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    Würzburg

    Durst? Mineralwasser kontra Leitungswasser

    Archivbild: Ein Wassertropfen fällt in eine blaue Wasserschüssel.  Foto: Foto. Jens Büttner, dpa

    Wussten Sie, dass einem Menschen, der nur Leitungswasser trinkt, sich aber ausgewogen ernährt, keine Mineralstoffe fehlen? Oder dass - ohne Abkochen - weder natürliches Mineral­wasser noch Leitungs­wasser steril sind? Oder dass Säuglinge am besten Leitungswasser oder - aufgrund der natürlichen radioaktiven Stoffe vieler Mineralwässer - ein Mineralwasser trinken sollten, das für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist? Wussten Sie, dass man Leitungswasser - wenn es vier Stunden und länger in der Leitung steht - am besten kurz laufen lässt, bis das Wasser frisch und kühl herausläuft und dass Filter gar die Ausbreitung von Keimen fördern? Leitungswasser oder Mineralwasser: Was ist besser? Ein objektiver Vergleich auf eine höchst emotionale Frage.

    Archivbild: Der staatlich geprüfte Wassermeister Jürgen Schrott nimmt mit Hilfe einer sterilen Flasche eine Trinkwasserprobe in einer begehbaren Quelle in Lohr am Main (Lkr. Main-Spessart). Foto: Thomas Obermeier

    Natürliches Mineralwasser

    Woher kommt es?

    Mineralwasser hat seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und muss direkt am Quellort abgefüllt werden. Wie viele Mineralien und Spurenelemente in einem Mineralwasser drin sind, hängt von der jeweiligen Quelle ab. Diese muss amtlich anerkannt werden. Zusammensetzung und Temperatur des Wassers dürfen nur unwesentlich schwanken. Außer Kohlensäure darf nichts hinzugefügt, Eisen und Schwefel dürfen entfernt werden.

    Still oder spritzig?

    Stilles Mineralwasser - oft abgefüllt in der grünen Flasche - ist nicht so lange haltbar wie ein Wasser mit Kohlensäure, da die Ansäuerung für ein stabiles antimikrobielles Milieu sorgt. Als sauren Sprudel oder umgangssprachlich als Selterswasser (seit 1984 ist Selters Markenname) darf ein Wasser nur bezeichnet werden, wenn es unter Kohlendioxidzusatz abgefüllt wird oder natürlicherweise mehr als 250 Milligramm pro Liter Kohlendioxid enthält. 

    Wie wird es kontrolliert?

    Für die Anerkennung einer Mineralwasserquelle sind in Deutschland mehr als 200 geologische, chemische und mikrobiologische Untersuchungen nötig. Die mikrobiologischen Grenzwerte sind strenger als beim Trinkwasser. Sie gelten aber nur für den Ort der Abfüllung, nicht für den weiteren Weg des Wassers bis zum Verbraucher.

    Welche Regeln gelten?

    Für natürliches Mineralwasser, Quell-, und Tafelwasser gilt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung. Darin ist beispielsweise geregelt, dass auf jeder Mineralwasserflasche der Ort und Name der Quelle, ein Auszug der wichtigsten Inhaltsstoffe sowie - falls zutreffend – ein Hinweis auf den Entzug von Kohlensäure, eine Behandlung mit ozonangereicherter Luft, die Eignung für die Ernährung von Kindern oder ein hoher Fluoridgehalt angegeben ist.

     

    Wo gibt es Quellen in Unterfranken?

    In Deutschland sind 827 Mineralwasserquellen (Stand 2017) amtlich anerkannt. Mineralwasserquellen in Unterfranken gibt es im Ortsteil Soden der Gemeinde Sulzbach am Main (Lkr. Miltenberg), in Bad Kissingen, in Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen), in Sailauf (Lkr. Main-Spessart), in Knetzgau (Lkr. Haßberge) und in Waldaschaff (Lkr. Aschaffenburg).

    Was spricht dafür?

