am Rande der Veranstaltung sagten zahlreiche Landwirte aus ganz Unterfranken, dass sie bei den derzeitigen Vorgaben aus der Politik ihren Kindern dringend davon abrieten, landwirtschaftliche Betriebe weiterzuführen. "Davon kann man nicht mehr leben", hieß es. 

    Öffentlicher Protest der Bauern
    "Redet mit uns, nicht über uns!" oder auch "Rettet die Bauern!", stand auf Transparenten, die unterfränkische Landwirte an ihren Schleppern befestigt hatten. Den späten Mittwochnachmittag nutzten zahlreiche Bauern zum Protest auf der Straße gegen die aktuelle Politik. Unter anderem demonstrierten Bauern in Volkach, Münsterschwarzach (Lkr. Kitzingen), Unterpleichfeld, Bergtheim, Goßmannsdorf (Lkr. Würzburg), Unterspiesheim und Alitzheim (Lkr. Schweinfurt). 

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