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    REMLINGEN

    Ehejubiläum: seit 65 Jahren ein gutes Team

    Eiserne Hochzeit: Seit 65 Jahren sind Liselotte und Siegfried Pretsch ein Ehepaar. Foto: Elfriede Streitenberger

    „Wir sind ein gutes Team“, sind sich Liselotte und Siegfried Pretsch aus Remlingen einig, und das seit 65 Jahren. Wenn sie auf ihrem Reitehof stehen, wissen sie um ihr Glück, das vor 72 Jahren begann.

    Es war Liebe auf den ersten Blick für Siegfried Pretsch, als er seine Liselotte bei der Chorprobe kennenlernte. Für Liselotte war es der zweite Blick, denn er war ihr schon einige Zeit vorher bei der Konfirmation ihres jüngsten Bruders aufgefallen. Siegfried war mit seiner Mutter aus dem Sudetenland geflohen und in Remlingen untergekommen. Die beiden verliebten sich im Alter von 17 und 18 Jahren, sieben Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken.

    Fest im Kreise der Familie

    Mit Doris und Andrea stellten sich bald zwei Töchter ein, die das Glück des Paares perfekt machten. Heute, 65 Jahre nach der Hochzeit und 72 Jahre nach der ersten Begegnung feiern Liselotte und Siegfried Pretsch im Kreise der Töchter, Schwiegersohn Winfried und dem Enkel Matthias.

    Ein Heimchen am Herd war Liselotte nie. Als Jugendliche war sie fest entschlossen Bäuerin in Remlingen zu werden, wäre nicht ihr Lehrer gewesen. Schon als Schülerin musste sie ihn beim Unterricht in den ersten Klassen vertreten. Er erkannte das außergewöhnliche Lehrtalent, überzeugte die Eltern und dann Liselotte, Lehramt in Aschaffenburg zu studieren. Wieder zu Hause sorgte sie sich um die Erziehung der Kinder, erst an der Schule in Remlingen, später als Konrektorin und Ausbildungslehrerin an der Gesamtschule in Helmstadt.

    Lieselotte Pretsch hat sich auch im Gemeinderat und im Kirchenvorstand durchgeboxt: „Als Frau war das damals nicht leicht und ich musste mich doppelt anstrengen, damit meine Stimme auch gehört wurde“, erzählt die 90-Jährige. Viele Jahre leitete sie eine Flötengruppe mit über 60 Musikanten und engagierte sich ehrenamtlich in Remlingen. Der Haushalt lief trotzdem gut, denn das Paar teilte ihn sich, damals noch sehr ungewöhnlich. Siegfried Pretsch war viel unterwegs, nicht nur in seinem Beruf bei der Bahn-Post auf der Strecke Würzburg – München und Würzburg – Hamburg. Als Pferdenarr erfüllte er sich mit der Unterstützung seiner Frau einen Lebenstraum. Mit seinem ersten Pferd, der Hannoveraner Stute Aula, baute er sich ein kleines Gestüt auf und ließ seine Pferde erfolgreich bei Turnieren starten. „Ohne meine Liselotte hätte ich mir meinen Lebenstraum nie erfüllen können“, sagt er. Heute führt Tochter Andrea den Reiterhof.

    Erfülltes Leben

    „Ich liebe die Sonne, Mond und Sterne, aber am meisten liebe ich meine Liselotte“, sagt er dankbar. Das Schicksal hat es gut mit dem Paar gemeint, auch wenn eine Augenkrankheit das Leben des Jubelpaares sehr einschränkt. Ohne Hilfe können sie den Haushalt nicht mehr meistern und müssen auf vieles verzichten. Auch Pinsel und die Farbpalette musste der Landschaftsmaler an die Staffelei hängen. Aber es bleibt die Erinnerung an ein erfülltes und glückliches Leben.

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