    Mineralwasser ist etwas für Menschen, denen ihr Leitungswasser nicht schmeckt oder die ihm aus irgendwelchen Gründen misstrauen. Flaschenwasser ist praktisch für unterwegs und einige Wässer können zur Mineralstoffversorgung beitragen. Wer keine Milch mag oder verträgt, dem kann ein kalziumreiches Wasser helfen. Ein Mineralwasser mit viel Sulfat kann die Verdauung ankurbeln. 

    Archivbild: Wasseraufbereitungsanlage im Wasserwerk Lohr am Main (Lkr. Main-Spessart). Foto: Thomas Obermeier

    Was spricht dagegen?

    Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest fand man in Leitungswasser aus 13 Bundesländern teils mehr Mineralien als in 30 stillen, getesteten Mineralwässern. Nur jedes fünfte Mineralwasser hatte einen hohen Gehalt an Magnesium, Natrium und anderen Mineralstoffen. Dazu kommt: Leitungswasser belastet die Umwelt 600 Mal weniger als Mineralwasser und spart hunderttausende Tonnen an Emissionen - vom mühsamen Schlappen der Wasserkisten einmal abgesehen.

    Welche Risiken gibt es?

    Wer Mineralwasser aus Plastikflaschen trinkt, nimmt Mikroplastik zu sich: Forscher in Münsterfanden 2018 bei 38 getesteten PET-Flaschen im Schnitt 120 Mikroplastik-Partikel pro Liter. Auch homöopathische Dosen von Chemie wie Spuren von Ampa, einem Abbauprodukt von Glyphosat, sowie Keime wurden schon in Mineralwasserflaschen entdeckt.

    Was muss ich sonst noch darüber wissen?

    Mineral- und Heilwässer werden unterteilt in: Chlorid-, Sulfat-, und Hydrogencarbonat-Wässer (jeweils mit Natrium, Calcium oder Magnesium). Ab einem Mineralstoffgehalt von mindestens 1500 Milligramm pro Liter darf mit dem Hinweis „Mit hohem Gehalt an Mineralien“ geworben werden. Menschen mit Bluthochdruck sollten allerdings natriumarmes Wasser trinken.

     

    Leitungswasser

    Woher kommt es?

    Leitungswasser wird aus Grundwasser, Flüssen, Seen und Talsperren gewonnen und in Wasserwerken aufbereitet. Grundwasser ist tief im Boden gespeichertes, relativ sauberes Wasser, das sich sammelt, wenn Regen oder geschmolzener Schnee versickern. Nur ein Bruchteil der - in Unterfranken ohnehin geringen - Niederschläge gelangt in den Untergrund: Von 100 Litern Regen versickern 17 Liter ins Grundwasser. Der Rest verdunstet, wird von Pflanzen aufgenommen oder fließt über Flüsse ins Meer.

    Still oder spritzig?

    Wer eine Sprudel­maschine nutzt, muss keine Wasser­flaschen nach Hause trans­portieren und lagern. Außerdem kann man den Kohlensäuregehalt individuell wählen. Man sollte aber nur saubere Flaschen und gekühltes Wasser verwenden. Dieses nimmt mehr Kohlensäure auf als ungekühltes.

    Archivbild: Trinkwasserspeicher im Wasserwerk Lohr am Main (Lkr. Main-Spessart). Foto: Thomas Obermeier

    Wie wird es kontrolliert?

    Die Wasserversorger müssen das Wasser regelmäßig auf 70 Parameter wie Nitrat oder Pestizide kontrollieren und die Verbraucher einmal im Jahr über die Ergebnisse informieren - bei einem Störfall oder dem Beginn der Zugabe von Chlor sofort. In Wasserwerken werden Keime und unerwünschte Stoffe entfernt. Große Wasserwerke untersuchen das Wasser drei Mal täglich. Sie bereiten das Wasser mittels Ozon, Aktivkohlefiltern, Ultrafiltrationsanlagen, UV-Desinfektion, Entsäuerungsfiltern und/oder Chlordioxid (Mischung aus Chlor und Sauerstoff) auf. 

