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    Würzburg

    E-Mobilität: War das Würzburgs erstes elektrisches Fahrrad?

    Ist das das erste E-Bike Würzburgs gewesen? Der Versbacher Horst Baumeister hat es 1989 entwickelt. Seine Tochter hat dafür Modell gestanden.  Foto: Archiv Baumeister

    An Ideen mangelt es Horst Baumeister nicht. Der Würzburger hat das, was einige als Tüftler-Gen bezeichnen würden. Er selbst sieht sich jedoch nicht als Erfinder. "Ich würde sagen, ich realisiere Technikideen", sagt der 60-Jährige ganz pragmatisch mit einem Lächeln. Und an eine seiner größten Ideen setzte er sich Ende der 1980er Jahre. Während ein E-Bike für viele noch Zukunftsmusik war, schraubte Baumeister in seiner Werkstatt fleißig an einer fahrtüchtigen Variante.

    Und das fiel ihm nicht besonders schwer. Als gelernter Elektroniker hatte er das nötige Fachwissen. Aus einem klassischen Fahrrad, einem Lkw-Scheibenwischmotor und vier Akkus entstand innerhalb von sechs Wochen das vermutlich erste E-Bike Würzburgs.

    Horst Baumeister tüftelte schon vor 30 Jahren an einem E-Bike, das wollten Firmen damals aber nicht haben. Davon ließ er sich jedoch nicht unterkriegen und entwickelte sogar eine zweite Version, die im Bild zu sehen ist. Foto: Thomas Obermeier

    "Zu dieser Zeit gab es sonst nichts anderes in diesem Bereich", so Baumeister. Lediglich eine Schweizer Firma sei ihm bekannt, die auch schon früh die ersten Modelle entwickelt hatte. Doch das Fahrrad des Versbachers schaffte es nicht zur Marktreife. Aber warum? Schließlich fuhr das 37 Kilo schwere Gefährt. "Und meine Arbeitskollegen, die es testen durften, waren begeistert", erinnert sich Baumeister.

    Doch 1989 schien einfach nicht die Zeit für Elektro-Mobilität auf zwei Rädern gewesen zu sein. Von Firmen bekam er die Rückmeldungen "So etwas braucht kein Mensch" oder "Ein Elektro-Fahrrad für über 1000 D-Mark wird nicht gekauft". Darüber schmunzelt Baumeister heute, der bei der Firma va-Q-tec im Bereich Thermotechnik arbeitet. Schließlich verlangen einige Hersteller heute über 2500 Euro für manche Modelle. Und das Geschäft läuft. 2018 wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands 980 000 E-Bikes verkauft, der Großteil davon waren sogenannte Pedelecs. Sie bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Damit machen E-Bikes 23,5 Prozent des Gesamtfahrradmarkts aus. Anders gesagt: Schon fast jedes vierte verkaufte Fahrrad hat also einen Motor.

    Das elektrische Fahrrad von 1989 existiert nur noch in Fotobüchern. Foto: Thomas Obermeier

    Ärgert es Horst Baumeister dann nicht, dass Firmen das Potenzial vor 30 Jahren noch nicht gesehen haben? Nein, er gibt sich in der Hinsicht locker und unterstreicht eher die generelle Lust am Schrauben und Entwickeln, die er bis heute nicht verloren hat.

    Und so entwickelt er neben einer Hybrid-Handbohrmaschine beispielsweise auch ein Speicher-Ladegerät zur Speicherung von überschüssigem Wind- und Solarstrom – und eine zweite Version seines E-Bikes. Und mit dieser fährt er auch heute noch durch Würzburg und die Umgebung. Mit dem älteren Modell ist dies leider nicht möglich: Es fiel einer Aufräumaktion zum Opfer.

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