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    Thüngersheim

    Echter Kraftakt: Altes Bischofshaus wieder zum Leben erweckt

    Die Restaurierung des Thüngersheimer Bischofshauses ist ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit von Eigentümern, Planern, Behörden und Förderstellen. Im Bild von links: Bürgermeister Markus Höfling, Bauleiter Christian Küster, Architekt Felix Tannenberg, Bautechniker Tino Wagner, Günther Führich von der Unteren Denkmalschutzbehörde, DSD-Ortskuratorin Elisabeth Balk, die Bauherren Birgit Terhorst und Bodo Damm, Manfred Riepl von Lotto Bayern und Bauingenieur Martin Jaekel. Foto: Gerhard Meißner

    Die triste Vorgeschichte sieht man dem sogenannten Bischofshaus in der Thüngersheimer Urlaubsgasse wahrlich nicht mehr an. Innerhalb von drei Jahren erhielt die einstige Amtsvogtei der Würzburger Fürstbischöfe ihren alten Glanz zurück. Eine gewaltige Leistung der Bauherren, und ein Beispiel für das gelungene Zusammenwirken verschiedener Förderstellen, die die Restaurierung des privaten Baudenkmals überhaupt erst möglich gemacht haben.

    Balken über den Türen weisen auf das 15. und 16. Jahrhundert hin 

    Der gepflasterte Hof, der getreppte Renaissancegiebel, das Wappen des Fürstbischofs über dem Fenster: Schon von außen lässt das Haus den Status seiner früheren Besitzer erahnen. Fürstbischof Friedrich von Wirsberg hatte das Gebäude 1563 über einem älteren Fachwerkhaus errichten lassen. Sturzbalken über den Türen in Form sogenannter Eselsrücken weisen auf die Bauzeit im 15. und 16. Jahrhundert hin. Aus dieser Zeit stammt auch die Bohlen-Balken-Decke, die während der Restaurierung zum Vorschein kam. Selbst die farbliche Fassung hat die Jahrhunderte überdauert.

    "Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir rausgerissen und weggeschmissen haben."
    Bodo Damm, Denkmaleigentümer

    "Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir rausgerissen und weggeschmissen haben", sagt Bodo Damm. Allem voran zentnerweise Gips- und Heraklit-Platten, mit denen die früheren Bewohner das Haus ihren Bedürfnissen angepasst hatten. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit Terhorst hat Damm das alte Haus 2014 gekauft. Fortan war den beiden Geografie-Professoren ein Privatleben als Bauarbeiter beschieden. 

    Die Inschrift über dem Bodenfenster erinnert an den Bauherren des Bischofshauses, Fürstbischof  Friedrich von Wirsberg.  Foto: Gerhard Meißner

    Arbeitsstunden haben Birgit Terhorst und Bodo Damm nicht gezählt. Allein aus dem ehemaligen Schweinestall mussten 70 Tonnen alter Beton und Schutt ausgegraben werden. Alles von Hand, wie Bodo Damm betont. Über hundert Stunden hat Birgit Terhorst damit zugebracht, die dicken Farbschichten über den fein gearbeiteten Fensterlaibungen zu entfernen.Über viele Monate gingen Urlaub und Freizeit der beiden Hochschullehrer nahezu ausnahmslos für ihr Sanierungsprojekt drauf.Erst nachdem das Gebäude von Überflüssigem befreit war, kamen die Handwerker zum Zug.

    Die Fotos, die Bodo Damm vom ursprünglichen Zustand machte, lassen die Kraftanstrengung erahnen, die die Restaurierung die Hausherrn gekostet hat. Foto: Gerhard Meißner

    Dass aus dem Baudenkmal ein Wohnhaus wurde, das durchaus modernen Ansprüchen genügt, ist auch das Verdienst von Architekt Felix Tannenberg und seinem Team. Der Planer und Denkmalexperte aus Aub hat sich geradezu in das Projekt verbissen. Einzelne Balken der Fachwerk-Innenwände und des Dachstuhls waren morsch geworden. Um möglichst viel der historischen Substanz zu erhalten, wurden Stahlträger zur Stabilisierung eingezogen, erläutert Tannenberg.

    Die feinen Steinmetzarbeiten hat Birgit Terhorst in über 100 Stunden Feinarbeit von dicken Farbschichten befreit.  Foto: Gerhard Meißner

    Die statische Ertüchtigung hat die Baukosten erheblich verteuert. 1,3 Millionen Euro wird die denkmalgerechte Restaurierung des Anwesens und seiner zwei Nebengebäude kosten, wenn auch die letzten Restarbeiten noch abgeschlossen sind. Ohne hohe Fördersummen wäre das finanziell nicht zu stemmen gewesen, sagt Bauherr Bodo Damm. Doch auch hier habe sich Architekt Tannenberg als wertvoller Ratgeber erwiesen.

    Insgesamt rund 950 000 Euro an Fördergeldern flossen in das Projekt, ein großer Teil davon aus dem Entschädigungsfonds, einem von Freistaat und Kommunen gefüllten Fördertopf für die Denkmalpflege, und von der Städtebauförderung. Letztere werden zu 40 Prozent von der Kommune finanziert. Insgesamt 70 000 Euro steuerte die Deutsche Stiftung Denkmalpflege (DSD) bei, und zwar in einem Verfahren, das bislang in den alten Bundesländern beispiellos sei, so DSD-Ortskuratorin Elisabeth Balk.

    "Das Gelingen eines solchen anspruchsvollen Projekts ist davon abhängig, dass alle mitziehen und vor allem die Bauherren unterstützen."
    Markus Höfling, Bürgermeister

    Weil die Gemeinde Thüngersheim den Zuschuss für private Einzelobjekte angesichts der Vielzahl denkmalgeschützter Bauten auf 100 000 Euro gedeckelt hatte, die in Aussicht stehenden Mittel aus der Städtebauförderung diesen Betrag aber überstiegen hätten, besserte die Denkmalstiftung den kommunalen Anteil auf und machte so die zusätzlichen staatlichen Zuschüsse locker. "Auf diese Weise konnten wir aus einem Euro der Stiftung 2,5 Euro Zuschuss machen", freut sich Elisabeth Balk.

    Thüngersheims Bürgermeister hofft auf den Beispiel-Effekt

    Dank durchdachter Planung lässt sich auch zeitgemäßer Wohnkomfort in die historischen Bausubstanz integrieren. Foto: Gerhard Meißner

    Das Thüngersheimer Bischofshaus sei somit eines von über 400 Objekten, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bislang in Bayern fördern konnte, so Balk weiter. Maßgeblichen Anteil daran hat die Glücksspirale der staatlichen Lotterieverwaltung, aus deren Erlösen die Stiftung hauptsächlich gespeist wird. Deshalb freut sich auch Manfred Riedl von der Bezirksstelle von Lotto Bayern über die gelungene Restaurierung. "Es ist schön, dass die staatlichen Anbieter von Glücksspielen ihr Herz für die Region entdeckt haben", so Riedl.

    Thüngersheims Bürgermeister Markus Höfling hofft nun, dass vom Bischofshaus und anderen Sanierungsprojekten weitere Eigentümer zur Restaurierung ihrer historischen Häuser motiviert werden. "Das Gelingen eines solchen anspruchsvollen Projekts ist davon abhängig, dass alle mitziehen und vor allem die Bauherren unterstützen", so Höfling. Das restaurierte Bischofshaus trage erheblich zur Aufwertung des Thüngersheimer Altorts bei.

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