    Welche Regeln gelten?

    Für Leitungswasser gilt die Trinkwasserverordnung, die erst 2018 verschärft wurde. Das Wasser muss nun häufiger auf Enterokokken (Fäkalkeime) getestet werden. Sie definiert Grenzwerte so, dass selbst empfindlichste Menschen das Wasser ein Leben lang trinken können. Die Anforderungen gelten bis vor den Hausanschluss der Verbraucher. Ist das Wasser aufgrund maroder Leitungen innerhalb des Gebäudes mit Blei oder Legionellen belastet, ist der Hauseigentümer in der Pflicht.

    Wo gibt es Quellen in Unterfranken?

    In Unterfranken gibt es 575 Brunnen und 252 Quellen, die von 311 Wasserversorgern betrieben werden. Meist sind die Gemeinden oder Städte Träger der Wasserversorgung, haben die Aufgaben kommunalen Eigenbetrieben übertragen oder sich zu Zweckverbänden zusammengeschlossen.

    Was spricht dafür?

    Leitungswasser ist unschlagbar günstig - für einen Liter ist inklusive Abwasserkosten nur rund ein halber Cent fällig. Trinkwasser ist überall verfügbar und das am besten untersuchte Lebensmittel in Deutschland. Die Qualität gilt als insgesamt gut. Die Ökobilanz ist weit besser als bei Flaschenwasser.

    Archivbild: Im September 2018 mussten fast 50.000 Verbraucher im westlichen Landkreis Würzburg ihr Trinkwasser drei Wochen lang abkochen. Die Ursache für die Keimbelastung im Wasser wurde am Hochbehälter in Zellingen (Lkr. Main-Spessart) vermutet. Foto: Thomas Obermeier

    Was spricht dagegen?

    Nicht immer sind die Anlagen der Wasserversorger auf dem neuesten Stand. In Bayern wurden die meisten Trinkwasserleitungen in den 60er- bis 80er-Jahren verlegt. Bei einem Drittel fehlen die Unterlagen. Ein weiteres Drittel ist älter als 40 Jahre - bei einer Lebensdauer von 50 bis 75 Jahren. 15 Prozent müssten erneuert werden. Bei weniger als einem Prozent ist das derzeit der Fall. Die Folge: Es werden immer wieder Keime im Trinkwasser entdeckt. Das Wasser wird gechlort. Das schmeckt man.

    Welche Risiken gibt es?

    Wird das Wasser wegen eines Keim-Risikos gechlort, darf die Menge an Chlor, die höchstens beim Verbraucher ankommen darf, zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm pro Liter Wasser liegen. Auch wenn keine Gesundheitsschäden bekannt sind, sollten Schwangere und Babys ab zwei Wochen auf Flaschenwasser umstellen. Für Haustiere ist Chlor ungefährlich, für Fische allerdings giftig.

    Was muss ich sonst noch darüber wissen?

    Auch Leitungs­wasser ist mineral­stoff­haltig - je nach Standort. Hat das Wasser mehr als vier Stunden in der Leitung gestanden, sollte man es ablaufen lassen, bis es kühler wird. Von privaten Wasserfiltern, die Schadstoffe entfernen, raten Experten ab. Meist bewirken die Filter das genaue Gegenteil: Es breiten sich Keime aus.

    Zu viel Nitrat in Unterfrankens Grundwasser
    70 Prozent des aus Quellen und Brunnen in Unterfranken gewonnenen Wassers weisen zu hohe Belastungen auf. Die Gründe: Geringe Verdünnung der Schadstoffe durch Niederschläge, felsiger Boden mit geringer Filterfunktion, Nitrat- und Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft sowie Schadstoffe in der Luft, die über den Regen ins Grundwasser gelangen. Dieses Wasser muss erst aufwändig in Wasserwerken zu Trinkwasser aufbereitet und/oder mit nitratarmem Wasser gemischt werden.
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