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    WÜSTENZELL

    Edbert Müller wurde 85: Schaffer, Sammler, Museumsleiter

    Edbert Müller aus Wüstenzell hat in seinem Anwesen ein kleines Museum eingerichtet. Ob sich ein Nachfolger findet? Foto: Elfriede Streitenberger

    Fit und bei guter Gesundheit feierte Edbert Müller aus Wüstenzell am Sonntag 85. Geburtstag. Zusammen mit Ehefrau Marita (83), den drei Kindern Elke, Matthias und Christian, seinen fünf Enkeln und einem Urenkel, freute er sich über die zahlreichen Gratulanten. Dabei wurden nicht nur Glückwünsche ausgesprochen, sondern wurde auch in Erinnerungen geschwelgt.

    Müller war sein ganzes Leben ehrenamtlich tätig, vor allem bei der Feuerwehr, dem Radfahrverein und zuletzt im Seniorenkreis Aalbachtal Wüstenzell. Zweiter Bürgermeister Reinhold Schwab dankte dem Jubilar für seine Arbeit als Gemeinderat, dem er sechs Jahre angehörte und sein Engagement für die Gemeinde.

    Engagiert und hilfsbereit

    Als Schreinermeister habe Müller über viele Jahrzehnte repariert, ausgewechselt oder neugestaltet – wo immer seine Hilfe gefragt war. So manches Wegkreuz im Flur trage seine Handschrift und eine von ihm angebrachte Inschrift lade die Menschen zum Verweilen ein. Er hilft bei der Pflege von öffentlichen Plätzen und beim Kriegerdenkmal.

    Als im Jahr 2012 Bernd Weigand die Ortsgeschichte von Wüstenzell veröffentlichte, war es Edbert Müller, der zahlreiche Bilder für die Chronik lieferte und als gebürtiger Wüstenzeller so manche Erinnerung und Dokumentation einfließen ließ. Als begeisterter Fotograf verfügt er über ein ansehnliches Bildarchiv, das die Geschichte und das Leben der Gemeinde dokumentiert.

    Müller wuchs mit seinen beiden älteren Brüdern auf dem elterlichen Hof in Wüstenzell auf. Der Krieg trennte die Familie früh, Vater und die beiden Brüder mussten in den Krieg und kurz nach deren Rückkehr starb die Mutter. Die Vier führten einen Männerhaushalt und der damals 16–Jährige lernte Schreiner. Die Meisterprüfung folgte. 1957 heiratete er Marita und baute mit seinem Schwiegervater ein Haus quasi in Eigenleistung. „Es gab immer was zu arbeiten“, erinnert sich seine Frau.

    Müller arbeitete in verschiedenen Schreinereien in der Umgebung bis ihn schließlich 1976 sein Weg als Ausbilder zum Kolping Bildungswerk nach Würzburg führte. Obwohl das Ehepaar Müller jede Minute in die An- und Umgestaltung ihres Anwesens steckte, fand es auch Zeit für die Liebe zu den Bergen. Das Allgäu wurde zur zweiten Heimat.

    Museum im Nebengebäude

    Neben der Fotografie ist Edbert Müller ein leidenschaftlicher Sammler und sehr stolz auf sein Museum im Nebengebäude, im Bauernzimmer und über der Werkstatt. Hier bewahrt er unter anderem landwirtschaftliche und berufsbezogene Werkzeuge aus den letzten drei Jahrhunderten auf. In seiner Sammlung befindet sich so manche Rarität und zu allen Stücken weiß Müller etwas zu erzählen. Besonders stolz ist er auf seine historischen Steinhauer Werkzeuge aus dem 17. Jahrhundert.

    Gebrauchsgegenstände aus dem Haushalt und alte Bilder von Wüstenzell erzählen die Geschichte seiner Heimat. Seine beiden Motorräder, eine alte NSU Quick und seine 125er Dekus, mit der er ab 1952 sechs Jahre lang zur Arbeit gefahren ist, dürfen natürlich nicht fehlen. Wehmütig wird es dem Jubilar beim Rundgang durch sein kleines Museum, denn er hat noch keinen Nachfolger für seine Sammlung gefunden und es drängt ihn, Sammlung und Wissen in jüngere Hände abzugeben.

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